Öko-Bestattungen Unter die Erde - biologisch abbaubar

Särge aus Korb oder aus Pappe, Kühlung statt Einbalsamierung und keine großen Leichenwagen: In Großbritannien sind Öko-Bestattungen hip. Einen wesentlichen Verschmutzungsfaktor bei Beerdigungen hat die britische Regierung ohnehin schon im Visier: die Quecksilberbelastung durch Zahnplomben.


"Die Leute machen sich Gedanken darüber, wie man am besten leben sollte. Und in diesem Zuge auch, wie man am besten sterben sollte", sagt Roslyn Cassidy, Bestattungsdirektorin bei "Green Endings" - einer britischen Firma, die Öko-Beerdigungen anbietet.

Öko-Sarg: In nur drei Monaten verrottet
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Öko-Sarg: In nur drei Monaten verrottet

Umweltfreundlich sterben - in Großbritannien nichts ungewöhnliches mehr. Unternehmen wie " Green Endings", " Eco-Coffins.com", " Wickerwillowcoffins.co.uk" tragen dazu bei, dass Großbritannien führend ist in Sachen grüner Bestattung, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Am Wochenende fand in London die Natural Death Center's Green Funeral Exhibition statt, wo Anbieter von Öko-Bestattungen ihre Dienste und Produkte ausstellen konnten.

Einer der wesentlichen Unterschiede bei einer ökologischen Beerdigung ist der Sarg. Statt eines Holzsargs bieten die Öko-Bestatter Särge aus geflochtenem Korb oder aus Pappe an - die aber genauso dick wie Holzsärge sind.

Ihre Öko-Bilanz ist unschlagbar: Nicht nur sind sie frei von Plastikinnenteilen, wie sie üblicherweise in Holzsärgen eingearbeitet sind. Zusammen mit den chemischen Klebern gelangen diese unter die Erde oder hinterlassen bei Verbrennung giftige Dämpfe. Pappsärge sind auch in nur drei Monaten biologisch abgebaut - was auch den Zersetzungsprozess des Leichnams beschleunigt. Bei der herkömmlichen Erdbestattung wird der Sarg etwa zwei Meter tief versenkt - zu tief für eine schnelle Verrottung. Es kann Jahre dauern, bis eine Leiche verwest ist.

Allerdings haben die Pappsärge auch Nachteile: Sie seien nicht so einfach zu tragen, meint Oliver Peacock, Direktor des Oakfield-Wood-Friedhofs, wo besonders viel wert auf ökologische Bestattungen gelegt wird. Und: "Bei Regen machen sie keine allzu gute Figur", sagt er.

Sollte der Verstorbene stattdessen eine Verbrennung gewünscht haben, was in 70 Prozent aller Bestattungen Großbritanniens der Fall ist, wird die Asche in einer Öko-Urne aus Bambus, Glas oder Keramik verwahrt.

Weitere Unterschiede zu einer herkömmlichen Bestattung: Der Leichnam wird nur in einfache Stoffe gehüllt und nicht einbalsamiert. Bei der Einbalsamierung wird für gewöhnlich Formaldehyd verwendet, das in Venen und Arterien sowie in den Bauch- und Brustraum des Leichnams eingeleitet wird. Der krebserregende Stoff kann so auch ins Grundwasser gelangen. Eine Alternative zur Einbalsamierung, so die Öko-Bestatter, sei einfache Kühlung oder eine Behandlung mit Trockeneis.

Zudem spielt bei einer ökologischen Bestattung die CO2-Bilanz eine Rolle. Marmorgrabsteine, deren Herstellung und Transport viel Energie kostet, sind daher genauso verpönt wie große Leichenwagen.

Ein Aspekt hin zu einer ökologischeren Bestattung wird in Großbritannien aber ohnehin bald bei allen Beerdigungen Beachtung finden: die Verminderung der Quecksilberbelastung. Laut Schätzungen der Federation Of Burial and Cremation Authorities (FBCA) ist der Verbrennungsrauch aus Krematorien für 16 Prozent der Gesamt-Quecksilberemissionen Großbritanniens verantwortlich. Der Grund: Zahnplomben aus Amalgam. Im Jahr 2020 könnte der Krematorienrauch sogar der größte Quecksilberluftverschmutzer sein, schätzt die FBCA. Der Grund des Anstiegs, so die FCBA, liege vermutlich darin, dass in dieser Zeit eine Generation beigesetzt werde, die ihre Zähne vorwiegend behielt und viele Amalgamplomben besaß.

Die britische Regierung hat bereits angekündigt, bis zum Jahr 2012 die Quecksilberemissionen aus Krematorien um die Hälfte senken zu wollen. Ob Öko-Bestattung oder nicht - bis dahin müssen Krematorien mit speziellen Quecksilberfilteranlagen ausgestattet sein.

lub/AP



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