Eiszeit-Mumie: Ötzi hatte schlechte Zähne

Gletschermumie: Forscher fühlen Ötzi auf den Zahn Fotos
DPA/ ZEM/ R.Seiler

Ein abgeschlagener Frontzahn, fortgeschrittene Parodontitis und Karies: Ötzi putzte Zeit seines Lebens vor rund 5300 Jahren wohl kaum seine Zähne - und das sieht man seinem Gebiss an.

Gletschermann Ötzi plagten vor mehr als 5000 Jahren Karies und Parodontitis. Obendrein war einer seiner Frontzähne - vermutlich unfallbedingt - abgestorben, wie Forscher vom Zentrum für Evolutionäre Medizin (ZEM) der Universität Zürich nachweisen konnten.

An der Gletschermumie hätten sich "erstaunlicherweise zahlreiche, auch heutzutage noch weit verbreitete Erkrankungen an den Zähnen und dem Zahnhalteapparat" gezeigt, sagte Studienleiter Frank Rühli zu der im Fachmagazin "European Journal of Oral Sciences" veröffentlichten Untersuchung. Die Analyse gebe interessante Hinweise auf das Ernährungsverhalten des neolithischen Mannes und zur Evolution von medizinisch bedeutenden Zahnkrankheiten.

Obwohl seit mehr als 20 Jahren an der berühmten Mumie geforscht wird, waren die Zähne bisher wenig beachtet worden. Der Zürcher ZEM-Dentist Roger Seiler sowie Forscherkollegen in den USA und Italien werteten computertomografische Daten zu Ötzis Gebiss aus. "Der Schwund des Zahnhalteapparates war schon immer eine sehr häufige Erkrankung, wie Schädelfunde aus der Steinzeit oder die Untersuchung ägyptischer Mumien zeigen", sagte Seiler. "Ötzi erlaubt uns einen speziell guten Einblick in eine solch frühe Form dieser Erkrankung."

Frontzahn durch einen Schlag abgestorben

Dreidimensionale Rekonstruktionen von Gebiss und Mundhöhle zeigten, wie sehr der Eismann unter einer fortgeschrittenen Parodontitis litt. Vor allem im Bereich der hinteren Backenzähne fand Seiler einen Verlust des parodontalen Stützgewebes, der beinahe die Wurzelspitze erreichte. Zwar habe Ötzi wohl kaum seine Zähne geputzt. Die abschleifende Nahrung hatte den Experten zufolge jedoch viel zur Selbstreinigung beigetragen. Die Karies führen die Forscher auf eine sehr stärkehaltige Nahrung wie Brot und Getreidebrei zurück, die die Menschen durch den aufkommenden Ackerbau in der Jungsteinzeit vermehrt verzehrten.

Parodontitis wird auch mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in Zusammenhang gebracht. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass Ötzi unter Arterienverkalkungen litt.

Ötzis unfallbedingte Zahnschäden zeugten wie seine anderen Verletzungen vom rauen Leben in jener Zeit, erklären die Forscher. "Ein Frontzahn ist durch einen Schlag abgestorben - die Verfärbung ist noch deutlich sichtbar und ein Backenzahn hat wohl durch einen Kauunfall, vielleicht ein Steinchen im Getreidebrei, einen Höcker verloren."

Ötzi gilt als älteste Feuchtmumie der Welt. Seit ihrer Entdeckung im Jahre 1991 in den Ötztaler Alpen in Südtirol haben unzählige wissenschaftliche Untersuchungen stattgefunden.

wbr/dpa

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