Erfurt - Bereits vor Beginn der Impfkampagne forderten Mediziner einen schonenderen Impfstoff für Schwangere, der frei von Wirkverstärkern und Konservierungsmitteln ist. Jetzt, rund sechs Wochen nach Beginn der Massenimpfung, soll er endlich kommen. Der Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums, Andreas Hoffmeier, bestätigte am Freitag SPIEGEL ONLINE, dass der Impfstoff H1N1 Pandemic Influenza Vaccine des australischen Pharmakonzerns CSL Biotherapies nächste Woche in Apotheken zur Verfügung stehen soll. Die Chargen des zugelassenen Wirkstoffs seien bereits in Thüringen eingetroffen.
Im Gegensatz zum Serum Pandemrix des Herstellers GlaxoSmithKline soll der neue Impfstoff weder Verstärkerzusätze, sogenannte Adjuvantien, noch Konservierungsmittel enthalten. Beide Bestandteile sind umstritten - Die Adjuvantien, weil sie das Immunsystem besonders anstacheln, und es deshalb zu Überreaktionen kommen könnte; die Konservierungsmittel, weil sie Quecksilberverbindungen enthalten.
Wenn es keine Verzögerungen gebe, könnten Frauenärzte den neuen Impfstoff von Mitte nächster Woche an bestellen, so Hoffmeier. Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder wird derzeit von Thüringen geleitet. Die Länder erhalten nach Angaben des Ministeriums insgesamt 150.000 Dosen des neuen Serums. Die Menge, die einem Land zur Verfügung stehe, richte sich nach der Geburtenzahl des vergangenen Jahres.
Unterdessen ist die Zahl der Schweinegrippe-Neuinfektionen seit Wochen rückläufig. Insgesamt haben die Bundesländer 50 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix erworben. Weil aber die Nachfrage nach der Impfung sinkt, wollen sie 2,2 Millionen Ampullen verkaufen. Bisher haben sich nur etwa fünf Prozent der deutschen Bevölkerung gegen den H1N1-Erreger immunisieren lassen.
Das Bundesgesundheitsministerium unterstützt den Vorstoß einiger Bundesländer, nicht benötigte Chargen von Pandemrix im Ausland zu veräußern. Ein Sprecher sagte am Freitag in Berlin, das Ministerium habe über die Botschaften die Angebote verbreitet. Ob Impfstoff verkauft oder verschenkt werde, müssten die Bundesländer entscheiden. Der Grund: Sie sind die Eigentümer des Impfstoffs, weshalb das Ministerium nur als Makler auftreten kann.
Das Land Bremen hatte zudem angekündigt, sich für eine Stornierung bereits bestellter Impfstoffe gegen die Schweinegrippe beim Hersteller einzusetzen. Wie eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde sagte, war am Mittwoch ein entsprechendes Schreiben an die anderen Länder gegangen. "Wir wollen möglichst ein gemeinsames Vorgehen aller Länder noch vor Weihnachten erreichen", sagte sie. Die Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für die tatsächlich verbrauchten Impfdosen. Damit könnten die Länder auf Millionen-Kosten sitzen bleiben.
cib/AP
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