Englischer Revolutionär Oliver Cromwell starb an Typhus und Malaria

Vergiftet wurde er, oder ist er doch an einer Nierenkrankheit gestorben? Zum Tod von Oliver Cromwell gibt es viele Theorien. Alle Quatsch, sagt ein Forscher: Typhus und Malaria töteten den englischen Revolutionär.

Von

Getty Images

Gerichtsmediziner haben es vergleichsweise einfach: Die Leiche liegt vor ihnen auf dem Tisch und sie können in aller Ruhe untersuchen, woran der Betroffene gestorben ist. Doch was, wenn der Tod schon sehr lange zurückliegt? Oder gar keine Leiche vorhanden ist? Dann müssen sich Wissenschaftler anderer Fachrichtungen mit dem begnügen, was noch übrig ist.

Auf diese Weise haben Wissenschaftler geklärt, woran zum Beispiel Tutanchamun und der englische König Richard III. starben. Nun konnten Forscher einen weiteren Fall lösen - oder zumindest der wahren Todesursache näher kommen: Es geht um den Tod von Oliver Cromwell - jenes Revolutionärs, der im 17. Jahrhundert beinahe das britische Königshaus abgeschafft hätte.

Der Arzt Sanjay Saint von der US-amerikanischen University of Michigan stellte auf der Jahreskonferenz der Historischen Klinischen Pathologie in Maryland die Hypothese vor, dass den 1658 verstorbenen Revolutionär eine Kombination aus Malaria und Typhus dahingerafft hatte. Saint hatte alte Obduktionsberichte nochmals eingehend studiert.

Zwei tückische Krankheiten gleichzeitig

Als die Ärzte den Körper einbalsamierten, fanden sie demnach das Gehirn Cromwells von Fieber gezeichnet, seine Lungen angeschwollen und in seiner Milz einen "Bodensatz von Öl". Diese Symptome, berichtet Saint, seien typisch für Typhus. Zudem sei der Körper Cromwells durch Malaria bereits geschwächt gewesen, sodass sein Immunsystem der zusätzlichen Infektion nichts entgegensetzen konnte.

Dass Cromwell Malaria hatte, war zuvor bekannt, doch die Typhus-Infektion ist neu. Zudem schließt Saint mit seiner Recherche eine ganze Reihe anderer Erkrankungen aus, die Ärzte Cromwell zuvor zugeschrieben hatten, darunter eine Krankheit, die sie als "Steine" bezeichneten. Der Begriff war im 17. Jahrhundert als allgemeiner Name für jede Art von Blasen- und Nierenproblemen geläufig.

Auch über eine Vergiftung wurde spekuliert, immerhin hatten viele Royalisten einen guten Grund, Cromwell den Tod zu wünschen. Allen voran hatte der venezianische Botschafter den Verdacht geäußert, als der Gesundheitszustand Cromwells sich gegen Ende rapide verschlechterte.

Mit absoluter Sicherheit wird sich allerdings nie sagen lassen, woran Cromwell gestorben ist. Denn wo Cromwells sterbliche Überreste liegen, ist ungewiss. Am 30. Januar 1661 exhumierte man die Gebeine für eine nachträgliche Hinrichtung. Der verweste Körper hing in Ketten auf der Richtstätte von Tyburn, den Schädel spießten die Royalisten auf einen Pfahl vor der Westminster Hall.

Tutanchamun im Computerscan

Leichter fällt die Aufklärung da bei dem wohl berühmtesten Fall eines spät analysierten Todes: dem des ägyptischen Kindkönigs Tutanchamun. Für eine virtuelle Autopsie der Mumie werteten Forscher 2014 mehr als 2000 Computerscans aus und analysierten zusätzlich DNA-Proben Tutanchamuns sowie seiner Eltern.

Demnach gelten drei Ursachen in Kombination als verantwortlich für den Tod des Pharaos:

  • Sein Vater Echnaton und seine als "jüngere Dame" bekannte Mutter waren Geschwister. Die enge Verwandtschaft beider Elternteile führte wahrscheinlich zu einer Reihe genetischer Defekte, vermutete das Team, zu dem auch der Deutsche Albert Zink vom Institut für Mumien und den Iceman an der Eurac in Bozen gehört.
  • Mit Malaria infizierte der Pharao sich offenbar gleich mehrmals während seines kurzen Lebens, in seinen sterblichen Überresten ließ sich die DNA verschiedener Stränge des Erregers nachweisen.
  • Vermutlich trug aber auch ein komplizierter Beinbruch kurz vor seinem Tod zur zusätzlichen Schwächung des Körpers bei. Es ist der einzige Bruch, der sich tatsächlich in die Lebenszeit Tutanchamuns datieren lässt. Alle anderen Knochenverletzungen erwiesen sich als postmortal, verursacht entweder durch die Einbalsamierung oder Grabräuber.

Ötzi hatte ein Schädeltrauma und eine Pfeilspitze in der Schulter

Ähnlich eingehend wurde nach der Todesursache für den 1991 in den Ötztaler Alpen gefundenen Eismann Ötzi gesucht. Zehn Jahre nach der Bergung entdeckten Forscher auf Röntgenaufnahmen eine Pfeilspitze in der linken Schulter. Zunächst vermuteten die Anthropologen um den italienischen Arzt Eduard Egarter Vigl, die Pfeilspitze habe eine Arterie durchschlagen und der Blutverlust zum Tod des Eismannes geführt.

Später jedoch räumten sie ein, dass auch ein Schädeltrauma die Todesursache gewesen sein könnte. Wahrscheinlich erlitt Ötzi die beiden Verletzungen zeitlich nah beieinander. Denkbar wäre zum Beispiel, dass er in Folge des Pfeiltreffers stürzte und mit dem Kopf auf den Boden schlug. Mithilfe von CT-Scans konnten die Forscher die geschädigten Gefäße und den daraus resultierenden Blutverlust sowohl an der Schulter als auch am Kopf nachweisen.

Knochen verraten, woran Richard III. starb

Auch im Fall des englischen Königs Richard III. mussten Forscher improvisieren, um herauszufinden, woran dieser gestorben ist. Der König war am 22. August 1485 in der Schlacht von Bosworth ums Leben gekommen, seine Leiche wurde 2012 unter einem Parkplatz in Leicester wieder gefunden - allerdings nur die Knochen. Gewebe war - anders als bei Tutanchamun oder Ötzi - nicht erhalten. Und trotzdem wurden die Wissenschaftler fündig.

Die Knochen verrieten: Zehn schwere Hiebe hatten den Herrscher getroffen, alleine acht am Kopf - zwei davon waren tödlich. Vermutlich versetzten seine Gegner ihm die letalen Schläge mit einem Schwert und einer Hellebarde. Sein Helm muss dem Herrscher folglich im Schlachtgetümmel abhandengekommen sein.

Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
noalk 18.01.2016
1. Liebe Frau Franz, ...
bitte redigieren Sie ihre Beiträge vor dem Veröffentlichen. Oder nehmen Sie sich nochmal die deutsche Grammatik vor, insbesondere den Unterschied zwischen dem Gebrauch des Artikles "das" und der Konjunktion "dass" sowie die Verwendung Gebrauch Konjunktivs. Danke.
Trendgenerator 18.01.2016
2. Bööh, Oberlehrer!
Zitat von noalkbitte redigieren Sie ihre Beiträge vor dem Veröffentlichen. Oder nehmen Sie sich nochmal die deutsche Grammatik vor, insbesondere den Unterschied zwischen dem Gebrauch des Artikles "das" und der Konjunktion "dass" sowie die Verwendung Gebrauch Konjunktivs. Danke.
BITTE!
solna 18.01.2016
3. Schnell verbessern
Das Cromwell Malaria hatte ... Nein, 'dass ...'.
Rosmarinus 18.01.2016
4.
Zitat von TrendgeneratorBITTE!
Na ja - Rechtschreibung, die Verwendung passender Wörter und eine richtige Grammatik sollte bei Jornalisten schon zum guten Ton gehören. Wenn Sie ind er Kläranlage Ihr Handwerkszeug auch nicht beherrschen, ist das schließlich auch peinlich.
hektor2 18.01.2016
5. Redigieren
Zitat von noalkbitte redigieren Sie ihre Beiträge vor dem Veröffentlichen. Oder nehmen Sie sich nochmal die deutsche Grammatik vor, insbesondere den Unterschied zwischen dem Gebrauch des Artikles "das" und der Konjunktion "dass" sowie die Verwendung Gebrauch Konjunktivs. Danke.
Wenn Sie solch einen Beitrag verfassen, dann sollte es m. E. nach Ihr persönlicher Ehrgeiz sein, ihn fehlerfrei zu verfassen. Um dies sicherzustellen, bietet es sich m. M. nach an, ihn vorher nochmals durch zu lesen und ggf. Fehler zu korrigieren. So wirkt das ziemlich lächerlich; zumindest auf mich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.