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Orientierungssinn: Warum Frauen sich verlaufen

Es ist was dran am Klischee: Frauen haben häufig einen weniger ausgeprägten Orientierungssinn als Männer - weil sie sich räumliche Zusammenhänge schlechter merken können. Sie orientieren sich eher an Landmarken, zeigt eine Studie - und das kann durchaus auch von Vorteil sein.

Die meisten Männer können sich Wege besser merken und finden sich auch auf Landkarten leichter zurecht. Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass dahinter eine unterschiedliche Strategie steckt. Sie wird etwa in der Art reflektiert, wie Männer und Frauen eine Wegbeschreibung aufbauen: Während sich die Männer auf Himmelsrichtungen und Entfernungen konzentrieren, beschreiben Frauen fast ausschließlich markante Punkte. Ob sich die Herangehensweise jedoch deswegen so stark unterscheidet, weil beide Geschlechter unterschiedliche Informationen auswerten oder weil Frauen sich tatsächlich räumliche Zusammenhänge schlechter merken können, war bislang unklar.

Frau vor Stadtplan: Wegmarken statt Himmelsrichtungen
Getty Images

Frau vor Stadtplan: Wegmarken statt Himmelsrichtungen

Nun zeigten zwei Frauen, Catherine Jones und Susan Healy von der University of Edinburgh, welchen Grund der kleine Unterschied hat: Frauen merken sich eher Wegmarken, Männer dagegen speichern sowohl solche optischen Hinweise als auch räumliche Zusammenhänge ab, ohne dabei eine der beiden Strategien zu bevorzugen, berichten die Forscherinnen in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" (Online-Vorabveröffentlichung).

Einige der Testaufgaben von Jones und Healy waren nur mit Hilfe von räumlichen Informationen zu lösen, während für andere ausschließlich visuelle Hinweise wichtig waren. Am Ende der Testreihe untersuchten die Forscherinnen schließlich, welche Informationen für die männlichen und weiblichen Probanden jeweils am hilfreichsten waren.

Das Ergebnis: Frauen schnitten in den räumlichen Aufgaben sehr viel schlechter ab als Männer. Hingegen waren die Leistungen bei den Aufgaben, bei denen es auf optische Merkmale ankam, praktisch gleich. Frauen haben demnach ein sehr viel schlechteres Gedächtnis für räumliche Anordnungen und verwenden hauptsächlich optische Informationen zum Orientieren. Männer können dagegen die räumlichen und die visuellen Hinweise gleich gut verwerten.

Das erkläre auch, warum sich Frauen lediglich in einigen wenigen Situationen, beispielsweise in geschlossenen Räumen, besser orientieren können als Männer: Während sich Frauen ausschließlich auf die in solchen Fällen wichtigeren optischen Informationen konzentrieren, teilen die Männer ihre Aufmerksamkeit zwischen den wesentlichen und den unwesentlichen Informationen auf, schreiben die Wissenschaftlerinnen. Sie wollen nun prüfen, welchen Vorteil diese Art der Orientierung den Frauen während der frühen Entwicklung gebracht haben könnte.

cis/ddp

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