Paläontologie Riesentausendfüßer - so lang wie ein Pferd

Er war etwa 2,30 Meter groß und hat vor etwa 296 Millionen Jahren gelebt. Die von Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg und des Naturhistorischen Museums Schloß Bertholdsburg entdeckten Fossilien eines Riesentausendfüßers lassen vermuten, daß es sich bei dem Lebewesen um eines der größten Landtiere seiner Zeit gehandelt hat.


Jörg Schneider präsentiert das Fossil des größten terrestrischen Arthropoden
DPA

Jörg Schneider präsentiert das Fossil des größten terrestrischen Arthropoden

Jörg Schneider war begeistert, als einer seiner Kollegen von einer Sauriergrabung mit dem Beinfragment eines Fossils zurückkam. Paßte es doch zu einem bereits vor fünf Jahren gefundenen Abdruck in einem Gestein, das der Freiberger Professor für Paläontologie "zunächst nicht einzuordnen wußte".


Das neu hinzugekommene Gesteinsstück ermöglichte nicht nur die Rekonstruktion des Riesentausendfüßers, auch seine Größe konnte berechnet werden - und die ist gigantisch. Nach Schneiders Berechnungen war das Tier sage und schreibe 2,30 Meter lang. "Ich war zunächst richtig erschrocken. Aber auch mehrmaliges Nachrechnen bestätigte diesen Wert." Und weil diese Größe sehr gut mit in Kanada gefundenen Fährten von Riesentausendfüßern übereinstimmt, halten auch andere Paläontologen dieses Ergebnis für durchaus realistisch.


Arthropleura - über zwei Meter lang und einen halben Meter breit
Jörg Schneider

Arthropleura - über zwei Meter lang und einen halben Meter breit

Das unter dem Namen Arthropleura bekannte Lebewesen ist damit der größte Landgliederfüßer, der jemals auf der Erde gelebt hat. Zwar hat man bisher keine Kieferabdrücke gefunden, aber die Forscher vermuten, daß Arthropleura sich von Pflanzen und anderen Tieren ernährt hat. Klimatische Veränderungen und die Vermehrung von fleischfressenden Sauriervorfahren im unteren Perm vor 290 Millionen Jahren hätten zum Aussterben des Riesentausendfüßers geführt.


Gefunden wurden die Fossilien in einer Steilwand nahe der thüringischen Stadt Manebach. Die einstige Steinkohlenbergbau-Region ist wegen ihres Reichtums an Fossilien seit mehreren hundert Jahren bei Versteinerungskundlern äußerst beliebt. Schon der Hobby-Paläontologe Goethe sammelte dort Pflanzenfossilien.



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