Palmöl-Produktion: Greenpeace greift Öko-Siegel an

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Gewaltige Regenwald-Flächen fallen der schnell wachsenden Palmöl-Produktion zum Opfer. Hersteller und Umweltschützer feiern jetzt ein neues Öko-Siegel als mögliche Lösung des Dilemmas. Doch das Projekt wird heftig angegriffen - ausgerechnet von Greenpeace.

Rotterdam - Palmöl ist allgegenwärtig: Es ist in Seife, Putzmitteln, Margarine, Eis und Schokolade enthalten. Als Bestandteil von Biotreibstoff wird es in Motoren verbrannt. Die Kehrseite: Für die Plantagen sind in den vergangenen Jahren zehntausende Hektar Regenwald zerstört worden, vor allem in Malaysia und Indonesien. Dadurch verlieren nicht nur zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensräume. Regen- und Torfwälder sind nicht nur für das globale Klima wichtig, weil sie klimaschädlichen Kohlenstoff binden. Vor allem die Zerstörung der Torfwälder setzt Unmengen CO2 frei. Indonesien etwa ist aufgrund seiner Waldzerstörung nach China und den USA drittgrößter Treibhausgas-Emittent der Welt.

Für Palmöl-Plantagen abgebrannter Regenwald in Indonesien: Streit um neues Öko-Siegel
AP

Für Palmöl-Plantagen abgebrannter Regenwald in Indonesien: Streit um neues Öko-Siegel

Um das Problem in den Griff zu bekommen, haben 340 Organisationen - Palmöl-Hersteller, Plantagenbesitzer, Händler, Investoren sowie Verbraucher- und Umweltschützer - den "Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl" (RSPO) gegründet. Das Ziel: Unternehmen stellen Palmöl sozial- und umweltverträglich her und können sich dafür mit einem Zertifikat schmücken. Laut RSPO werden derzeit weltweit 28 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr produziert, vier Prozent davon auf Plantagen mit RSPO-Zertifikat.

Am Dienstag wurde in Rotterdam die erste 500-Tonnen-Schiffsladung Palmöl gefeiert, die das Gütesiegel "nachhaltig produziert" trägt. Doch der erste Ärger ließ nicht lange auf sich warten. Die Umweltorganisation Greenpeace übte scharfe Kritik am RSPO und bezeichnete das Zertifikat als "Etikettenschwindel". Das Pikante an den Vorwürfen: Auch Oxfam International und die Umweltstiftung WWF sind Mitglieder des RSPO.

Heftige Vorwürfe der Umweltschützer

Greenpeace hat nach eigenen Angaben die Geschäftspraktiken des indonesischen Unternehmens United Plantations untersucht, dessen Ladung in Rotterdam eintreffen soll. Die Firma habe Palmöl-Plantagen in Malaysia vom RSPO zertifizieren lassen und sei damit auch in Indonesien zur Einhaltung von Mindeststandards verpflichtet, so die Umweltschützer.

Doch United Plantations zerstöre weiterhin Regenwald, lege illegal Torfböden trocken und sei in Konflikte mit der Landbevölkerung verwickelt. Das Palmöl der Firma sei ein Klimakiller, sagte Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel. "Das Zertifikat ist ein Feigenblatt, und die Regenwaldabholzung geht weiter."

United Plantations verwies auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE auf eine Pressemitteilung, die das Unternehmen am Dienstag auf seine Internetseite gestellt hat. Darin ist von "ungerechtfertigten Anschuldigungen" die Rede. Greenpeace habe seinen Bericht veröffentlicht, ohne vorher direkt mit United Plantations Kontakt aufgenommen zu haben. "Viele der Behauptungen basieren auf falschen Vorstellungen und Missverständnissen", so das Unternehmen.

WWF reagiert alarmiert

Greenpeace griff unterdessen auch den RSPO scharf an: Nicht nur United Plantations, auch "der RSPO und der Zertifizierungsprozess haben bei der Bekämpfung der Entwaldung versagt". Der RSPO könne "die Einhaltung selbst seiner unzureichenden Kriterien nicht kontrollieren".

Die Umweltstiftung WWF reagierte alarmiert auf die scharfen Angriffe von Greenpeace. "Da muss etwas getan werden", sagte Matthias Diemer von WWF Schweiz zu SPIEGEL ONLINE. In der kommenden Woche finde die Jahreskonferenz des RSPO statt. "Dort muss dieses Thema aufgegriffen werden. Wir werden uns für eine Untersuchung einsetzen."

Diemer wertete es als positiv, dass United Plantations in seiner Pressemitteilung bereits die rückhaltlose Zusammenarbeit mit dem RSPO-Vorstand angekündigt habe. Er warnte vor überzogener Kritik. "Der RSPO hat das Potential, den Palmöl-Sektor zu reformieren", so der WWF-Forstexperte. "Aber das braucht seine Zeit." Der WWF habe bereits gemeinsam mit Oxfam International eine Resolution eingebracht, die zur Verschärfung des Verhaltenskodexes für RSPO-Mitglieder führen soll. Eine weitere Resolution sehe vor, dass die Mitglieder Umwelt- und Sozialgutachten schon vor dem Anlegen neuer Plantagen vorlegen müssen.

Mit Material von dpa

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