Pandemie Berlin schließt Schule wegen Schweinegrippe

Acht Schüler eines Berliner Gymnasiums sind an Schweinegrippe erkrankt. Die Behörde rechnet mit weiteren Befunden - und hält die Schule ab Montag geschlossen. Eine Woche lang fällt der Unterricht aus.


Berlin - Erst waren es vier Fälle von Schweinegrippe an dem Berliner Gymnasium, nun sind es acht - und mit weiteren Erkrankungen ist vermutlich zu rechnen. Vorsorglich schließt die Stadt Berlin daher ab Montag für eine Woche das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium im südöstlichen Bezirk Köpenick.

Mit weiteren positiven Befunden müsse gerechnet werden, teilte die Senatgesundheitsverwaltung am Sonntag mit. In Abstimmung zwischen der Behörde und der zuständigen Amtsärztin werde die Schule deshalb von Montag bis Freitag, den 10. Juli geschlossen.

Alle Kranken hätten laut Behörde "leichte Symptome" und würden zu Hause mit dem Medikament Tamiflu behandelt. 80 Proben von Schülern und Lehrern seien inzwischen im Labor untersucht worden.

Die ersten Fälle von Schweinegrippe an der Schule wurden bereits am Donnerstag bekannt. Bei den ersten Erkrankten handelt es sich nach Angaben der Senatsverwaltung von vergangener Woche um eine 17-Jährige sowie um drei Austauschschüler aus den USA. Seit vier Wochen sollen sich die amerikanischen Schüler aus Texas in Deutschland befinden und sich auch hier angesteckt haben. Ihre Rückreise war für dieses Wochenende geplant.

Mindestens 30 Kinder hatten sich Mitte Juni an einer japanischen Schule in Düsseldorf angesteckt. Auch an der Universitätsklinik Dresden sind fünf Labormitarbeiter erkrankt. Einen entsprechenden Bericht der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung" bestätigte ein Klinikum-Sprecher. Der Krankheitsverlauf sei in allen Fällen jedoch leicht, die Betroffenen könnten sich zu Hause auskurieren. Sie arbeiten alle am Institut für Mikrobiologie, Hygiene und Virologie der Medizinischen Fakultät. Es wird vermutet, dass die Infektion von einer Laborantin ausging.

Die Weltgesundheitsorganisation zählte weltweit bislang fast 90.000 Fälle von Schweinegrippe und mehr als 380 Tote in rund 120 Ländern. In Deutschland registrierte das Robert Koch-Institut bislang mehr als 400 Fälle. Die meisten Infektionen seien mild verlaufen. Mindestens 30 Kinder hatten sich Mitte Juni an einer japanischen Schule in Düsseldorf angesteckt.

Die Symptome der Schweinegrippe gleichen der einer menschlichen Influenza. Dazu gehören Fieber, Husten und Probleme beim Atmen. Auch Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen können auftreten.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

kgp/dpa/ddp



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