Pandemie Nationale Schweinegrippe-Impfungen laut WHO gefährdet

Die Schweinegrippe könnte im Herbst mit neuer Wucht zurückkehren - und zahlreiche Länder unvorbereitet treffen. Denn ein Impfstoff wird nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation nicht mehr rechtzeitig kommen.


London/Paris - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Hoffnungen nationaler Regierungen und Gesundheitsbehörden auf einen bald vorhandenen Impfstoff gegen die Schweinegrippe gedämpft. "Es gibt keinen Impfstoff", sagte WHO-Chefin Margaret Chan in einem Interview mit der britischen Zeitung "Guardian". Zwar sei es möglich, dass im August ein Impfstoff vorliege. Es werde aber noch zwei bis drei weitere Monate dauern, bis dessen Verlässlichkeit in klinischen Tests belegt sei.

Influenza-Impfung: WHO dämpft Hoffnungen auf Schutz vor dem H1N1-Virus
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Influenza-Impfung: WHO dämpft Hoffnungen auf Schutz vor dem H1N1-Virus

Derzeit sind weltweit etwa hunderttausend Menschen mit dem Schweinegrippe-Virus H1N1 infiziert, mehr als 400 Patienten starben an der neuartigen Influenza. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten auf der Nordhalbkugel wird mit einem Anstieg der Infektionen gerechnet.

In Deutschland hatten sich Vertreter von Bund und Ländern am Dienstag darauf geeinigt, gemäß den WHO-Empfehlungen etwa ein Drittel der Bürger gegen die Schweinegrippe zu impfen. Mitarbeiter des Gesundheitswesens, chronisch Kranke und Schwangere sollen bevorzugt geimpft werden. Die USA planen im Herbst eine massive Impfkampagne, Italien will bis Ende des Jahres 8,6 Millionen Bürger impfen lassen. Auch andere Länder haben Massenimpfungen angekündigt. Australien, wo mehr als zehntausend Schweinegrippe-Infektionen gemeldet wurden, hat bereits 21 Millionen Impfstoff-Dosen vorbestellt.

Gefährlichkeit der Schweinegrippe weiter unklar

Unterdessen haben Wissenschaftler vor Fehlschlüssen aus Schweinegrippe-Daten gewarnt. In einem Beitrag im renommierten "British Medical Journal" schreiben die Forscher des Imperial College in London, die Datenlage sei noch zu unsicher, um die Gefährlichkeit des Virus H1N1 verlässlich zu beurteilen. Eine andere Forschergruppe hatte unterdessen in einem Beitrag in der Fachzeitschrift "Nature" darauf hingewiesen, dass das Schweinegrippe-Virus bei mehreren Tieren Lungenschäden hervorruft. Das Virus sei nach Ansicht der Forscher gefährlicher als normale Grippe.

Die Forscher des Imperial College kritisieren, dass es bei denen von der WHO veröffentlichten Zahlen noch viele Unklarheiten gebe. So betrage die Sterberate - das Verhältnis der bislang rund 95.000 von der WHO gezählten Infektionen zu den 429 registrierten Todesfällen - etwa 0,5 Prozent. Dieser Wert liege leicht über dem Wert einer normalen Grippe-Epidemie. Dennoch könne aus dieser Sterberate noch keine Aussagen über die tatsächliche Gefährlichkeit des Virus abgeleitet werden, erklärten die Forscher.

Häufig werden den Wissenschaftlern zufolge Infektionen nicht bemerkt oder einem Arzt gemeldet, etwa wenn die Krankheit sehr mild ausfällt. Das führt zu einer höheren Zahl tatsächlicher Infektionen im Verhältnis zu den Sterbefällen, die Sterberate würde also sinken. Andererseits könne wegen der Schweinegrippe die Zahl tödlicher Herzinfarkte oder Schlaganfälle zunehmen, die Todesfälle würden aber möglicherweise nicht dem Virus zugeordnet. Erklärungsbedürftig ist nach Ansicht der Forscher auch das Phänomen, dass die gemeldete Sterberate in Mexiko am höchsten sei - doppelt so hoch wie in Kanada, den USA oder Europa.

Als besorgniserregend bezeichneten die Forscher die langen Zeitspannen zwischen der Meldung einer Infektion und Informationen über den Ausgang der Krankheit. Diese Verzögerung könne bewirken, dass eine Mutation des Virus zu spät festgestellt werde. Sie mahnten die WHO und andere Gesundheitsbehörden zu einer rascheren und vollständigeren Datenerhebung.

mbe/AFP



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Seite 1
IsArenas, 02.05.2009
1.
Nein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Crackerjack 02.05.2009
2.
Zitat von IsArenasNein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Hierzu ein von Herzen kommender Applaus.
descartes101, 02.05.2009
3.
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Lächerlich. Das Grippevirus rekombiniert sich jede Saison neu, weshalb die Impfungen auch dann nicht mehr wirksam sind. Mal ist es virulenter, mal weniger. Jedenfalls sterben immer auch Menschen daran. Das ganze ist eine haltlose Hysterie, wahrscheinlich damit unsere tüchtigen Regierungen mal behaupten können, sie hätten eine Situation im Griff. Das ist natürlich besonders leicht bei einer Situation, die so oder so nicht eskaliert. Wenn ein hemorrhagisches Fieber wie Ebola durch die Ballungszentren zieht, dann lohnt es sich zuhause zu bleiben. Aber eine dämliche Papiermaske schützt niemanden vor Ansteckung. Das gleiche Prinzip wurde von den USA im kalten Krieg angewendet, wo man den Leuten erzählte, dass es helfe, sich im Falle eines Nuklearangriffs unter den Tisch zu hocken mit einer Zeitung über dem Kopf. Aua, aua. Seit damals hat sich wirklich nichts verändert.
Hans58 02.05.2009
4.
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Nein, wir müssen keine Angst haben, selbst wenn hier zum x-ten Male eine Diskussion über das Thema eröffnet wird.
firefly 02.05.2009
5.
Sie können sich ja gleich mal mit dem Papst zusammentun. Für den ist HIV auch kein Problem und alles nur Panik mache. Und Medikamente im Falle einer HIV-Infektion würde ich ihnen auch nicht empfehlen. Die wirken nämlich garnicht und dienen nur zum Geldschäffeln der Pharmaindustrie. /Ironie
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