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Panikforschung: Überleben um jeden Preis

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Katastrophen: Wenn Massen in Panik geraten Fotos
DPA

Forscher wissen mittlerweile viel über die Entstehung von Massenpaniken - doch längst nicht jede Extremsituation lässt sich entschärfen. Der Herdentrieb des Menschen kennt nur ein Ziel: raus, raus, raus.

Wenn es extrem wird, übernimmt ein archaisches Steuerungsprogramm das Kommando über den menschlichen Körper. Adrenalin bringt den Kreislauf auf Touren. Das Blickfeld verengt sich. Schmerzen sind kaum noch spürbar. Uralte Fluchtinstinkte sorgen dafür, dass wir uns vor gefährlichen Situationen in Sicherheit bringen wollen - und das dank körperlicher Höchstleistungen auch können.

Das Ziel ist simpel: Raus, raus, raus.

Menschen in Paniksituationen handeln meist nicht kopflos. Forscher wissen aus der Auswertung von Videoaufnahmen, dass sich die meisten Flüchtenden aus ihrer Sicht durchaus rational verhalten. Und doch gibt es ein entscheidendes Problem, wenn zu viele Menschen gleichzeitig Ähnliches durchmachen: Was individuell sinnvoll erscheint, führt in großen Gruppen zu massiven Problemen. Im Gedränge des Loveparade-Unglücks von Duisburg ist das 19 Menschen zum Verhängnis geworden, die Hunderten Verletzten gar nicht mitgerechnet.

Im Katastrophenfall flüchten viele Menschen instinktiv in dieselbe Richtung wie ihre Nachbarn - Stichwort Herdentrieb. Dazu kommt, dass niemand gern auf dem Weg zur Rettung wartet. So ergibt sich ein chaotisches Hin und Her, sogenannte Crowd Turbulences können auftreten: Die panischen Massen werden wie bei einem Erdbeben hin- und hergeworfen.

Spätestens wenn jemand stürzt, drohen Menschen erdrückt zu werden - durch die schiere Masse der anderen. "Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor", beschrieb ein Augenzeuge dem Fernsehsender n-tv die Situation im Tunnel von Duisburg.

Zeugen im Wortlaut
Wo haben die Sicherungssysteme versagt? Was passierte im Tunnel? Die Ursachensuche beginnt - SPIEGEL ONLINE dokumentiert Zeugenaussagen aus verschiedenen Quellen. Die Angaben konnten nicht verifiziert werden. Klicken Sie auf die Überschriften...
Fabio, 21: "Reihenweise Leute zusammengeklappt"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen. (...) Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter." Einige seien über Zäune und über eine Leiter geklettert oder über eine enge Treppe am Tunnelende. "Wir sind danach durch den Tunnel zurück. Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen. (...) Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird." Passiert sei erst einmal nichts. "Das war etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unglück gewesen. Da waren aber schon Leute reihenweise zusammengeklappt."
Udo: "So stelle ich mir Krieg vor"
n-tv-Kameramann und Augenzeuge: "Da lagen schon einige Menschen am Boden, andere kletterten die Wände hoch und versuchten, über die Seiten auf das Gelände zu kommen. Und die Menschenmenge, die nachrückte, die liefen einfach über die am Boden liegenden drüber. Also eine richtige Massenpanik. (...) Die Polizei hat versucht, hineinzugehen in die Menge und die am Boden liegenden Menschen herauszuziehen. Es war aber zu voll, die Polizei hat die Menschen nicht herausbekommen, es war nichts zu machen. (...) Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor." Die Veranstalter seien vermutlich nicht richtig auf die Menschenmassen vorbereitet gewesen. "Das war programmiertes Chaos." Zunächst seien keine Rettungskräfte dort gewesen: "Hilfskräfte waren erst mal gar nicht vorhanden, vielleicht drei, vier vom Malteser Hilfsdienst. Die konnten aber in der Masse der Menschen auch nichts machen. Man kann nicht mit einer Million Menschen planen und dann ein Gelände für 350.000 Menschen bereitstellen."
Dustin, 17: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP: "Alle wollten noch auf das Gelände. Damit es schneller geht, sind einige auf die Treppe ausgewichen." Diese führt von der Unterführung direkt zum Güterbahnhof, doch "von hinten drückten immer mehr nach". Es habe 40 Minuten nur Panik gegeben, erst dann habe eine Rettungsgasse gebildet werden können. Für viele kam die Hilfe zu spät. Dustin: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben." Es sei einfach erdrückt worden. Ein weiteres Mädchen habe neben ihm gelegen und sei schon blau angelaufen gewesen. Mit Mund-zu-Mund-Beatmung habe er sie wiederbeleben können. "Auf mir lagen noch zwei Menschen." Teilweise seien fünf bis sechs Personen übereinandergeschoben worden. Schließlich hätten ihn Rettungssanitäter herausgezogen. Es sei so eng gewesen, dass seine Schuhe zwischen den Menschen steckenblieben: "Ich hatte schon mit dem Leben abgeschlossen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch Luft bekomme."
TV-Augenzeuge: "Dann sind wir alle umgefallen"
Mann im WDR-Interview: "Es hat sich alles wie in einem Hexenkessel gestaut. Es kamen immer weiter Leute von hinten. Und irgendwann fangen die Leute dann an, umzukippen. Ein paar sind die Treppe hochgegangen, ein paar den Mast hochgeklettert." Gemeint sind eine Nottreppe und ein Lautsprechergerüst, die von unten auf das Gelände führen. "Ich hab nur gesehen, dass ich mit meiner Freundin oben bleibe, weil ich wusste: Wenn ich einmal am Boden liege, dann werden die Leute über uns drübertrampeln. Dann sind wir alle umgefallen, ich halb mit runter, meine Beine waren beide eingequetscht." Zum Glück habe ihm jemand hochgeholfen, "dann sind wir wie durch Glück aus der Masse rausgetrieben worden. (...) Dann hab ich allen gesagt: Geht wieder zurück, die Leute sterben da vorne." Als er die Polizisten gewarnt habe, habe er gehört: "Willst Du das hier organisieren?" Jetzt bewege er sich von seinem sicheren Ort nicht weg, sitze da, eine halbe Stunde, eine Stunde, vielleicht länger, und wolle nicht mehr weitergehen. Er fürchte, dass so etwas wieder passiere.
Achmed, 17: "Brutal nach vorne gedrückt"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Als die Polizei das Gelände abriegeln wollte, wurden wir brutal nach vorne gedrückt, die Leute vorne bekamen keine Luft mehr." Die Stimmung sei zunächst gar nicht aggressiv gewesen. "Die wollten doch alle nur Spaß. (...) Dann haben alle geweint, ich habe geweint. Ich habe noch nie gesehen, wie ein Mensch gestorben ist."
Mario, Stefan, Rebecca: "Direkt niedergetrampelt"
Stimmen auf dem Internet-Portal DerWesten - Mario: "Es waren Tausende Menschen im Tunnel. Viel zu viele auf jeden Fall. Die Leute sind reihenweise umgefallen. Und die Polizei hat von beiden Seiten immer mehr Leute in den Tunnel geschickt". Stefan: "Wer umgefallen ist, wurde direkt niedergetrampelt." Die Sanitäter seien erst nicht durchgekommen. Rebecca: "Dann ist ein Rettungswagen durch die Menge gefahren, aber dadurch wurden alle noch mehr zusammengedrängt. Alle waren total hysterisch."
"Gabi", 43: "Die einen wollten rein, die anderen raus"
Forumseintrag auf einslive.de: "Wir sind etwa eine halbe Stunde vor der Panik durch diesen Tunnel gelaufen. Es war tierisch voll. Die einen wollten rein, die anderen raus. Also Gegenverkehr und großes Geschubse. Das war das große Problem. Die Polizei stand dabei und hat nur geschaut. (...) Nun, es hört sich jetzt vielleicht klugscheißerisch an, aber irgendwie konnte man es doch vorhersehen. Nur ein Eingang zum Gelände. Und es passten nicht alle drauf, die auch gerne wollten."
"Ronja", 17: "Uns kamen tausend entgegen"
Forumseintrag auf einslive.de: "Ich war in dem Tunnel. Plötzlich kam eine Frau zu uns und sagte wir sollen gehen, vorne fingen Massenschlägereien an. Die Menschen wurden über Traversen auf die Brücke geschleust, über Container hochgeschoben, bevor alles passiert ist. (...) Uns kamen auf den Rückweg noch mindestens tausend Menschen entgegen. Warum haben die Veranstalter nur einen Eingang gehabt?"
Im Geschiebe und Gedränge baut sich stellenweise ein tonnenschwerer Druck auf. Dann ist die Katastrophe da.

Was genau sich im Tunnel von Duisburg abgespielt hat, wird in langwierigen Untersuchungen geklärt werden müssen - inklusive der Frage, welche Rolle Alkohol und Drogen gespielt haben. Im Moment gehen die Rettungskräfte davon aus, dass sich die entscheidenden Szenen außerhalb der rund 300 Meter langen Röhre zugetragen haben. Feierwütige Gäste haben laut Polizei versucht, über eine abgesperrte Treppe und einen Mast von der Tunnelrampe auf das Veranstaltungsgelände zu kommen. Dabei seien sie aus bis zu neun Metern Höhe abgestürzt, weil die Treppe keine Geländer gehabt habe - die herabstürzenden Menschen hätten dann zur Panik im Tunnel geführt.

"Oft sterben durch die Panikreaktionen mehr Menschen als durch die eigentliche Gefahrenquelle", sagte vor einiger Zeit Dirk Helbing von der ETH Zürich. Seit anderthalb Jahrzehnten arbeiten Wissenschaftler daran, die gefährlichen Situationen besser zu verstehen. Manchmal unternehmen sie dafür Tests mit echten Probanden, doch normalerweise modellieren die Experten explosive Situationen im Computer: eine sinkende Fähre, Randale im Fußballstadion, Feuer in der Flugzeugkabine, religiös motivierte Raserei in Pilgerstädten.

Der Ort des jeweiligen Geschehens wird dabei mit einem Gitternetz überzogen. Darin wandern die simulierten Menschen als Pünktchen hin und her, alle im gleichen Takt, oft aber mit etwas unterschiedlichem Verhalten. Egal ob besonders ungeduldiger Jugendlicher, Vater mit Kind oder gebrechlicher Greis - alle versuchen auf ihre Art, sich in Sicherheit zu bringen.

Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Der Duisburger Panikforscher Michael Schreckenberg hat herausgefunden, dass Fliehende in einem plötzlich stockenden Menschenpulk nach durchschnittlich 15 Sekunden in eine andere Richtung rennen. Und dabei kann es zu noch größeren Blockaden kommen.

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Duisburg: Katastrophe bei der Love Parade
Schreckenberg hat auch das Duisburger Love-Parade-Sicherheitskonzept beurteilt und verantwortet es mit. "Das ist ein tragisches Unglück", sagt er SPIEGEL ONLINE und verweist darauf, dass offenbar abgestürzte Raver die Massenpanik ausgelöst haben. "Dagegen kann man sich bei einer Masse nicht wappnen. Das ist das Werk von Einzelnen." Er habe allerdings vor Risiken gewarnt - wenngleich wohl nicht deutlich genug. Er fühle hier Mitschuld.

Mit seinem Kollegen Kai Nagel gilt Schreckenberg als ein Pionier der Verkehrsforschung. Er hat Staus auf Autobahnen ebenso erforscht wie das Gedränge bei der Evakuierung von Gebäuden. Er findet das eigentliche Konzept in Duisburg "ausgeklügelt", sowohl von der Dimension der Veranstaltungsfläche, der Durchlässigkeit der Zugänge und der Zahl der Notausgänge her. Das alles sei aus seiner Sicht in Ordnung gewesen. Kritiker sehen das anders, prangern an, dass mit einem einzigen Eingang ein Nadelöhr geschaffen wurde - und dass man sehr wohl mit einem Eklat wie durch abstürzende Kletterer rechnen müsse. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen scheiterte die Polizei mit einem umfassenderen Sicherheitskonzept, für das mehr Sicherheitskräfte nötig gewesen wären.

Anti-Panik-Systeme in Mekka

Organisatoren vieler Großveranstaltungen wie der Love Parade lassen von Experten vorab Mobilitätskonzepte entwickeln. So sollen Paniksituationen gezielt verhindert werden. Für den Weltjugendtag in Köln im Jahr 2005 hatten zum Beispiel Aachener Ingenieure ein System von Einbahnstraßen entwickelt, um die Ströme der Gläubigen zu lenken. Auch die Erkenntnisse aus den Computersimulationen fanden da längst Anwendung.

Selbst bei der traditionellen muslimischen Pilgerfahrt Haddsch in Mekka kommen Anti-Panik-Verkehrssysteme zum Einsatz. Das Prinzip ist simpel: Mit speziellen Absperrungen werden Menschengruppen geteilt. Wenn nötig, können Besucher auch auf Ausweichflächen geleitet werden - um den Druck im Krisengebiet zu verringern.

Experten wissen, dass sich der Durchfluss an Notausgängen stark erhöhen lässt, wenn im richtigen Abstand vor der Tür eine Säule platziert wird, am besten etwas versetzt zur Mitte. Weil das künstliche Hindernis den Ansturm der von hinten Drängenden dämpft, kommt es zu weniger Blockaden auf dem Weg in sichere Bereiche. Am runden Hindernis wird niemand verletzt, und gleichzeitig können sich mehr Menschen retten.

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Die Katastrophe von Duisburg: Trauer am Tag danach

mit Material von dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Experten?
Susiisttot 25.07.2010
Zitat von sysopForscher wissen mittlerweile viel über die Entstehung von Massenpaniken - doch längst nicht jede Extremsituation lässt sich entschärfen. Der Herdentrieb des Menschen kennt nur ein Ziel: raus, raus, raus. Hätte das Unglück von Duisburg verhindert werden können? http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,708368,00.html
Der hier erwähnte Prof Schreckenberger hat das Konzept abgesegnet, obwohl er nach eigen Angaben nie vor Ort war - und jetzt nicht mal 24 Stunden später stellt er sich wie immer arrogant dahin und verkündet, fallende Menschen seinen nicht eingeplant gewesen und wie immer ist nicht sein Modell oder Konzept fehlerhaft - vielmehr hätten die Menschen sich nicht an die Spielregeln gehalten. Wenn man so einen Menschen als Experten bezeichnet, sollten wir im Hinblick auf unser aller gesundheit und Wohlergehen besser zukünftig auf Experten verzichten.
2. "weil die Treppe keine Geländer gehabt habe"?
Das Grauen 25.07.2010
Auf den Fotos vom Tatort ist aber das Geländer deutlich zu erkennen! Also, will uns da irgend jemand für dumm verkaufen? Da sollten die Spiegel-Journalisten noch mal nachhaken!
3. 00
stesoell 25.07.2010
Zitat von sysopForscher wissen mittlerweile viel über die Entstehung von Massenpaniken - doch längst nicht jede Extremsituation lässt sich entschärfen. Der Herdentrieb des Menschen kennt nur ein Ziel: raus, raus, raus. Hätte das Unglück von Duisburg verhindert werden können? http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,708368,00.html
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man glatt Herrn Prof. Schreckenberg fragen. Er versucht nun seine Haut zu retten. Peinlich. Um die originäre Frage zu beantworten. Na sicher hätte man das Geschehen vermeiden können. Ganz simpel: a) Ganz absagen (wie Bochum) oder b) an einem anderen Ort. Für a) und b) bedarf es einem Popo in der Hose. Ganz einfach, nicht?
4. Chaotische Systeme
W. Robert 25.07.2010
Ich habe vor ein paar Minuten ebenfalls analysiert, was das Thema „Massenpsychologie“ im Netz so hergibt. Ich bin auf die einschlägigen Arbeiten von Gustave Le Bon gestoßen, der auch von Freud zitiert wird. Le Bon verknüpft durchaus stimmige Überlegungen zum Thema „unzurechnungsfähige“ Masse mit plumpem Rassismus, elitärem Dünkel und snobistischer Distanz. http://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Le_Bon#Zentrale_massenpsychologische_Thesen Sigmund Freud liefert keine brauchbaren Erklärungen für die „Chaotische Masse“, da er sich meiner Meinung nach auf „organisierte Massen“ wie Kirche und Heer konzentriert. Auch bei seinem „Herdentrieb“ scheint es eher auf einen „Hordentrieb mit Oberhaupt“ hinauszulaufen. Ein chaotisches Ereignis wie die „LoveParade“, wo die „Anführer“ zusätzliches okkultes Chaos stiften war wohl noch jenseits von Freuds Erfahrungswelt. http://www.textlog.de/freud-psychoanalyse-herdentrieb-massenpsychologie.html Eine weit brauchbarere Analyse der Vorgänge scheint Wilhelm Reich mit seiner „Massenpsychologie des Faschismus“ zu liefern. Natürlich sind seine Schlussfolgerungennaiv, dass das gerade im „Sozialismus“ irgendwie anders sein soll. http://www.berndsenf.de/pdf/Die%20Massenpsychologie%20des%20Faschismus.pdf Den stimmigsten Ansatz habe ich bei Canetti gefunden. „Im Gegensatz zu Freuds und Le Bons Analysen benötigt die Masse bei Canetti keinen Führer. Bindet ein Machthaber eine Masse trotzdem an sich, ist die Libidobindung an den Führer kein primärer Grund für ihren Zusammenhalt, so Canetti, sondern ein „erst aus der Erstehung der Masse hervorgegangenes Phänomen.“ Canetti postuliert eine „Festmasse“ und eine „Hetzmasse“. Konkret der Zusammenprall von Feiernden mit Kontrollfreaks. Das ergibt in meinen Augen einen Sinn. http://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht
5. Mich würde mal folgendes interessieren
chagall1985 25.07.2010
In wie weit sind Frauen für solche Paniken mehr verantwortlich? Das Sie das sind steht für mich ausser Frage. Welcher Mann bekommt schon einen Schreikrampf oder fängt an zu kreischen. Das dürfte die Panik in solch einem Moment stark erhöhen! UND in wie weit sind Männer mit Ihrer grösseren Kraft für Extremsituationen verantwortlich und in wie weit funktioniert noch das Prinzip Frauen zu beschützen und nicht zu verletzen innerhalb einer Panik? Funktioniert das denken also rein egoistisch oder sind auch noch gesellschaftliche Komponenten erkennbar in der Ratio?
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Love-Parade-Gelände in Duisburg - vergrößern...

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Massenpaniken
Immer wieder kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu großen Massenpaniken - klicken Sie auf die Überschriften...
Januar 2006, Mekka
364 Pilger sterben bei einer Massenpanik in Mekka - immer wieder kommt es in der saudischen Metropole zu großen Unglücken, das größte 1990 (siehe unten). mehr über die Unglücke in Mekka…
September 2005, Bagdad
Bei einem Pilgerfest der Schiiten in Bagdad kommen fast 1000 Menschen ums Leben - die Massenpanik dort wird durch falsche Berichte über einen Selbstmordattentäter ausgelöst.
Mai 2001, Accra
Bei einem Fußballspiel in Ghana werfen verärgerte Fans Plastiksitze auf das Spielfeld. Als die Polizei Tränengasgranaten abfeuert, kommt es zur Katastrophe: 126 flüchtende Besucher werden totgetrampelt. Die Tore des Stadions, in dem sich 70.000 Menschen aufhielten, waren verschlossen.
April 2001, Johannesburg
In einem überfüllten Stadion in Johannesburg in Südafrika kommt es bei einem Fußballspiel zu einer Panik mit 43 Toten und 158 Verletzten.
Juni 2000, Roskilde
Bei einem Konzert der Band Pearl Jam auf dem dänischen Roskilde-Festival sterben neun Menschen. Die Fans wurden vor der Bühne durch die von hinten drückende Menge zu Fall gebracht. Sie erstickten oder wurden zu Tode getrampelt.
Dezember 1999, Innsbruck
Unter den 40.000 Besuchern einer Snowboard-Show im Innsbrucker Bergisel-Stadion bricht Panik aus. Fünf junge Frauen werden zu Tode getrampelt.
Juli 1990, Mekka
Mehr als 1400 Pilger in Mekka sterben, als in einem Tunnel eine Massenpanik ausbricht - die meisten werden totgetrampelt. mehr über die Unglücke in Mekka…
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Im Hillsborough-Stadion im englischen Sheffield werden zu viele Menschen in den Block des FC Liverpool gelassen - 96 Menschen sterben, 766 werden verletzt. mehr auf Wikipedia...
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Im Brüsseler Heysel-Stadion kommt es vor dem Europacup- Endspiel zwischen FC Liverpool und Juventus Turin zu schweren Ausschreitungen. Betrunkene Briten greifen italienische Fans an - als diese fliehen wollen, bricht eine Betonmauer zusammen über Zuschauern zusammen. 39 Menschen sterben, 400 werden verletzt. mehr auf Wikipedia...
Mai 1964, Lima
Beim Olympiaqualifikationsspiel zwischen Peru und Argentinien in Lima erkennt der Schiedsrichter zwei Minuten vor Spielende ein Tor nicht an, Zuschauer randalieren, die Polizei feuert Tränengas - Panik bricht aus, doch die Tore gehen nur nach innen auf. 328 Menschen sterben, etwa 500 werden verletzt. mehr auf Wikipedia: Massenpaniken...
Quelle: dpa
Die Love Parade
Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.
Die Anfänge
1989 gründet Techno-DJ Dr. Motte (Matthias Roeingh) die Love Parade. Etwa 150 Technofans tanzen auf dem Kurfürstendamm unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen". Die Veranstaltung wuchs rasant: 1994 tanzten bereits 120.000 Technofans um 40 Trucks herum, 1996 kamen 750.000 Raver auf die Straße des 17. Juni im Tiergarten. Die Rekord-Besucherzahl von 1,5 Millionen gab es 1999.
Die Flaute
2000 wurde der Umzug exportiert: Nicht nur in Berlin, sondern auch in Wien, Tel Aviv und Leeds gab es Love Parades. 2001 wurde die Berliner Parade nicht mehr als politische Demonstration eingestuft, sondern als kommerzielle Veranstaltung. 2002 kam es mit 700.000 Besuchern zu einem Einbruch, 2004 und 2005 fiel die Parade mangels Sponsoren ganz aus.
Die Rückkehr
2006 feierte die Love Parade ein Comeback mit neuem Veranstalter. Unter dem Motto "The Love Is Back" tanzten nach Polizeischätzung rund 500.000 Menschen, laut Veranstalter bis zu 1,2 Millionen Menschen. Nach dem Umzug ins Ruhrgebiet waren 2007 in Essen etwa 1,2 Millionen dabei, 2008 in Dortmund sogar 1,6 Millionen Besucher - nach Veranstalterangaben, die aber fragwürdig sind. Im vergangenen Jahr fiel das Event aus. Ursprünglich sollte es in Bochum stattfinden, aber die Stadt fand keinen geeeigneten Veranstaltungsort und befürchtete, den Besucherandrang nicht bewältigen zu können.
Die Katastrophe
In diesem Jahr fand die Love Parade unter dem Motto "The Art Of Love" in Duisburg statt, auf einem abgeschlossenen alten Bahngelände. Die Veranstaltung endete in einer Katastrophe: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Offensichtlich waren wesentlich mehr Menschen auf dem Gelände als die nach Informationen von SPIEGEL ONLINE zugelassenen 250.000. Die Veranstalter sprachen kurz vor der Tragödie von insgesamt 1,4 Millionen Besuchern. Nach dem Unglück erklärte Organisator Rainer Schaller das Aus der Love Parade.


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