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Partnerwahl: Flirten wie in der Steinzeit

Männer und Frauen erzählen gern, sie wollten einen Partner, mit dem sie auf einer Stufe stehen. Doch in Wahrheit sind bei der Partnerwahl Kriterien entscheidend, die schon in der Urgesellschaft galten: schöne Augen und weibliche Kurven bei Frauen, schützende Hände und ein Sack voll Geld bei Männern.

Wenn es darum geht, sich selbst etwas vorzumachen, sind sowohl Männer als auch Frauen wahre Meister. So suchen moderne Männer nach eigener Aussage gleichgestellte Partnerinnen. Schlau und erfolgreich soll die Zukünftige sein, genau wie der Herr selbst. Die Frau behaupten das gleiche in Grün.

Liebespaar: Männer und Frauen folgen Darwins Prinzipien, glauben Forscher
DPA

Liebespaar: Männer und Frauen folgen Darwins Prinzipien, glauben Forscher

Alles Humbug, sagen jetzt Forscher von der Indiana University in Bloomington. Noch immer gehe die Partnersuche vor sich wie in der Steinzeit: Männer interessiert bei Frauen vor allem die hübsche Nase und die adrette Frisur, während Frauen den Sippenverteidiger suchen, der die Brut ernähren und beschützen kann.

Das Ergebnis klingt wenig überraschend. Doch die Forscher hatten eigentlich mit einem anderen Resultat gerechnet. Peter Todd und seine Kollegen von der Indiana University befragten für ihre Studie 47 Münchner, die an einem Speed Dating teilgenommen hatten. Beim Speed Dating treffen die Teilnehmer in kurzer Zeit möglichst viele potentielle Partner. Anschließend können sie entscheiden, ob sie den oder die andere wiedertreffen wollen oder lieber nicht.

Vor dem Speed Dating hatten die Forscher die 26 Männer und 21 Frauen zu den Kriterien ihrer Partnerwahl befragt. Doch während und nach dem Dating stellten die Forscher fest: an diese selbst erstellten Kriterien hielten sich die Teilnehmer ganz und gar nicht.

Vor dem Dating hatten die Männer angegeben, eine Frau zu suchen, die ihnen vom Status und vom Aussehen her ebenbürtig ist. Auch die Frauen gaben an, bezüglich Optik und Status eher ein Spiegelbild ihrer selbst zu suchen als den Traummann, zu dem sie aufschauen können.

Gewollt ist nicht gekonnt

Nach den Speed Dating konnten die Teilnehmer in Fragebögen auswählen, welchen Mann oder welche Frau sie ein zweites Mal treffen wollten. Das Ergebnis entsprach keineswegs den zuvor angegebenen Kriterien, schreiben die Wissenschaftler jetzt im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Vielmehr schien die Partnerwahl nach einem Schema abzulaufen, das nach Ansicht von Entwicklungspsychologen so bereits in der Steinzeit galt: Männer legen Wert auf Attraktivität, da diese auf gute Gene der Frau schließen lässt. Frauen suchen bei Männern hingegen eine Kombination von gutem Aussehen, hohem Status und großer Fürsorglichkeit. Das stellt sicher, dass die Frau und ihr potentieller Nachwuchs später gut versorgt sind. "Es besteht ein Unterschied zwischen dem, was die Leute behaupten zu wollen, und dem, was sie sich dann aussuchen", sagte Todd.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass Frauen bei der Partnersuche wählerischer als Männer sind. Das zeigte sich nach der Auswertung der Fragbögen: Während die Frauen nur jeden dritten Mann nochmals treffen wollten, waren die Herren weitaus offener: Mit jeder zweiten Frau konnten sie sich ein nächstes Date vorstellen. Das decke sich mit Ergebnissen früherer Studien, schreiben die Forscher. So können sich Männer Frauen als potentielle Partnerinnen vorstellen, sobald sie oberhalb einer gewissen unbewussten Attraktivitätsgrenze liegen.

Für die Wissenschaftler ist das Speed Dating auf alle Fälle ein spannendes noch wenig erforschtes Forschungsfeld. In weiteren Speed-Dating-Studien wollen sie die Kriterien der Partnerwahl noch genauer untersuchen. Dabei wollen sie herausfinden, was den Erfolg beim anderen Geschlecht bestimmt und dabei auch untersuchen, wie erfolgreich das Dating-Konzept ist.

khü/ddp

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