Kuriose Art: Nagetier kommt ohne Backenzähne klar

Auf Sulawesi haben Forscher einen höchst ungewöhnlichen Nager entdeckt: Das Tier verfügt über keine Backenzähne. Die braucht es wohl auch nicht, weil es sich nur von Würmern ernährt.

Paucidentomys vermidax: Lange Schnauze, kaum Zähne Zur Großansicht
dapd/Kevin Rowe

Paucidentomys vermidax: Lange Schnauze, kaum Zähne

Mehr als 2200 Nagetierarten sind bekannt. Neben großen Schneidezähnen, den Nagezähnen, besitzen sie alle - ob Hausmaus, Stachelschwein, Nacktmull oder Gleithörnchen - Backenzähne.

Doch jetzt hat ein internationales Forscherteam auf der indonesischen Insel Sulawesi ein Nagetier entdeckt, das keine Backenzähne hat. Wahrscheinlich ernähren sich die Tiere, die Spitzmäusen ähnlich sehen, ausschließlich von in der Erde lebenden Würmern. Das nimmt das Team um Jacob Esselstyn von der McMaster University im kanadischen Ontario an, nachdem es den Mageninhalt eines Exemplars untersucht hat. Die langgezogene Schnauze der Tiere wäre dafür optimal geformt - und die Backenzähne tatsächlich unnötig. Im Gegensatz zu anderen Nagern, die als Allesfresser Nahrung zerkleinern müssen, kann der Wurmfresser auf Abbeißen und Kauen größtenteils verzichten. Viel wichtiger ist für ihn die besonders lange Schnauze, mit der er im Boden wühlen und Würmer aufstöbern kann.

Paucidentomys vermidax kommt möglicherweise nur in den südwestlichen Bergen des Inselzentrums vor, vermuten die Wissenschaftler, die im Fachmagazin "Biology Letters" der britischen Royal Society über ihre Entdeckung berichten. Frei übersetzt bedeutet der lateinische Name der neuen Art "Würmer fressende Maus mit wenig Zähnen". Ihrer Beschreibung zufolge, sind die Tiere etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter lang (wobei der Schwanz nicht mitzählt).

"Das ist ein Beispiel, wie eine Art, wenn sich ihr eine ökologische Möglichkeit eröffnet - in diesem Fall ein großes Vorkommen von Würmern -, Merkmale verlieren kann, die unter vorher herrschenden Bedingungen sehr erfolgreich waren", sagt der an der Studie beteiligte Forscher Kevin Rowe vom Museum Victoria in Melbourne, Australien. Dass Arten bestimmte Merkmale abstreifen, kommt immer wieder vor. Die Forscher nennen im Fachartikel als Beispiel Schlangen, deren Beine sich zurückentwickelt haben, und Pinguine, die nicht mehr fliegen können.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es auf Sulawesi noch gesunde Wälder gibt, in denen seltene und beeindruckende Arten leben. Doch diese Flecken unberührter Natur seien bedroht - durch Holzschlag, Bergbau, das Anlegen von Plantagen und andere menschliche Aktivitäten.

wbr

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