Paul-Ehrlich-Preis Streit um Auszeichnung für Klon-Forscher

Berühmt wurde er als Schöpfer des Klonschafs Dolly. Jetzt will die Paul-Ehrlich-Stiftung Ian Wilmut mit dem renommiertesten deutschen Medizinerpreis auszeichnen - und stößt auf heftigen Widerstand.


Dolly, Ian Wilmut (im Hintegrund): "Symbolfigur des Klonens"
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Dolly, Ian Wilmut (im Hintegrund): "Symbolfigur des Klonens"

Der hessische CDU-Politiker Axel Wintermeyer wirft der Bundesregierung Doppelzüngigkeit und Inkonsequenz vor. Obwohl sie sich öffentlich für ein Klonverbot einsetze, verleihe sie nun der "Symbolfigur des Klonens", dem Briten Ian Wilmut, einen Preis. Das Bundesgesundheitsministerium finanziert die Hälfte des Preisgeldes für den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis. Wissenschaftler können Wintermeyers Kritik nicht nachvollziehen.

Wilmut, der 1996 mit dem Klonschaf Dolly erstmals die genetisch identische Kopie eines älteren Lebewesens schuf, wird am 14. März in Frankfurt mit dem Preis ausgezeichnet. Der Brite will zur Erforschung von Erbkrankheiten menschliche Embryonen klonen, was in Deutschland verboten, in Großbritannien zu therapeutischen Zwecken aber erlaubt ist. Reproduktives Klonen - das Zeugen von Menschen aus einzelnen Zellen - lehnt Wilmut ab.

Klon-Schaf Dolly (1997): "fragwürdige Experimente"
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Klon-Schaf Dolly (1997): "fragwürdige Experimente"

Wintermeyer, Vorsitzender des Arbeitsforums Bioethik der hessischen CDU-Landtagsfraktion, verwies darauf, dass sich die Bundesregierung in der UN-Vollversammlung für ein Klonverbot ausgesprochen habe und völkerrechtliche Konventionen erreichen wolle. "Entweder weiß die Bundesregierung nicht mehr, was sie tut", oder sie sei unehrlich und habe darauf gesetzt, dass die UN-Anti-Klon-Konvention nicht verabschiedet werde, erklärte Wintermeyer.

Die UN-Vollversammlung hatte am Dienstag in einer rechtlich nicht bindenden Resolution zu einem Klonverbot aufgerufen. Verhandlungen über eine rechtliche Regelung waren der Uneinigkeit von Befürwortern eines kompletten Verbots und Verfechtern des eingeschränkten, wissenschaftlichen Klonens gescheitert.

"Eigentlich müsste ihn die Staatsanwaltschaft verfolgen"

Es sei schlimm genug, dass die Anti-Klon-Konvention am Widerstand vieler Industriestaaten gescheitert sei, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete. "Gerade deshalb sollte aber nun nicht Klon-Doktor Wilmut hofiert werden, den in Deutschland wegen seiner fragwürdigen Experimente eigentlich die Staatsanwaltschaft verfolgen müsste." Klonverfahren machten menschliches Leben zur frei verfügbaren Masse, kritisierte Wintermeyer.

Ian Wilmut: "Therapeutisches Klonen ist ethisch vertretbar"
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Ian Wilmut: "Therapeutisches Klonen ist ethisch vertretbar"

Der Medizinprofessor Bernhard Fleckenstein, der Mitglied des Auswahlgremiums der Paul-Ehrlich-Stiftung ist, verteidigte in der "Bild"-Zeitung die Entscheidung. Das Gremium mit weltweit führenden Wissenschaftlern habe einstimmig entschieden, den Begründer einer bedeutenden Forschungsrichtung auszuzeichnen. "Alle Beteiligten sind der Meinung, dass Klonen von Menschen nicht sein darf. Das wissenschaftliche Klonen für die medizinische Forschung ist nach internationalem Verständnis jedoch ethisch vertretbar", sagte er.

Beim Klonen zu therapeutischen Zwecken wird der Zellkern aus einer menschlichen Eizelle herausgenommen und durch den Kern einer Körperzelle eines Kranken ersetzt. Das Ei wird künstlich stimuliert, damit es sich einige Tage lang weiter zu einem Embryo hin entwickeln kann. Die Forscher wollen dann Stammzellen in einem ganz jungen Stadium entnehmen, die noch die Möglichkeit haben, sich zu jedem gewünschten Zell- oder Gewebetyp des menschlichen Körpers zu entwickeln. Anhand der Zellen aus einem Embryo, der aus einem Erkrankten geklont wurde, könnten Wissenschaftler die Entstehung der Krankheit nachvollziehen und versuchen, genetisch passende Ersatzzellen herzustellen.



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