Peru Zivilisation bedroht isoliert lebende Ureinwohner

Die indigenen Völker des Amazonasbeckens gehören zu den letzten Mysterien des Planeten. Doch ihre zurückgezogene Lebensweise ist bedroht: Immer öfter kommen indigene Stämme in Kontakt mit der Außenwelt, mit fatalen Folgen.

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Isoliert lebende indigene Völker kommen in Peru immer häufiger mit der Außenwelt in Kontakt. Derzeit würden beinahe täglich Ureinwohner gesichtet, die eigentlich in Isolation lebten, sagte die Vizeministerin für Interkulturalität, Patricia Balbuena. Normal seien drei bis vier Sichtungen pro Jahr.

Nachdem Mitglieder vom Volk der Mashco Piro Anfang Mai einen Dorfbewohner im peruanischen Regenwald getötet hatten, kündigte die Regierung an, Ethnologen in die Region zu schicken. Die Völker sollen vor Kontakt mit der Außenwelt geschützt werden, weil ihr Immunsystem sie nicht vor eingeschleppten Krankheiten schützt.

Mitglieder des Mashco-Piro-Volks (16. November 2011): Diese seltene Aufnahme machten spanische Wissenschaftler im Südosten Perus - mit einem Teleobjektiv
REUTERS

Mitglieder des Mashco-Piro-Volks (16. November 2011): Diese seltene Aufnahme machten spanische Wissenschaftler im Südosten Perus - mit einem Teleobjektiv

Generell gilt das Amazonasbecken als eine der letzten Regionen der Welt mit Ureinwohnern, die noch nie in Verbindung zur modernen Zivilisation standen. Doch die Kontakte zwischen den isoliert lebenden Stämmen und der Außenwelt nehmen zu.

Die Jäger werden zu Gejagten

Ein Team von Wissenschaftlern und Dolmetschern der nationalen Behörde für indigene Völker (Funai) in Brasilien hatte im Juli 2014 Kontakt zu Angehörigen des Asháninka-Stamms aufgenommen. Die Experten wollten mehr über die Lebensbedingungen der Ureinwohner erfahren, um sie und ihre Umwelt besser schützen zu können.

Es stellte sich heraus, dass die Ureinwohner ihre gewohnte Umgebung verlassen hatten, um nach Waffen und Verbündeten zu suchen. "Sie sagten, dass sie von Nicht-Ureinwohnern angegriffen wurden und dass viele von ihnen an Krankheiten wie Grippe und Diphtherie gestorben seien," berichtet ein Wissenschaftler der Funai.

Ein Bericht der Interamerikanischen Menschenrechtskommission aus dem Jahr 2014 bestätigt, dass Drogenhandel, Rohstoffgewinnung und eingeschleppte Krankheiten die größten Gefahren für die traditionellen indigene Stämme in Südamerika sind. Der ungewollte Kontakt mit der übrigen Bevölkerung könne das Ende für die insgesamt rund 200 isoliert lebenden Völker in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Peru und Venezuela bedeuten.

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Brasilien: Erster Kontakt mit isoliertem indigenen Stamm

nik/dpa



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insgesamt 58 Beiträge
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lemmy 12.05.2015
1. Die letzten ihrer Art
Auf Dauer wird man das Aussterben der letzten sog. "Ureinwohner" leider nicht verhindern können. Ob der Kontakt zur Außenwelt nun freiwillig oder unfreiwillig geschieht, spielt dabei letztendlich keine Rolle mehr, obwohl es natürlich sehr schade ist.
gandhiforever 12.05.2015
2. Misstrauen angebracht
Wenn die Regierungen von Brasilien und Preu ankuendigen, sie wollten die indigenen Voelker schuetzen, dann ist Misstrauen angebracht, denn die Ausbeutung des Amazonasbecken ohne Erlaubnis (oder zumindest stillschweigend Duldung) dieser Regierungen ist faktisch nicht moeglich. Im Auftrag von Firmen, die da das grosse Geld vermuten, versuchen Abenteurer die Indigenen zu vertreiben. Dabei kommt es auch zu (ungesuehnten) Morden. Es faellt mir schwer zu glauben, dass diese Regierungen ploetzlich auf Seiten der Ureinwohner stehen wollen.
fatherted98 12.05.2015
3. Und?
...was will man nun tun...die Leute in einer Art Reservat halten? Zaun drumrum? Wir sollten endlich mal davon wegkommen, sogenannte Indigene Völker auf ihrem Niveau zu halten...wer weiß...vielleicht wären die auch alle froh mal ne Hose zu tragen und sich in der Dusche statt im Fluss zuwaschen. Dieses Gutmenschen-Getue ist in der gesamten Entwicklungshilfe-Politik vertreten...irgendwelche Nomaden in Afrika die schon seit tausend Jahren mit Ihren Viehherden rumziehen, sollen das auch in Zukunft machen...warum? Wir sind auch vom Jäger und Sammler zum Bauern geworden....Änderungen bestimmen die Evolution. Das diese Leute nun nicht gleich mit in die Großstadt in die nächste Bar gehen sollten ist auch klar...aber man kann sie ja behutsam mit der Zivilisation vertraut machen...alles andere wird sie leiden lassen.
marisaaa 12.05.2015
4.
"Viele Ureinwohner [...] haben sich via Facebook organisiert..." Na dann kann ja nichts mehr schiefgehen mit der Wahrung alter Traditionen.
moev 12.05.2015
5.
Solche Völker müssen sicherlich vor Krankheiten durch Kontaktaufnahme geschützt werden, aber die Kontaktaufnahme zu verweigern nur weil es ein paar Träumern gefällt das irgendwo noch immer Völker wie in der Steinzeit leben zeugt von der eigenen Überheblichkeit. Wenn uns hochtechnologische Aliens beobachten würden, würden wir auch denken "ihr arroganten ####, teilt eure Technologie mit uns".
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