Archäologie in Peru Miniroboter entdeckt erstmals Chavín-Gräber

Wo und wie hat die geheimnisvolle Chavín-Kultur ihre Toten bestattet? Diese Frage trieb Archäologen bisher um. Ein kamerabestücktes Minifahrzeug hat nun einen Fund gemacht, der Antworten liefert.

HO / Peruvian Ministry of Culture / AFP

Im nördlichen Hochland der peruanischen Anden liegt eine geheimnisvolle Ruinenstadt: Chavín de Huántar. Der Ort in über 3000 Metern Höhe mit seinen eindrucksvollen Granitblöcken und Gebäuden hat der gleichnamigen Kultur ihren Namen gegeben, sie hinterließ schon vor den Inka eindrucksvolle Goldschmiedearbeiten.

Doch was den Ort ungewöhnlich macht, ist nicht unbedingt die monumentale Architektur, die man sieht. Denn einige der Gebäude sind mit unterirdischen Gängen und Kammern verbunden. Die gesamte Stadt ist unterhöhlt, mehr als 30 Tunnel sind bekannt. Doch warum das Labyrinth vor 3000 Jahren gebaut wurde und was für einige Jahrhunderte darin vor sich ging, darüber diskutieren Archäologen schon lange.

Möglicherweise war Chavín de Huántar ein Pilgerort. Forscher fanden aber auch Hinweise, dass in den Gängen einst ein Orakel gehaust haben könnte. Doch noch immer ist rätselhaft, was hier genau passierte.

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Fund in Peru: 3500 Jahre alte Fratzen entdeckt

Dank eines Fundes mit kamerabestückten Minirobotern könnten Altertumsforscher bald sehr viel schlauer sein. Wissenschaftler aus Peru und von der Stanford University haben durch den Einsatz der Technik nun drei bislang unerforschte Gänge entdeckt - und darin die Überreste von Toten.

Das Ministerium für Kultur in Peru bestätigte dem SPIEGEL: "Die drei unterirdischen Gänge beinhalten die ersten entdeckten Menschengräber der Chavín-Periode überhaupt." Es sei der wichtigste Fund der vergangenen 50 Jahre, hieß es.

Die Toten lagen in dem Gang mit dem Gesicht nach unten, ihre Körper waren mit Steinen bedeckt. "Interessant ist, dass es wohl keine Menschen mit hohem sozialen Status waren", sagt John Rick von der Stanford University. Möglicherweise seien sie geopfert worden. Aber noch sei es zu früh für genaue Aussagen. Die Erforschung der Gänge könnte noch Jahre dauern, glaubt der Archäologe.

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Archäologie: Im Labyrinth der Chavín

Immerhin sei nun ein Teil des Rätsels gelöst, wo die Chavín dieser Zeit ihre Toten begruben. "Ich glaube nicht, dass die Menschen immer so bestattet wurden. Aber manchmal taten sie es offenbar", so Rick. Bisher waren in dem Ort zwar menschliche Knochen, aber nur wenige Spuren von Bestattungen gefunden worden. Diese konnten aber nicht der Chavín-Epoche zugeordnet werden. Nach den Chavín nutzten wohl noch andere Kulturen den Ort.

Bisher sind nur etwa 15 Prozent der archäologischen Fläche in Chavín de Huántar erforscht. Die Chavín-Kultur gilt als die erste peruanische Kultur, die Metalle und Edelmetalle wie Gold und Silber verarbeitete. Chavín de Huántar ist seit 1985 Unesco-Weltkulturerbe, die Ausgrabungsstätte befindet sich in der Region Ancash rund 460 Kilometer nördlich von Lima.

joe

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dieben 24.08.2018
1. Mit Verlaub,
ein ferngesteuertes Auto mit Kamera ist noch kein Miniroboter!
Sissy.Voss 24.08.2018
2. Netter Artikel...
Netter Artikel und so putzig geschrieben: die *breite Treppen aus Lehmblöcken* sind wahrscheinlich aus Adobe (luftgetrockneten Lehmziegeln), wie das in Südamerika und in den südlichen Ländern Europas und Asiens seit dem Neolithikum für die meisten Bauten üblich war. Eine Ausnahme bildet die Heuneburg an der oberen Donau, die ebenfalls und als einziges Bauwerk seiner Zeitstellung und nördlich der Alpen aus Adobe gebaut wurde und damit die Archäologen gründlich überraschte. Diese Bauweise ist für unser feuchtes (naja, diesen Sommer nicht) Klima ungeeignet. Die Heuneburg ist die älteste literarisch bekannte *Stadt* nördlich der Alpen, sie wurde von Herodot um 500 vor Chr. als Pyrene erwähnt. Dass die Chavín-Fundstätten 30 Jahre offen lagen und der Zerstörung preis gegeben waren ist ein unglaublicher Skandal für die wissenschaftliche Forschung bzw. für die verantwortlichen Regierungen.
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