Pestizide Weintrauben in Deutschland besonders stark belastet

Niederlande, Frankreich, Italien: Überall sind Weintrauben im Schnitt weniger stark mit Pestiziden belastet als in Deutschland. Das behaupten jedenfalls die Umweltschützer von Greenpeace. Sie warnen: Fast jede zweite getestete Probe sei "nicht empfehlenswert".


"Die Deutschen bekommen das mieseste Obst auf den Teller", beklagte Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter bei der Vorstellung aktueller Testergebnisse, die im Auftrag der Organisation ermittelt worden waren. Die Pestizidbelastungen seien teils so hoch, dass gerade bei Kindern Gesundheitsschäden auftreten könnten. Im Test überschritten acht von 124 getesteten Trauben-Proben die EU-Höchstwerte, davon zwei aus dem deutschen Handel.

Weintrauben: "Die Deutschen bekommen das mieseste Obst auf den Teller"
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Weintrauben: "Die Deutschen bekommen das mieseste Obst auf den Teller"

Greenpeace hält die seit September geltenden EU-Grenzwerte für nicht ausreichend, da die Grenzen für jedes einzelne Pestizid ausgereizt werden könnten, ohne dass sich dies bei einer Mehrfachbelastung aufaddiere, sagte Krautter. Bei 43 Prozent der in Deutschland getesteten Trauben seien die Werte so hoch, dass sie von Greenpeace als "nicht empfehlenswert" eingestuft werden.

Das sei ein mehr als doppelt so hoher Anteil wie in den benachbarten Niederlanden. Damit seien die Rückstände an Spritzmitteln gegenüber einem Vergleichstest von 2007 erheblich angestiegen. Die Trauben wurden Mitte Oktober eingekauft und auf mehr 300 Pestizidwirkstoffe untersucht. Im Durchschnitt fand das Labor in jeder der Proben aus Deutschland, den Niederlanden sowie Frankreich, Italien und Ungarn sieben verschiedene Pestizide. Das sei "ein gefährlicher Chemiecocktail", warnte Krautter. Insgesamt habe man 64 verschiedene Pestizide aufgespürt.

In der vergangenen Woche hatte Greenpeace bereits von türkischen Tafeltrauben abgeraten, die von der Supermarktkette Real vertrieben werden. Gleichzeitig stellte die Umweltschutzorganisation Strafanzeige gegen den Mutterkonzern Metro.

Am besten habe noch die Ware aus den Regalen von Lidl Deutschland sowie der niederländischen Handelsketten C1000 und Coop abgeschnitten. Die stärkste Pestizidbelastung im internationalen Vergleich von 17 Supermarktketten wiesen demnach Früchte aus dem Angebot von Kaiser's Tengelmann und Edeka auf.

Edeka-Sprecher Gernot Kasel hält auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE dagegen: "Bei keiner der fünf bei uns gekauften Proben wurden die gesetzlichen Grenzwerte überschritten. Das ist für uns entscheidend."

Auch die Herkunft der Trauben spielt eine Rolle: In der Türkei oder in Italien angebaute Trauben waren dem Test zufolge deutlich stärker belastet als Ware aus Spanien, Frankreich oder Griechenland.

Der Handel müsse sicherstellen, dass keine gefährlichen Pestizide in der Produktion eingesetzt und möglichst rückstandsfreie Lebensmittel verkauft würden, forderte Greenpeace.

2005 und 2006 hatte Greenpeace bei etwa 50 Prozent der untersuchten Weintrauben zu hohe Pestizidwerte festgestellt. 2007 waren es nur 8 Prozent. Als eine mögliche Erklärung für den neuerlichen Anstieg der Werte nannte Greenpeace den Preiskampf im Lebensmittelhandel, der in Deutschland besonders stark sei.

chs/AFP/AP/dpa



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