Phosphorklumpen Vermeintlicher Bernstein verbrennt Strandbesucher

Unfall an einem Strand in der Nähe von Kiel: Ein Mann erlitt schwere Verbrennungen, weil er einen selbstentzündlichen Phosphorklumpen für Bernstein hielt. Die gefährlichen Brocken stammen von Brandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Bernsteinklumpen an einem Meeresstrand: Gefährliche Ähnlichkeit mit selbstentzündlichem Phosphor
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Bernsteinklumpen an einem Meeresstrand: Gefährliche Ähnlichkeit mit selbstentzündlichem Phosphor


Hubertsberg/Hamburg - Ein bernsteinähnlicher Brocken weißen Phospors hat einen 67-jährigen Steinesammler an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste schwer verletzt. Das Phosphorstück habe sich in der Hosentasche des Mannes entzündet und dessen Kleidung in Brand gesetzt, teilte das Landeskriminalamt in Kiel am Dienstag mit. Der 67-Jährige erlitt schwere Verbrennungen, ist inzwischen allerdings außer Lebensgefahr.

Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge bereits am Montag an einem Strand in der Nähe von Hohenfelde östlich von Kiel. Ein zufällig anwesender Angler habe Erste Hilfe geleistet und den Rettungsdienst verständigt. Der Mann kam mit schweren Brandverletzungen in eine Spezialklinik, wie das Landeskriminalamt (LKA) mitteilte.

Bei dem Brocken, den der Mann am Montag am Strand von Hubertsberg aufgesammelt hat, handle es sich wahrscheinlich um Phosphor. Die tückische Substanz ist eine Altlast aus dem Zweiten Weltkrieg. Weißer Phospor war Bestandteil von Brandbomben.

1300 Grad heißes Feuer

Äußerlich ähneln die Klumpen Bernstein. Wenn der Phosphor aber trocknet, entzündet er sich selbst: Sobald die Brocken getrocknet sind, verbindet sich der Phosphor mit Sauerstoff aus der Luft - es entsteht ein 1300 Grad heißes Feuer. Die Flammen sind nur mit Sand oder besonderen Feuerlöschern zu bekämpfen, Wasser ist nutzlos.

Die Dämpfe des Phospors sind zudem hochgradig giftig. Schon die Berührung des feuchten Phosphors, der auf den ersten Blick wie Bernstein aussieht, birgt Risiken. Gelangen Spuren des toxischen Stoffs von den Händen in den Mund, können Leber, Nieren und Magen geschädigt werden.

Weißer Phosphor aus Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg wird immer wieder an Stränden angeschwemmt. Vor allem auf der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern kommt es häufiger vor, aber auch in Schleswig-Holstein kamen hin und wieder Menschen zu Schaden. Das LKA in Kiel warnte davor, unbekannte Gegenstände am Strand zu berühren und mitzunehmen.

boj/AFP/dpa



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