Pilleneinnahme: Vitamine können das Leben verkürzen

Viele Vitamine führen nicht unbedingt zu viel Gesundheit. Die Wirkstoffe können das Leben sogar verkürzen, wenn sie als Ersatzpräparate eingenommen werden. Als mögliche Ursache vermuten Ärzte, dass dem Körper freie Radikale fehlen.

Ob Orangen, Kiwis oder Karotten nach Transport, Lagerung, Schockgefrieren und Kochen tatsächlich noch Vitamine liefern, bezweifeln viele Konsumenten. Pillen, die alle Wirkstoffe in sich vereinen, scheinen da oft vertrauenswürdiger, Sprudeltabletten etwa mit Multivitamin-Geschmack, glänzende Kapseln oder sogar Spritzen.

Natürliche Vitaminlieferanten: Tabletten als Ersatz können das Leben verkürzen
DPA

Natürliche Vitaminlieferanten: Tabletten als Ersatz können das Leben verkürzen

Doch diese Nahrungsergänzungen sind nicht immer und vor allem nicht in unbegrenzter Menge gut für den Körper. Die Vitamine A und E sowie Betakarotin könnten die Lebenserwartung sogar verkürzen, schreiben Wissenschaftler um Goran Bjelakovic von der Universitätsklinik Kopenhagen jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift " Journal of the American Medical Association".

Die Mediziner verglichen in einer sogenannten Meta-Analyse die Ergebnisse von insgesamt 68 Studien mit rund 230.000 Teilnehmern. Dabei werteten sie aus, ob die Vitamine A, C, E, Betakarotin und das Spurenelement Selen einen Einfluss auf die Lebenserwartung der teilnehmenden Probanden hatten. Zunächst konnten die Forscher keinen solchen Zusammenhang finden.

Keine strenge Kontrolle von Nebenwirkungen

Dann wählten sie von den 68 Studien jedoch 47 aus, die in ihren statistischen Analysen besonders genau vorgegangen waren. Dabei fanden die Ärzte, dass die Einnahme von Vitamin E, Betakarotin und Vitamin A die Sterblichkeit um jeweils vier, sieben und 16 Prozent erhöhte. Für Vitamin C konnten die Forscher hingegen weder negative noch positive Effekte nachweisen. Nur wer Selen eingenommen hatte, profitierte ihren Analysen zufolge von einem geringeren Sterblichkeitsrisiko.

"Unsere Ergebnisse widersprechen den Resultaten von zahlreichen Beobachtungsstudien, die Antioxidantien eine gesundheitsfördernde Wirkung zusprechen", schreiben die Autoren in ihrem Fachartikel. Antioxidantien sind Substanzen, die im Körper als Radikalfänger wirken können. Freie Radikale wiederum stehen im Verdacht, Krebserkrankungen, Alzheimer oder Arteriosklerose voranzutreiben.

Schätzungen gehen davon aus, dass zehn bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den USA und Europa - das entspricht 80 bis 160 Millionen Menschen - Vitaminpräparate einnehmen. "Das könnte weitreichende Folgen für die Gesundheitssysteme haben", schreiben die Wissenschaftler. Sie kritisierten daher in ihrem Bericht die Vitaminhersteller, die mit massiver Werbung allein die positiven Wirkungen der Präparate betonten.

Für die schädlichen Effekte könnte es nach Ansicht der Forscher unterschiedliche Erklärungen geben. Obwohl Antioxidantien eingesetzt werden, um die freien Radikale im Körper abzufangen, könnte sich eine zu starke Abnahme der Radikale unter Umständen auch negativ auf die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers auswirken. Zudem würden die synthetisch hergestellten Vitamine nicht wie andere Medikamente streng auf mögliche Nebenwirkungen getestet.

hei/AFP

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