Pinguine Könige der Antarktis bald vom Aussterben bedroht

Die Königspinguine - Sinnbild der Antarktis - reagieren so sensibel auf die globale Erwärmung, dass sie schon bald aus der Eiswüste verschwunden sein könnten. Schon minimale Temperaturschwankungen gefährden Brut, Aufzucht und Überleben der Vögel, wie Forscher nun herausgefunden haben.


Noch prägen Millionen der schwarz-weißen Tiere im Frack das Bild der Antarktis, doch das könnte sich schon in den nächsten Jahren ändern. Wie nur wenige Tiere sind die Königspinguine an die extremen Bedingungen der Antarktis angepasst und  reagieren äußerst sensibel auf Änderungen in ihrem Lebensraum. Eine französische Studie zeigt nun, dass eine Erhöhung der Wassertemperatur um nur 0,25 Grad Celsius die Überlebenschance der Königspinguine um neun Prozent heruntersetzt. Das schreiben Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

In einer Langzeituntersuchung der Brutplätze beobachteten Wissenschaftler um Yvon Le Maho vom Hubert Curien Instituts in Straßburg, dass eine Erwärmung der Wassertemperatur des südlichen Ozeans zu einer Bedrohung für das Überleben der Pinguine werden könnte. Diese Erwärmung wird in unregelmäßigen Abständen durch El Nino verursacht.

El Nino nennt man das Auftreten ungewöhnlicher Stömungsveränderungen zwischen der Westküste Südamerikas und dem südostasiatischen Raum. Hier kommt es seit mehr als 150 Jahren in zwei- bis siebenjährigen Abständen zur Umkehrung der normalen Wettersituation, die auch wärmeres Wasser in die Antarktis bringt. Das Klima-Phänomen ist zwar nicht von Menschenhand gemacht, es wird allerdings vermutet, dass El Nino durch den Treibhauseffekt in immer kürzen Abständen und immer intensiver auftritt.

Die Königspinguine sind nach den Kaiserpinguinen die zweitgrößten lebenden Pinguine überhaupt. Sie leben am Rande der Antarktis im Bereich des südlichen indischen Ozeans. Zurzeit schätzt man ihren Bestand auf zwei Millionen brütende Pärchen. Ungewöhnlich an ihrer Spezies ist, dass sie ein ganzes Jahr für Balz, Eierlegen, Bebrüten und Aufzucht ihrer Schützlinge brauchen.

Dieser extrem lange Zeitraum, der sich über den gesamten arktischen Winter und Sommer erstreckt, macht die Vögel besonders anfällig für Veränderungen des Nahrungsangebots, der Brut- und Aufzuchtsbedingungen. Königspinguine ernähren sich hauptsächlich von kleinen Fischen und Tintenfischen. Diese wiederum leben von Krill, winzigen Krebstierchen, die extrem sensibel auf Temperaturerwärmungen reagieren. Damit sei Krill ein guter Indikator für Veränderungen im Ökosystem, schreiben die Forscher.

Um mehr über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Tiere zu erfahren, befestigten Le Maho und ihre Kollegen einen elektronischen Anhänger auf der Haut von 456 Königspinguinen. Über verdeckte Radioantennen in den Anhängern konnten die Wissenschaftler auf Computern nachvollziehen, wo die Tiere sich aufhielten und wann oder wie häufig sie den Brutplatz verließen. Das Überwachungsprogramm dauerte von 1997 bis 2006, einem Zeitraum in dem auch das Klimaphänomen El Nino auftrat. Das Ergebnis: Während El Nino ging es den schon früh brütenden Vögeln gut. Die Tiere jedoch, die etwas später brüteten, traf die Erwärmung wie ein Schlag, weil das Nahrungsangebot drastisch zurückging.

Das gesamte Ausmaß der Klimaveränderung zeigte sich aufgrund des langen Aufzuchtszeitraums allerdings erst zwei Jahre später: eine Temperaturerhöhung der Wassers von 0,25 Grad Celsius resultiere in einer um neun Prozent verringerten Überlebenschance der erwachsenen Pinguine, kalkulierte Le Maho. Uno-Klimatologen sagen steigende Temperaturen in den nächsten Jahre voraus. Nach ihren Berechnungen wird sich die Temperatur aufgrund des Klimawandels in den nächsten zwanzig Jahren pro Jahrzehnt um 0,2 Grad erhöhen.

Das Fazit der Wissenschaftler fällt daher eher deprimierend aus: "Unsere Beobachtungen zeigen, dass der Königspinguin durch die globale Erwärmung schon bald vom Aussterben bedroht sein wird."

nis



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