Pläne für Forschungseisbrecher "Aurora Borealis" soll eigenen Bohrturm bekommen

Zehn Länder wollen bis 2014 gemeinsam ein 650 Millionen Euro teures Forschungsschiff bauen. Der Eisbrecher "Aurora Borealis" soll die Polargebiete erkunden und über einen Bohrturm sowie Schächte zum Absenken von Tauchrobotern verfügen.


Berlin/Bremerhaven - Wesentliche Erkenntnisse für die Klimaforschung versprechen sich Wissenschaftler von einem neuen Forschungseisbrecher, der von 2014 an ganzjährig in den Polarregionen operieren soll. Die "Aurora Borealis" werde Einblicke in "die extremsten, bisher kaum erforschten Regionen unserer Erde" ermöglichen, hieß es am Mittwoch in Berlin bei der Präsentation des technischen Konzeptes. Das geplante Schiff mit einer Gesamtlänge von rund 200 Metern soll jeweils 120 Forschern und Besatzungsmitgliedern Platz bieten.

Das rund 650 Millionen Euro teure Projekt wird das erste multinationale Forschungsschiff sein, an dem 15 Institute aus zehn europäischen Nationen beteiligt sind. Federführend für das Vorhaben ist das Bremerhavener Alfred- Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Die ersten fünf bis zehn Jahre soll das Schiff, dessen Name zu Deutsch "Nordlicht" bedeutet, zunächst durchgängig in der Arktis verbringen, sagte eine AWI-Sprecherin. Dann werde es auch in der Antarktis forschen.

Wer die ungelösten Fragen des Klimas klären wolle, müsse die Arktis bereisen und dort Bohrungen vornehmen, teilte das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörende Institut mit. Daher werde die "Aurora Borealis" einen Bohrturm tragen, mit dem bis zu einer Wassertiefe von 5000 Metern 1000 Meter tief in das Sediment gebohrt werden könne. Das Schiff werde so ausgestattet sein, dass es auch in driftendem Eis exakt auf Position gehalten werden könne - und auf diese Weise erstmals selbst im treibenden Packeis und ohne Hilfe anderer Eisbrecher wissenschaftliche Tiefbohrungen ermöglichen.

Eine weitere Besonderheit des Schiffs sind laut AWI seine beiden sieben mal sieben Meter großen so genannten Moon Pools - durchgehende Schächte in der Mitte des Schiffsrumpfes. Durch sie können Techniker und Wissenschaftler Geräte in die See absenken, ohne Wind und Wellen ausgesetzt zu sein. Über dem hinteren "Moon Pool" wird demnach der Bohrturm stehen. Der vordere für alle anderen Arbeiten erlaube es erstmals, auch sehr empfindliche und teure Geräte wie Roboter unter einer geschlossenen Eisdecke abzusenken.

hda/AFP/dpa



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