Flaschen mit Erregern Pockenviren in Abstellkammer entdeckt

Die Pocken gelten seit 1980 als ausgerottet. Doch jetzt haben Forscher der US-Arzneimittelbehörde FDA zufällig zwei Proben mit den gefährlichen Viren entdeckt - in einer Abstellkammer.

Pockenviren sind hochansteckend und lösen eine tödliche Infektionskrankheit aus
AP / CDC

Pockenviren sind hochansteckend und lösen eine tödliche Infektionskrankheit aus


Die Pocken sind eine grässliche Krankheit: Die Körper der Patienten sind mit Pusteln übersät, gefüllt mit einer übel riechenden, eitrigen Flüssigkeit. Lähmungen, Hirnschäden und Erblindung können die Folgen sein, unbehandelt führt die hochansteckende Krankheit bei etwa jedem dritten Infizierten zum Tod. Groß war die Erleichterung, als die Pocken 1980 offiziell ausgerottet waren - und umso überraschender ist, was Forscher der US-Arzneimittelbehörde FDA jetzt gefunden haben: Beim Aufräumen in einer Abstellkammer stießen sie auf sechs Glasfläschchen mit Pockenviren.

Die US-Seuchenbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) gab den Vorgang am Dienstag bekannt. Die versiegelten Proben sind demnach auf dem Campus der National Instituts of Health (NIH) in Bethesda (US-Staat Maryland) aufgetaucht. Sie enthielten gefriergetrocknete Viren - das ergab ein Test der CDC in Atlanta.

Die Abstellkammer gehört zu einem Labor, das bereits 1972 der Food and Drug Administration (FDA) unterstellt wurde. Seit dieser Zeit betreibt die Behörde Labore auf dem NIH-Campus. Jetzt sollte das Laborinventar auf den Hauptcampus der FDA umziehen. Ermittler prüfen nun, wie die offenbar aus den fünfziger Jahren stammenden Fläschchen mit der Aufschrift "Variola" in den unbenutzten Lagerraum des Labors gelangt sind.

Nach Angaben der CDC wurden die Proben sofort sichergestellt und in den Hochsicherheitsanlagen in Atlanta getestet. Dort untersuchen die Wissenschaftler jetzt, ob die Viren noch in Zellkulturen wachsen können. Danach sollen die Proben vernichtet werden.

Krankheit erfolgreich bekämpft

Politiker und Geheimdienste warnen immer wieder vor Terroristen, die sich die Viren beschaffen könnten, um sie bei Anschlägen einzusetzen. Ein Heilmittel gegen die Pocken gibt es nicht, nur eine Impfung schützt. Die haben die meisten Menschen jedoch nicht.

Die Pocken zählten zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Menschheit. Zuletzt registrierte 1977 die Weltgesundheitsorganisation WHO in Somalia eine Infektion. Durch ein intensives Impf- und Gesundheitsprogramm konnte die Krankheit erfolgreich bekämpft werden. 1980 erklärte die WHO die Pocken für ausgerottet. Seither existieren nur noch an zwei streng überwachten Orten der Welt Pockenviren - so dachte man zumindest: in Laboratorien in Atlanta und im russischen Nowosibirsk.

khü/Reuters/AFP



insgesamt 14 Beiträge
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orthos 09.07.2014
1. Wieso Testen ob sie noch virulent sind?
Einfach vernichten und dann wäre es auch gut. Immerhin haben die USA und Russland beide noch funktionsfähige Proben in ihren Waffenarsenalen!
Mario V. 09.07.2014
2. Dort untersuchen die Wissenschaftler jetzt
"ob die Virennoch in Zellkulturen wachsen können". Wozu? Mal schaun ob noch irgendwas draus zu machen ist? Man weiß ja nie wozu man es mal gebrauchen kann... Sofort vernichten wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen. Das Zeug zu lagern war schon fahrlässig genug, aber vielleicht war das auch vorsätzlich.
insick 09.07.2014
3. interessant
Es ist wissenschaftlich interessant wie lange diese Viren, obwohl sie in diesem abnormalen Zustand gelagert wurden, "überleben" können und eventuell sogar noch ansteckend sind. Dadurch lassen sich generell Aussagen darüber machen wie lange dieser Virus außerhalb eines menschlichen Körpers überleben kann.
bluebill 09.07.2014
4. So wie im Krankenhaus
nur so viel Hygiene passiert, wie die völlig unausgebildete Minilohn-Putzkraft eben anwendet, so wird auch in einem großen Labor immer irgendeine Schwachstelle menschlicher Natur existieren. Da hat wohl irgendwer irgendwann irgendwas vergessen, wusste vielleicht gar nicht, was er/sie da überhaupt in der Hand hielt und hat es eben in die Abstellkammer gepackt. Könnte im Kreiskrankenhaus Hintertupfing genauso passieren. Und schon sind irgendwelche Seuchen (wierder) da.
deduck 09.07.2014
5. Interessant gefährlich
Natürlich ist es prinzipiell interessant, ob Viren gefriergetrocknet, wie im Weltraum z.B., lange überleben können. Aber dieses Wissen müsste doch schon längst vorhanden sein, getestet mit harmloseren Spezies. Wieso glaubt man heute verantwortungsvoller mit diesen gefährlichen Erregern umgehen zu können, als die Leute, die das Zeug damals in die Abstellkammer geschoben haben?
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