Bluff oder Wahrheit? Hirnscan offenbart Strategie von Pokerspielern

Wer Poker spielt, muss manchmal bluffen. Aber wann? Forscher konnten mit Hilfe von Hirnscans vorhersagen, wann Spieler die Täuschung wagen. Das funktionierte aber nur, wenn der Gegner ein Mensch war. Bei der Partie gegen einen Computer liefen offensichtlich andere Prozesse im Hirn ab.

DPA

Mit einem Blick ins Gehirn können Forscher vorhersagen, ob ein Pokerspieler seinen menschlichen Gegner bluffen wird. Traten die Menschen gegen einen Computer an, gelang die Prognose dagegen nicht, berichtet das Team um McKell Carter von der Duke University in Durham (US-Staat North Carolina) im Wissenschaftsmagazin "Science". Nur bei einem menschlichen Gegner zeigten sich verräterische Aktivitäten in einem bestimmten Gehirnareal, die die Vorhersage ermöglichten.

Die Wissenschaftler luden 18 Probanden zu einem vereinfachten Pokerspiel ein, bei dem sie die Hirnaktivität mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) erfassten. Sie zeigt, welche Hirnregionen überdurchschnittlich aktiv sind. Die Teilnehmer wussten, ob sie gegen einen menschlichen Gegner oder einen Computer antraten. Vor dem Spiel sahen sie zuerst ein Foto des Gegners. Dem Menschen schüttelten sie zudem die Hand, bevor es losging.

Die Teilnehmer spielten mehrere Durchgänge, alle traten sowohl gegen Computer als auch gegen den menschlichen Spieler an, der immer derselbe war. Dabei erhielten sie mal gute, mal schlechte Karten und sollten entscheiden, ob sie setzen oder aussteigen wollten. Dafür hatten sie sechs Sekunden Zeit. In 54 Prozent der Fälle entscheiden sich die Probanden für einen Bluff: Sie riskierten einen Einsatz, obwohl sie kein besonders gutes Blatt in der Hand hielten.

Menschlicher Gegner bekam mehr Aufmerksamkeit

Bei den menschlichen Gegnern konnten die Forscher nach eigenen Angaben die Entscheidung der Spieler vorhersehen - insbesondere dann, wenn der Gegner als besonders stark eingeschätzt wurde. In diesen Fällen zeigten sich Aktivitäten am sogenannten temporoparietalen Übergang, einem Gehirnareal zwischen Schädel- und Schläfenlappen.

Der Bereich sei etwa dafür zuständig, das Gegenüber als Mensch zu identifizieren, erklärte Carter. Überraschend war für die Wissenschaftler, dass sie keine Rückschlüsse aus Aktivitäten in Gehirnregionen ziehen konnten, die typischerweise in sozialen Situationen aktiv sind. Grundsätzlich stellten die Forscher fest, dass die Teilnehmer bei einem menschlichen Gegner aufmerksamer spielten.

wbr/dpa



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