Poker und Roulette: Die Erfolgsrezepte der Profizocker

Von Holger Dambeck

In Casinos wimmelt es von Leuten, die glauben, den Zufall besiegen zu können. Geschafft haben es nur wenige. Oft bedienen sie sich technischer Tricks. Einzig beim Pokern verspricht eine ominöse Mischung aus Erfahrung, Menschenkenntnis und Disziplin tatsächlich Erfolg.

Roulette: Tummelplatz für Kesselgucker
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Der Zufall gehört zu den Dingen, die der Mensch am wenigsten begreift. Statt das eigene Schicksal einfach so hinzunehmen, interpretieren wir gern Dinge, die uns passieren und suchen nach Mustern, wo es laut Wahrscheinlichkeitstheorie gar keine geben dürfte.

Manche Casino-Besucher hocken am Roulettetisch und notieren sich akribisch Zahlenfolgen. Sie stieren stundenlang auf Kugel und Rad und versuchen Verhalten und Laufzeiten zu ergründen. Kesselgucker heißen diese vom Roulette Besessenen.

Wenn sie glauben, das Zielgebiet der Kugel gefunden zu haben, setzen sie schnell auf Zahlen aus diesem Bereich, bevor der Croupier die Runde schließt. "Das ist durchaus üblich", sagt Otto Wulferding, Chef der Spielbank Hamburg.

40 Roulette-Profis weltweit

Der Sachse Christian Kaisan scheint das Kesselgucken besonders gut zu beherrschen. Vier Millionen Euro verdient er jährlich am Roulettetisch - das sagte er zumindest vor zwei Jahren gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Zwei Drittel Können, ein Drittel Gefühl" gehörten dazu, um abzuschätzen, wo die Kugel landet. Nach Kaisans Angaben gibt es weltweit maximal 40 Roulette-Profis - er sieht sich selbst als einen davon.

Pokerrunde in der Spielbank Baden-Baden: "Man muss sich sehr viel mit dem Spiel beschäftigen"
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Wegen seiner ungewöhnlichen Glückssträhne bekam der Zocker im Oktober 1991 sogar Hausverbot im Casino Austria. Kaisan hatte eine sprechende Stoppuhr mit Ohrknopf und Schalter im Schuh entwickelt, die ihm erlaubte, ohne Blick auf eine Stoppuhr den Weg der Kugel zu verfolgen. Das war dem Casino zu viel, zwei Jahre später verbot es den Einsatz technischer Hilfsmittel sogar per Spielordnung.

Noch raffinierter ging kürzlich ein Zockertrio vor, das im Casino des Londoner Ritz-Hotels 1,3 Millionen Pfund kassierte. Eine 32-jährige Ungarin und zwei serbische Begleiter analysierten das Roulettespiel mit modernster Technik: Ein Handy mit Lasergerät maß die Drehung des Kreisels und den Lauf der Kugel. Ein Taschencomputer berechnete dann blitzschnell, auf welcher Zahl diese vermutlich zu liegen kommt.

Magnet oder Laser?

Scotland Yard nahm zunächst Ermittlungen auf, ließ die Dreierbande aber schließlich ausreisen. Das Spielgeschehen sei von ihnen ja nicht beeinflusst worden, sagte ein Polizeisprecher.

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Mancher aus der Spielbranche bezweifelt sogar, dass das Trio tatsächlich mit einem Laser arbeitete. Wilhelm Vogl, der in der Schweiz ein Schulungs-Centrum für Croupiers betreibt, glaubt eher an einen Magnettrick. Offenbar sei die Kugel vom Londoner Croupier gegen eine magnetische ausgetauscht worden, sagte er dem Portal isa-casinos.de. Die Täter hätten dann drei bis fünf Handy-Akkus zusammengeschlossen und damit ein starkes Magnetfeld erzeugt, um die Kugel in den gewünschten Bereich zu lenken.

Welcher Trick auch immer angewandt wurde, unter Casino-Betreibern geht seitdem die Angst um. "Wir müssen uns auf eine neue Bedrohung einstellen", sagt der Hamburger Spielbank-Chef Wulferding. Handys und auch rechenstarke Kleincomputer dürften sich die Besucher kaum verbieten lassen - penible Leibesvisitationen am Casino-Eingang sind kaum vorstellbar.

Alles eine Frage der Statistik

Ohne derartige technische Tricks ist das Gewinnen oder Verlieren am Roulettetisch jedoch nichts anderes als ein Problem der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die durchschnittliche Gewinnerwartung liegt bei minus 2,7 Prozent. Hätte die Roulettescheibe nur 36 Zahlen, dann würden sich Gewinne und Verluste im Mittel gesehen die Waage halten. Weil die Kugel jedoch auch in das Feld mit der Ziffer Null fallen kann, verdient das Casino an dem Spiel - und zwar statistisch gesehen genau 2,7 Prozent der Einsätze.

Etwas anders ist die Situation beim Pokerspiel. Zwar entscheidet auch hier das Glück über ein gutes Blatt. Doch auch das Können des Spielers spielt eine große Rolle - vielleicht sogar die entscheidende, wie der Fall Horst Koch zeigt. Der Schwabe pokert seit 1989 als Profi. Vorher hat er anderthalb Jahre lang das Spiel nach Feierabend studiert und schon in dieser Zeit 100.000 Mark gewonnen.

Poker-Profi Koch: "Man muss aufhören, wenn man sein Ziel erreicht hat"

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In den letzten 15 Jahren verdiente Koch als Spielprofi eine Million Euro am Pokertisch, wie er SPIEGEL ONLINE sagte, "so dass ich mir ein angenehmes Leben leisten kann". Der Verdienst entspricht knapp 70.000 Euro pro Jahr. Sein Erfolgsrezept ist eine Mischung aus Erfahrung, Menschenkenntnis und Disziplin: "Man muss aufhören, wenn man sein Ziel erreicht hat."

"Pokern ist sehr viel Arbeit", sagt Koch. Man müsse sich intensiv mit dem Spiel beschäftigen. "Ich studiere innerhalb einer halben Stunde die Gegner."

Er nimmt nie mehr als 2000 Euro mit zum Spielen - so ist auch der an einem Abend mögliche Verlust begrenzt. Wenn er beim Poker das vorher gesetzte Gewinnziel erreicht hat, hört er auf zu spielen und geht. "Nur fünf bis acht Prozent aller Spieler haben die Kraft aufzustehen", meint Koch. "Ich kann nicht mehr als gewinnen."

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