Nachgeforscht

Nachgeforscht Hält Poliboy sein staubiges Versprechen?

Von

Haluka Maier-Borst

Ein Pflegeschaum von Poliboy soll nicht nur beim Saubermachen helfen, sondern auch Flächen über Tage staubfrei halten. Der Hersteller gibt sogar Garantie auf diesen Effekt - kann das gut gehen?

Wir bestehen aus Staub und werden zu Staub. Ohne ihn gäbe es wohl weder unseren Planeten noch das Weltall in seiner heutigen Form. Dennoch bekommt Staub wenig Anerkennung auf Erden. Im Gegenteil: Es wird gewischt, gefeudelt und gesaugt, um ihn zu vertreiben. Und seit geraumer Zeit soll ein spezielles Mittel sogar verhindern, dass Staubkörner auf Fernsehern und Regalen dauerhaft eine Heimat finden. Der Staubmeister der Firma Poliboy verspricht, den Staub fernzuhalten und ist damit, wenn man es einmal zu Ende denkt, ein echter Galaxien-Killer.

Bereits seit 1998 vertreibt das Unternehmen seinen Staubmeister und erklärt die staubabweisende Funktionsweise wie folgt:

Während die Pflegeemulsion einzieht, bleibt der Antistatikwirkstoff auf der Oberfläche und sorgt so dafür, dass sich diese nicht elektrostatisch auflädt.

Welche Substanzen im Detail das möglich machen, sagt das Unternehmen nicht. Auf der Verpackung ist nur der Begriff "Antistatikwirkstoff" vermerkt. Immerhin ist die Firma aber von der Wirkung ihrer Emulsion überzeugt: Bis zu sieben Tage sollen die Flächen weniger Staub aufweisen. Für die ersten fünf Tage bietet Poliboy sogar eine Geld-zurück-Garantie, denn:

Das Produkt wurde von einem unabhängigen Institut nach DIN NORM EN 61340 getestet.

Nun ist es so, dass Worte wie "getestet" oder "geprüft" erst einmal wenig bedeuten. Man erinnere sich an den Elchtest. Die A-Klasse von Mercedes wurde ebenfalls getestet. Das Resultat war mit dem einhergehenden Dachschaden aber wenig zufriedenstellend.

Um also mehr über die magische Wirkung zu erfahren, hat der Autor dieser Zeilen kurzerhand den heimischen Fernsehtisch zur Testfläche erklärt. Material: beschichtete Spanplatte. Laut Aussage des Mitbewohners handelt es sich dabei sowieso um einen der staubigsten Orte Berlins. Ideale Testbedingungen also.

Zu trockene Luft?

Das Szenario in Kurzform: Tisch abgewischt, linke Seite zusätzlich mit der Wunderemulsion von Poliboy behandelt. Danach eine Woche lang nichts gemacht.

Das Ergebnis war leider enttäuschend. Der Fingertest nach einer Woche (siehe Bilder) zeigt, dass der Staub sich unbekümmert auf beiden Seiten breitgemacht hat, ohne sichtbare Unterschiede. Das Wunder der Antistatik blieb im heimischen Wohnzimmer aus.

Das muss allerdings nicht unbedingt bedeuten, dass das Spray immer wirkungslos ist, wie Herwig Schottenberger, Chemie-Professor an der Universität Innsbruck, erklärt:

Im Prinzip können solche Antistatikmittel funktionieren, bei sehr trockener Luft allerdings funktionieren die mir bekannten Antistatikmittel fast überhaupt nicht.

Grund dafür sei die Wirkweise der meisten Antistatikmittel, wie Schottenberger erklärt. Durch Salze oder Tenside machten Produkte wie der Staubmeister die behandelte Fläche elektrisch leitfähiger. Das soll verhindern, dass sich negative oder positive elektrische Ladungen auf der Fläche sammeln und somit den Staub anziehen. Ist die Luft aber trocken, können sich solche Flächen dennoch aufladen und Staub anziehen. Ein hundertprozentig staubsicheres Produkt kann der Poliboy also trotz der Geld-zurück-Garantie nicht sein.

Auf Nachfrage erklärt Poliboy übrigens, dass beim DIN-Test nicht gemessen wurde, wie viel Staub sich absetzt. Es wurde nur geprüft, wie leitfähig die Fläche nach der Behandlung mit dem Staubmeister war.

Was sagt der Hersteller?

Und den missratenen Test am heimischen Fernsehtisch erklärt die Firma so: "Einen Effekt sieht man nur, wenn es auch zu Aufladungen kommt, die den Staub anziehen, bei alten Röhrenfernsehern zum Beispiel beim An- und Ausschalten, ansonsten beim trockenen Staubwischen." Einfach nur Auftragen und Vergleichen bringe nichts.

Chemiker Schottenberger rät deshalb, am besten Möbel von vornherein mit einem speziellen Lack zu überziehen, der antistatisch wirkt, und nicht erst später zu behandeln. Der antistatische Effekt würde dann dauerhaft halten und müsste nicht ständig erneuert werden. Vielleicht kann man es aber auch einfach lockerer mit dem Staub sehen. Die Idee vom Fernsehtisch als Geburtsort neuer Galaxien hat durchaus ihren Reiz.

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18 Leserkommentare
harry_buttle 15.06.2015
Matzescd 15.06.2015
telltaleheart 15.06.2015
MoorGraf 15.06.2015
eisern79 15.06.2015
sondevida 15.06.2015
licorne 15.06.2015
moomendema 15.06.2015
Die_Physiker_ 15.06.2015
dierotesocke 15.06.2015
shakshirak 15.06.2015
Rosmarinus 15.06.2015
telltaleheart 15.06.2015
_meinemeinung 15.06.2015
denkpanzer 15.06.2015
amidelis 15.06.2015
felix164 15.06.2015
allmale 27.06.2016

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