Studie über Politiker Baritone bekommen mehr Wählerstimmen

Politische Qualifikation ist bei der Wahlentscheidung offenbar zweitrangig. Laut einer Studie lassen sich Wähler stark vom Erbe der Steinzeitmenschen beeinflussen: Sie machen die zu Anführern, die am tiefsten brummen.

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Dass politische Wahlen selten allein mit Argumenten entschieden werden, ist eine Binsenweisheit: Gewählt wird am Ende, wem die Mehrheit schlicht das meiste zutraut. Und dabei spielen Signale eine wichtige Rolle, die mit sachlicher Kompetenz gar nichts zu tun haben.

Vermeintlich sichtbare körperliche Gesundheit gehört dazu, darüber hinaus die klassischen Merkmale eines Alphatiers: selbstbewusstes Auftreten, Attraktivität, Größe, demonstrative Stärke. Auch nur als "Alpha" zu erscheinen, kann schon im ganz normalen Berufsleben zu Lohnerhöhungen und Beförderungen führen.

Genau das wies im Jahr 2012 eine Forschergruppe um Casey Klofstad von der Universität Miami mit Kollegen von der Duke University nach. Junge Frauen, konstatierte die Forschergruppe damals, seien gegenüber älteren Männern benachteiligt - und zwar schon wegen ihrer Stimmen: Höhere Sprechfrequenzen würden demnach als weniger stark, vertrauenswürdig und kompetent wahrgenommen als tiefere.

Doch wie groß und wichtig ist dieser Effekt wirklich? Und beeinflusst er auch politische Entscheidungen?

Diesen Fragen ging die Forschergruppe nun in einer Folgestudie nach. Den Testpersonen wurden Sprechproben eines Sprechers vorgelegt, dessen Stimmfrequenz mit elektronischen Mitteln auf verschiedene Niveaus gehoben oder gesenkt wurde. Intonation, Akzent und andere Sprachmerkmale waren also in allen Hörproben identisch, nur die Tonhöhe variierte.

Dunkler scheint besser

In Testreihen mit einer männlichen und einer weiblichen Stimme ordneten die Probanden den jeweils tieferen Stimmen grundsätzlich häufiger positive, "starke" Eigenschaften zu als den helleren. Sowohl Frauen als auch Männer entschieden sich mehrheitlich für die tieferen Männer- und Frauenstimmen.

Bei den männlichen "Kandidaten" erschienen den Testpersonen, die mit tieferer Stimme sprachen, als

  • stärker (Männer und Frauen: 72 Prozent)
  • kompetenter (Männer: 62 Prozent, Frauen: 61 Prozent)
  • älter (Männer: 78 Prozent, Frauen: 77 Prozent)

61 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen entschieden sich für den "dunkleren" Kandidaten.

Bei weiblichen "Kandidaten" fiel dieser Effekt sogar noch stärker aus. Auch Frauen mit tieferer Stimme erschienen den Testpersonen als

  • stärker (Männer: 74 Prozent, Frauen: 78 Prozent)
  • kompetenter (Männer: 71 Prozent, Frauen: 76 Prozent)
  • älter (Männer: 83 Prozent, Frauen: 84 Prozent)

67 Prozent der Männer und 76 Prozent der Frauen entschieden sich jeweils für die Kandidatin mit der dunkleren Stimme.

Der Idealpolitiker: 50, männlich, Bariton

Für Klofstad und seine Mitautoren kommen hier "Steinzeit-Instinkte" ins Spiel, aber auch die intuitive Wahrnehmung physiologischer Tatsachen: Die Stimmfrequenz sinkt im Laufe des Lebens, bis sie im Alter um 50 ihren Tiefpunkt erreicht. Zugleich sind tiefe Stimmen auch ein Indiz für erhöhte Testosteronwerte.

Sie zum einen mit Erfahrung, zum anderen mit Durchsetzungsfähigkeit im aggressiven Sinn zu verbinden, ist also nachvollziehbar.

Vernünftig ist es nicht. Vermeintliche physische Stärke als wichtiges Führungsmerkmal zu behandeln, sei nicht mehr zeitgemäß, so Klofstad: "In der modernen Welt geht es bei Führerschaft mehr um konkurrierende Anschauungen als um bloße Stärke."

Wählen wir unser Führungspersonal also aufgrund falscher Kriterien?

Die Statistiken der Studie entwerfen eine Art idealen politischen Kandidaten: männlich, um die 50, tiefe Stimme. Im Experiment gewann so ein Kandidat seine Wahl in mehr als 80 Prozent der Fälle gegen einen Kandidaten mit hellerer Stimme. Besonders leicht zu schlagen waren dabei die vermeintlich jüngsten und ältesten Kandidaten.

Aber werden wirklich mehrheitlich Politiker mit tieferen Stimmen gewählt? Im Schnitt schon, behaupten Klofstad und Co: Laut Analyse der Wahlen zum US-Repräsentantenhaus 2012 gewannen tatsächlich mehrheitlich die Altstimmen und Baritone.

Was nur noch eine Frage offen lässt: Sind die Dunkelsprecher wirklich kompetenter und durchsetzungsstärker?

Eine Folgestudie, die das beantworten soll, haben Klofstad und Co bereits angekündigt. Klofstad: "Uns solcher Einflüsse bewusst zu werden, könnte uns helfen, sie zu kontrollieren und uns davon abhalten, schlechte Entscheidungen zu treffen."



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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
Max Einer 10.08.2015
1. Bariton
ist übrigens die mittlere Stimmlage der Männer, also dem Mezzosopran bei den weiblichen Stimmlagen entsprechend. Die tiefste Stimmlage ist der Bass. Haben jetzt Baritone eine kompetentere Ausstrahlung als die noch tieferen Bässe oder kennt sich der Autor mit den Stimmlagen einfach nicht richtig aus?
pauleschnueter 10.08.2015
2. Und das ist nur ein Effekt
Es gibt noch vieles mehr, was den Wähler (also das gemittelte Subjekt, nicht die echte Einzelperson) manupuliert. Daher: Demokratie in der Reinform (alle Stimmen sind gleichwertig) funktioniert einfach nicht. Es müsste tatsächlich ein "Wahlführerschein" für alle, die wählen wollen, verbindlich sein, Dieser muss Grundwissen in solchen psychologischen Aspekten und wichtigen technischen, wirtschaftlichen, historischen und rechtlichen Dingen bescheinigen. Das Schulwissen eines sehr guten Realschulabschlusses würde bereits reichen, wenn es denn verhanden wäre. Ist es aber bei vielen nicht (mehr). Wer das nicht erfüllt, wählt halt nicht und uns allen ginge es besser.
alias1942 10.08.2015
3. woran man leicht sieht, dass Wahlen nichts
mit Demokratie zu tun haben. Jedenfalls schon lange nicht mehr. Heute entscheidet Geld und Lobby über dn Sieg bei Wahlen. Das Volk hat immer nur die Wahl unter Gleichen. Das Wort Demokratie hat seinen ursprünglichen Sinn verloren und steht nur noch für ein Wahlverfahren, das dem Volk keineswegs zum Besseren verhilft.
salamicus 10.08.2015
4. Und Bässe?
Also Bariton/Alt sind kompetent. Bässe/Kontra-Alt nicht mehr? Bei welchen Frequenzen fängt denn der Verdacht auf Inkompetenz an? Ein Chorleiter sagt ja auch gerne: Tenöre und Männer nach hinten...
kuac 10.08.2015
5.
Zitat: Der Idealpolitiker: 50, männlich, Bariton..... Dann sollten die Musiker für die US-Präsidentschaft kandidieren. Wieso regiert denn Merkel solange?
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