Schädelfund Der Irrtum der Pompeji-Forscher

Als Archäologen in Pompeji im Mai ein Skelett freilegten, schien der Fall klar zu sein: Der Mann wurde erschlagen, als er vor den Aschewolken des Vesuvs floh. Doch nun ist sein Schädel aufgetaucht - und der verrät anderes.

Archäologin mit Skelett in Pompeji
Ciro Fusco / ANSA / AP / dpa

Archäologin mit Skelett in Pompeji


Es ist ein tragisches Bild, das um die Welt ging: Das Skelett eines Mannes klemmt zur Hälfte unter einem gewaltigen Steinbrocken. Die Knochen stammen aus der antiken Stadt Pompeji, die während des Ausbruchs des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus unterging. Die Archäologen sind zunächst überzeugt: Der Mann wurde während seiner Flucht von einem herabfallenden Steinblock erschlagen, der den Kopf und Teile des Oberkörpers zermalmte.

Doch nun ist klar: Die Forscher haben sich geirrt. Denn inzwischen haben sie auch den Schädel des Mannes entdeckt - und der ist nicht etwa zerschmettert, sondern nahezu komplett, wie die Archäologen berichten. Der Mann wurde also offenbar doch nicht zerquetscht. Wann genau der Felsblock auf den Körper des Mannes fiel, bleibt unklar, aber sehr wahrscheinlich war er da bereits tot.

Die Archäologen entdeckten den Schädel und Teile des Oberkörpers in einer tieferen Erdschicht. Die Knochen waren wohl abgerutscht, weil im 18. Jahrhundert ein Tunnel unter der Fundstelle gegraben wurde. Der Gesteinsbrocken und der Rest des Skeletts blieben dagegen am Originalfundplatz liegen.

Doch wenn es nicht der Steinblock war, woran starb der Mann dann? Die Archäologen vermuten, dass er erstickt sein könnte. Es ist eine der häufigsten Todesursachen der Bewohner Pompejis. Denn durch den Vulkanausbruch schossen nicht nur Lavamassen in die umliegenden Täler, sondern auch pyroklastische Ströme. Der bis zu 800 Grad heiße Gluthauch aus heißen Gasen und geschmolzenem Gestein löscht alles Leben in seinem Weg aus.

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Pompeji: Pferd in Asche

Die Archäologen wollen die Knochen des Mannes nun genauer untersuchen, um Näheres über sein Schicksal zu erfahren. Bisher ist klar: Es handelt sich um einen etwa 30 Jahre alten Mann. Verletzungen in Höhe der Schienbeine deuten zudem an, dass er an einer Knochenentzündung litt und deshalb gehbehindert war.

Was für die Bewohner eine Tragödie war, ist heute ein Glücksfall für Archäologen. Denn die Aschewolken haben die antike Stadt weitgehend konserviert. Die Unesco-Welterbestätte zieht Jahr für Jahr Millionen von Touristen an. Am Umgang der italienischen Behörden mit dem Kulturschatz gab es allerdings wiederholt Kritik.

Die Ausgrabungen in Pompeji begannen schon im 18. Jahrhundert, doch auch im 21. gibt es immer noch Neues zu entdecken. Anfang Mai waren nahe der Stadt die Überreste eines Pferdes gefunden worden. Aufgrund der Beschaffenheit der Knochen gehen Wissenschaftler davon aus, dass es sich um ein ausgewachsenes Tier handelte.

Das Zaumzeug unter anderem aus Bronze weise darauf hin, dass es einer wohlhabenden Person gehörte. Das Pferd müsse ein Tier für repräsentative Zwecke gewesen sein, hieß es. "Möglicherweise ist es auch für den Rennsport eingesetzt worden, das ist ein außergewöhnlicher Fund", sagte Massimo Osanna, der Direktor der Ausgrabungsstätte.

koe

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