Porträt Peter Grünberg Großer Preis für einen Preisverwöhnten

Der Nobelpreis, den Peter Grünberg jetzt für die Entdeckung des Riesenmagneto-Widerstandseffekts bekommen hat, ist nicht die erste Auszeichnung, die der Physiker einheimst. Gewünscht hätte er sich allerdings einen Preis für eine Entdeckung auf einem anderen Gebiet.


Der neue Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg hat Entscheidendes für die Revolution der Computertechnik geleistet: Bereits in den achtziger Jahren entdeckte er den Riesenmagneto-Widerstandseffekt (Giant Magnetorestistance - kurz GMR). Der GMR-Effekt brachte den Durchbruch zu Giga-Byte-Festplatten.

Nobelpreisträger Peter Grünberg: Von Preisen überhäuft
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Nobelpreisträger Peter Grünberg: Von Preisen überhäuft

Grünberg wurde bereits vielfach international ausgezeichnet. 2004 ist er beim Forschungszentrum Jülich offiziell nach 32 Jahren in den Ruhestand gegangen. Sein französischer Kollege und jetziger Mit-Nobelpreisträger Albert Fert hielt damals den Festvortrag. Grünberg ist aber laut Forschungszentrum weiterhin wissenschaftlich tätig.

Seinen aus der Grundlagenforschung geborenen Beitrag zur Computertechnik betrachtet Grünberg ohne übertriebene Leidenschaft: "Ich hätte mir eigentlich mehr gewünscht, dass ich im Bereich Energieeinsparung, im Bereich Umwelt eine Entdeckung mache oder etwas voranbringe", bekannte er zur Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 1998. Forscher würden jedoch in der Regel dem folgen, was möglich erscheine, und nicht dem, was nötig sei.

Peter Andreas Grünberg ist gebürtiger Tscheche. Er wurde am 18. Mai 1939 in Pilsen als Sohn eines Diplomingenieurs geboren. Die Familie siedelte nach dem Krieg nach Lauterbach in Hessen um. Dort besuchte Grünberg das Realgymnasium. Er begann sein Physikstudium in Frankfurt am Main, setzte es in Darmstadt fort und schloss es 1969 mit der Promotion ab.

Als Ausgleich braucht er den Sport

Zunächst forschte er drei Jahre an der Carleton Universität in Ottawa (Kanada). 1972 kam er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Festkörperforschung (IFF) zum Forschungszentrum Jülich. Dort untersuchte er "mikroskopische Sandwiche", laut Forschungszentrum Systeme aus zwei magnetischen Eisenschichten, die von einer nur wenige Atomlagen dünnen, nichtmagnetischen Schicht aus Chrom getrennt werden.

Seine Entdeckung des Riesenmagneto-Widerstandseffekts ließ er 1988 patentieren. Sie fand ungewöhnlich schnell Einzug in die industrielle Anwendung. Der GMR-Effekt wird heute in allen gängigen Festplatten genutzt, um magnetische Bits und Bytes auszulesen.

Seit der Entdeckung des Riesenmagneto-Widerstands 1988 hat Grünberg mehrere Auszeichnungen bekommen, darunter den Zukunftspreis 1998 und die Ehrendoktorwürde der Universität Bochum (2002). 2007 erhielt er den renommierten israelischen Wolf Prize. Mit seinen Mitstreitern Albert Fert von der Université Paris-Sud und Stuart Parkin vom Computerkonzern IBM teilte sich Grünberg den Internationalen Preis für Neue Materialien 1994 der American Physical Society und den Hewlett-Packard-Europhysics-Preis der Europäischen Physikergesellschaft EPS.

Die Europäische Kommission und das Europäische Patentamt zeichneten Grünberg im vergangenen Jahr als "Europäischen Erfinder des Jahres" aus. In diesem Jahr hat Grünberg zudem die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sowie den Japan-Preis.

Grünbergs Frau Helma - das Paar ist seit 1966 verheiratet und hat drei Kinder - hat sich ebenfalls für die Wissenschaft engagiert. Außer der Wissenschaft liebt Peter Grünberg selbst Musik und Sport. "Ich habe viele Jahre intensiv klassische Gitarre gespielt; heute brauche ich als Ausgleich den Sport", erzählte der mehrfach ausgezeichnete Physiker einmal.

lub/dpa/AP



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