Potenzmittel-Skandal: Charité-Professor räumt seinen Posten

Der Skandal um das angebliche Bio-Potenzmittel "Plantagrar" hat an der Berliner Charité nun auch zu personellen Konsequenzen geführt: Der verantwortliche Institutsleiter Holger Kiesewetter ist beurlaubt worden - auf eigenen Wunsch. Es ist das vorläufige Ende einer zwielichtigen Karriere.

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Charité-Professor Kiesewetter: Auf eigenen Wunsch beurlaubt

Berlin - Dreistes Finanzgebaren, medizinische Studien von zweifelhafter Seriosität, öffentliche Werbung für dubiose Mittelchen: Holger Kiesewetter, Professor an der renommierten Berliner Charité, sorgte über viele Jahre immer wieder für Schlagzeilen. Jetzt tritt der Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin von seinem Posten zurück: Kiesewetter habe sich auf eigenen Wunsch beurlauben lassen, teilte die Charité SPIEGEL ONLINE mit.

Der Anlass war der Skandal um das vermeintliche Bio-Potenzmittel "Plantagrar". Im März hatten zahlreiche Medien begeistert über das Mittel berichtet, das mindestens ebenso gut wirken sollte wie das Medikament Viagra. Die Meldung erwies sich wenig später als PR-Coup eines Medizinstudenten.

Auch Kiesewetter, an dessen Institut die Versuche stattgefunden hatten, geriet dadurch erneut ins Zwielicht: Die Leitung der Charité spürte möglichen "wirtschaftlichen Interessenkonflikten" nach, die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin wegen Untreue und Bestechlichkeit gegen Kiesewetter. Es bestehe der Verdacht, dass der Professor für die "Plantagrar"-Studie Zuwendungen empfangen und zugleich Personal und andere Ressourcen der Charité genutzt habe. Derzeit werte man die Ergebnisse der Durchsuchungen von Büro- und Privaträumen aus, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Kiesewetter hatte bisher bestritten, dass die Potenzmittel-Studie mit Drittmitteln finanziert wurde. Sollten das Verfahren gegen ihn allerdings zu einer Verurteilung führen, droht dem Professor weiteres Ungemach: Im Falle einer Verurteilung zu mehr als einem Jahr Freiheitsstrafe - egal ob auf Bewährung oder nicht - ist der Beamtenstatus perdu.

Die "Plantagrar"-Affäre wirkt auch auf andere Weise nach: "Wir bekommen immer noch Anrufe von Männern", sagt Kliniksprecherin Claudia Peter, "die fragen, wann denn nun endlich dieses Bio-Potenzmittel auf den Markt kommt."

mbe

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