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PR-Missgeschick: Max-Planck-Gesellschaft wirbt für heiße Mädchen

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Peinliche Panne für die Max-Planck-Gesellschaft: Auf die Titelseite ihres aktuellen Magazins hat sie chinesische Schriftzeichen gedruckt. Nur von trockener Wissenschaft ist darin nicht die Rede - stattdessen verspricht der Text heiße Mädchen aus Nordchina.

Wissenschaft von Weltrang, dargestellt mit reichlich Tiefgang: "MaxPlanckForschung", das Magazin der Max-Planck-Gesellschaft, ist Papier gewordene Seriosität. Deshalb dachte sich zunächst wohl auch niemand etwas beim Betrachten der chinesischen Schriftzeichen, die das aktuelle Titelblatt zierten. Der Ästhetik der chinesischer Schrift kann sich schließlich kaum jemand entziehen - jedes Zeichen ein Kunstwerk für sich, elegant gezeichnet. "Fokus China" steht auf der roten Titelseite, darüber prangt in Weiß ein chinesischer Text.

Für die Lesermehrheit, die des Chinesischen nicht mächtig ist, sind es einfach nur schöne Schriftzeichen. Doch Kenner der Sprache dürften sich gefragt haben, ob sie die Manifestation eines schlechten Scherzes in den Händen hielten - oder ob eine Satiretruppe die Redaktion des Forschungsmagazins gekapert hat. "Wir haben es uns einiges kosten lassen und junge Mädchen aus Nordchina aufgetrieben", heißt es in dem Text. Die Frauen würden demnächst "bei uns auftreten", hätten eine "verführerische Figur" und seien "heiß".

Zhang Zhenhuan, Sprachwissenschaftler an der Universität Mainz, hält den Text für die Werbung eines Bordells, "mindestens aber für eine Erotik-Show". Es handle sich um keinen zusammenhängenden Text, sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Offenbar bestehe er aus mehreren Fragmenten.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat das Cover der Online-Ausgabe des Magazins inzwischen gegen eine unverfängliche Version getauscht, die gedruckten Exemplare werden überklebt. "Wir haben das Foto von einer Bildagentur erworben", sagt Christina Beck, Sprecherin Max-Planck-Gesellschaft, zu SPIEGEL ONLINE. Die Abbildung befinde sich seit zehn Jahren in der Bilddatenbank und sei schon vielfach verkauft worden, ohne dass der Inhalt aufgefallen sei. "In der Bildbeschreibung steht: 'altchinesische Schriftzeichen'", erklärte Beck. "Mitarbeiter aus unseren Instituten haben uns auf das Titelbild hingewiesen." Man bedauere den Fehler.

"Wir haben das Foto von einem Sinologen prüfen lassen", so die Sprecherin. Dieser sei zum Schluss gekommen, es handle sich um "völlig unverfängliche Zeichen". Nach Becks Angaben ist der Text in Altchinesisch verfasst. "Das ist eine schwer zu interpretierende Sprache." Man müsse Muttersprachler sein, um den Text zu verstehen.

"Altchinesisch ist sehr anspielungsreich", bestätigt Martin Müller, Sinologe an der Universität Köln. Über den Inhalt des abgedruckten Textes gebe es allerdings kaum Zweifel: "Es sind einige einschlägige Vokabeln dabei, die auf sexuellen Inhalt hinweisen. Man hätte schon stutzig werden müssen beim Lesen."

Der Mainzer Forscher Zhang bezweifelt sogar, dass es sich um einen altchinesischen Text handelt. "Er stammt wahrscheinlich vom Anfang des 20. Jahrhunderts, könnte aber auch aus der Gegenwart sein."

Auf chinesischen Webseiten sorgt die Geschichte vom Erotik-Text auf dem Max-Planck-Cover für Heiterkeit. Auf "Anti-CNN" etwa, wo sonst Propaganda gegen die China-kritische Berichterstattung des US-Nachrichtensenders stattfindet, amüsierte sich gleich eine ganze Reihe von Kommentatoren über den Fehltritt der Max-Planck-Gesellschaft. "Ich habe zwar noch nicht die Mittelschule abgeschlossen", schrieb einer, "aber offenbar kann ich direkt Chinesisch-Professor an einem Max-Planck-Institut werden!"

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Chinesische Schriftzeichen: Missglücktes Cover


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