Ausgegraben

Prähistorische Waffen Die Suche nach den ersten Giftpfeilen

Pfeilspitzen aus China: "Es war einfach gesunder Menschenverstand, Gift bei der Jagd einzusetzen"
MAA

Pfeilspitzen aus China: "Es war einfach gesunder Menschenverstand, Gift bei der Jagd einzusetzen"


Wie alt ist die Idee, bei der Jagd giftige Waffen zu nutzen? Untersuchungen 6000 Jahre alter Museumsstücke zeigen: Schon lange bevor es in Ägypten Pharaonen gab, schossen die Menschen dort mit besonders tödlichen Pfeilen.

Die Babylonier taten es. Die Römer taten es. Die Briten taten es. Und die Yanomami im Grenzgebiet zwischen Venezuela und Brasilien tun es noch heute: jagen mit giftigen Pfeilen. Wenn es darum geht, Nahrung zu beschaffen, ist jedweder Jagdethos fehl am Platz. Dann zählt nur eins: Tier tot, Teller voll.

Galt das auch schon für die Jäger der Steinzeit, deren Pfeilspitzen reihenweise in unseren Museumsvitrinen liegen?

Mithilfe chemischer Analysen untersuchte Michelle Carlin von der englischen Northumbria University, welche Moleküle an prähistorischen Steinspitzen haften und ordnete die Stoffe giftigen Pflanzen zu. Für den Abgleich sammelte die Forscherin unter anderem Proben im Alnwick Castle in Northumberland. Der Giftgarten von Alnwick ist berühmt für seine Sammlung von rund 150 toxischen Gewächsen. Einige davon sind so giftig, dass es einer Spezialgenehmigung bedarf, sie anzubauen.

In einem ersten Test analysierte Carlin Gegenstände aus Museumsbeständen, von denen bereits bekannt war, dass sie höchst giftig sind - darunter malaysische Pfeile, die mit Gift des Javagiftbaums überzogen sind, und eine Harpune aus Menschenknochen, gefertigt in Borneo, mit einem uralten Zettel daran: "Vorsicht! Giftig!" Problemlos konnte Carlin die giftigen Substanzen nachweisen.

6000 Jahre alte Pfeilspitzen

Schließlich untersuchte die Forscher in einem zweiten Versuch sechs rund 6000 Jahre alte Pfeilspitzen aus der Zeit, bevor es in Ägypten Dynastien gab. Die Pfeile wiesen Spuren einer unbekannten, schwarzen Substanz auf. Die Tests laufen noch, "aber erste Voruntersuchungen legen schon nahe, dass an den Pfeilspitzen Acokanthera klebt, eine Giftpflanze aus unseren Vergleichsproben", berichten die Forscher. Acokanthera gehört zur Familie der Hundsgiftgewächse und wächst in Afrika und Arabien.

Dass die ägyptischen Pfeile mit Vorsicht zu behandeln sind, hatten Wissenschaftler bereits vor 40 Jahren gezeigt - allerdings mit sehr viel kruderen Methoden. Sie schabten ein wenig der schwarzen Substanz ab und injizierten diese einer Katze. Das Tier überlebt den Versuch zwar, seine heftigen Reaktionen belegten allerdings, dass die Pfeile einst extrem gefährliche Jagdwaffen waren.

"Es war einfach gesunder Menschenverstand, Gift bei der Jagd einzusetzen", glaubt Valentina Borgia, Spezialistin für prähistorische Jagdwaffen an der University of Cambridge, die ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war. Für sich genommen seien steinzeitliche Waffen mit Steinspitzen wahrscheinlich nicht wirksam genug gewesen, um ein großes Tier wie einen Rothirsch zu erlegen oder auch nur bewegungsunfähig zu machen.

Gleichzeitig gab es giftige Pflanzen zuhauf. "Die prähistorische Bevölkerung kannte sich gut aus in ihrem Lebensraum; wusste, welche Pflanzen essbar sind und welche sich als Medizin oder Gift eignen", so Borgia.



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13 Leserkommentare
brandtner 17.04.2015
diezwo 17.04.2015
nachtmahr79 17.04.2015
midastouch 17.04.2015
Layer_8 17.04.2015
wermoe 17.04.2015
biber01 17.04.2015
gis 17.04.2015
Tiananmen 17.04.2015
Tiananmen 17.04.2015
biber01 18.04.2015
Tiananmen 18.04.2015
biber01 18.04.2015

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