Von Uwe Klussmann
Von einer schweren Jugend zu sprechen, wäre untertrieben. Was Friedrich, Prinz von Preußen, geboren 1712, mit seinem Vater erlebt, ist reiner Horror. Der Junge interessiert sich für Philosophie und Musik und ist ein leidenschaftlicher Leser. Der Vater, König Friedrich Wilhelm I., zieht ihn deswegen an den Haaren, beschimpft ihn, prügelt ihn mit einem Stock. Der "Soldatenkönig" will dem Thronfolger die Flausen austreiben.
Doch das ist aussichtslos. Willensstark bleibt Friedrich seinen geistigen Interessen treu, ein Leben lang. Gute Bücher und kluge Gesprächspartner sind sein Lebenselexier. Doch als König ist der Hohenzoller kein weltabgewandter Schöngeist. Der Herrscher, klein im Wuchs und groß im Denken, will die Welt der Deutschen verändern.
Aus Preußen, einem mittleren Fürstentum, schafft er eine europäische Großmacht, aus einem Volk von Analphabeten eines, das zu Lesen beginnt. Als aufgeklärter Monarch setzt er Wissen gegen Unbildung, Disziplin gegen Schlendrian und Gesetze gegen die Willkür der Wohlhabenden. Dabei wird seine Leistung nicht unangefochten dastehen.
Der musische Monarch, der Flöte spielt und als Prinz Briefe schon mal launig mit "Frédéric le Philosophe" unterschreibt, erweist sich als Machtmensch. Er modernisiert die Armee und lässt sie in 20 Jahren von 80.000 auf 160.000 Mann aufstocken. Die Truppe verschlingt mehr als 70 Prozent der Staatseinnahmen Preußens. Zugleich propagiert der junge König eine Einwanderungspolitik, verbunden mit religiöser Toleranz. In Preußen soll "ein jeder nach seiner Façon selig werden", so Friedrich.
Vor allem französische Migranten integrieren sich rasch und machen Karriere bei Hofe. Der zweisprachige König korrespondiert mit dem französischen Philosophen Voltaire. Der junge Friedrich ist aufgeschlossen gegenüber den Ideen der Aufklärung. Ethnischer Nationalismus, der später den Deutschen und ihren Nachbarn zum Verhängnis werden wird, ist ihm fremd.
Hauptgegner Habsburg
Sein Hauptfeind ist eine katholische Monarchie, die den Aufstieg des protestantischen Preußen beargwöhnt: das Haus Habsburg. Im Dezember 1740 marschiert der Preußenherrscher mit 28.000 Soldaten in Schlesien ein, ohne Kriegserklärung. Mit dem Gewaltstreich annektiert er die Provinz, deren Protestanten ihn als Befreier begrüßen.
Das wirtschaftlich entwickelte Schlesien erhöht Preußens Gewicht. Mit dem Besitz dieser Provinz steht Friedrich den Habsburgern auf Augenhöhe gegenüber. Der schlesische Feldzug erweist sich als Auftakt zu zwei folgenden Kriegen. Um eine Revanche der Habsburger-Kaiserin Maria Theresia zu verhindern, besetzt Friedrich im August 1744 das neutrale Sachsen und versucht, nach Böhmen vorzudringen. Doch die Offensive bleibt bei Prag stecken. Friedrich muss sich zurückziehen.
1745 gelingt es ihm aber in der Schlacht von Hohenfriedeberg, den Österreichern eine schwere Niederlage zu bereiten, und den zweiten Schlesischen Krieg zu beenden. Der König versteht es, seine Soldaten weit stärker zu motivieren, als der Gegner es vermag.
Friedrich ist, ungewöhnlich für einen Fürsten, täglich unter seinen Soldaten, trotz seiner Gicht. Nicht Wohlleben und Wollust wie im französischen Herrscherhaus, sondern Pflicht und harte Arbeit sind das Credo dieses Königs. So entsteht der Nimbus des unbesiegbaren preußischen Heeres. Dabei weiß Friedrich, dass er viele Feinde hat, vor allem in der Wiener Hofburg. Um zu erfahren, was die Gegner vorhaben, schafft er sich einen Auslandsgeheimdienst, der an fremden Fürstenhofen spioniert.
Auf diese Weise erfährt er 1755, dass die Habsburger, durchdrungen von Rachsucht, mit Hilfe Russlands und Frankreichs Preußen vernichten wollen. Daher entschließt sich Friedrich 1756 zu einem Präventivkrieg. Er lässt, wieder ohne Kriegserklärung, 60.000 Soldaten in Sachsen einrücken.
So beginnt der Siebenjährige Krieg. Er bringt Preußen große Siege, etwa in der Schlacht bei Leuthen 1757, aber auch schwere Niederlagen. In der Schlacht von Kunersdorf im August 1759 werden 19.000 seiner Soldaten getötet oder verwundet.
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