Preußenkönig Friedrich der Große: Der erste Untertan

Von Uwe Klußmann

Zeitgenossen verehrten ihn als den "Großen", in der Nachwelt ist er als Kriegsherr und absoluter Herrscher umstritten. Friedrich II. fasziniert die Deutschen auch 300 Jahre nach seiner Geburt. Kein anderer Preußenkönig war so gebildet, so widersprüchlich - und sah sich so sehr als Diener seines Volks.

Corbis

Von einer schweren Jugend zu sprechen, wäre untertrieben. Was Friedrich, Prinz von Preußen, geboren 1712, mit seinem Vater erlebt, ist reiner Horror. Der Junge interessiert sich für Philosophie und Musik und ist ein leidenschaftlicher Leser. Der Vater, König Friedrich Wilhelm I., zieht ihn deswegen an den Haaren, beschimpft ihn, prügelt ihn mit einem Stock. Der "Soldatenkönig" will dem Thronfolger die Flausen austreiben.

Doch das ist aussichtslos. Willensstark bleibt Friedrich seinen geistigen Interessen treu, ein Leben lang. Gute Bücher und kluge Gesprächspartner sind sein Lebenselexier. Doch als König ist der Hohenzoller kein weltabgewandter Schöngeist. Der Herrscher, klein im Wuchs und groß im Denken, will die Welt der Deutschen verändern.

Aus Preußen, einem mittleren Fürstentum, schafft er eine europäische Großmacht, aus einem Volk von Analphabeten eines, das zu Lesen beginnt. Als aufgeklärter Monarch setzt er Wissen gegen Unbildung, Disziplin gegen Schlendrian und Gesetze gegen die Willkür der Wohlhabenden. Dabei wird seine Leistung nicht unangefochten dastehen.

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Der Alte Fritz: Feldherr und Schöngeist
Er führt Kriege, die furchtbare Opfer und Verwüstungen mit sich bringen. Den Schrecken des Todes erlebt er schon als 18-Jähriger im November 1730 aus nächster Nähe. Da lässt sein Vater Friedrichs Jugendfreund Hans Hermann von Katte hinrichten. Die beiden jungen Leute hatten nach England fliehen wollen, um sich der Erziehungsgewalt des Königs zu entziehen. Ein verzweifelter Friedrich schaut dem Freund auf dem Gang zur Richtstätte zu. Er ist selbst Gefangener auf der Festung Küstrin östlich der Oder. Zehn Jahre später stirbt der despotische Vater, Friedrich wird mit 28 Jahren König.

Der musische Monarch, der Flöte spielt und als Prinz Briefe schon mal launig mit "Frédéric le Philosophe" unterschreibt, erweist sich als Machtmensch. Er modernisiert die Armee und lässt sie in 20 Jahren von 80.000 auf 160.000 Mann aufstocken. Die Truppe verschlingt mehr als 70 Prozent der Staatseinnahmen Preußens. Zugleich propagiert der junge König eine Einwanderungspolitik, verbunden mit religiöser Toleranz. In Preußen soll "ein jeder nach seiner Façon selig werden", so Friedrich.

Vor allem französische Migranten integrieren sich rasch und machen Karriere bei Hofe. Der zweisprachige König korrespondiert mit dem französischen Philosophen Voltaire. Der junge Friedrich ist aufgeschlossen gegenüber den Ideen der Aufklärung. Ethnischer Nationalismus, der später den Deutschen und ihren Nachbarn zum Verhängnis werden wird, ist ihm fremd.

Hauptgegner Habsburg

Sein Hauptfeind ist eine katholische Monarchie, die den Aufstieg des protestantischen Preußen beargwöhnt: das Haus Habsburg. Im Dezember 1740 marschiert der Preußenherrscher mit 28.000 Soldaten in Schlesien ein, ohne Kriegserklärung. Mit dem Gewaltstreich annektiert er die Provinz, deren Protestanten ihn als Befreier begrüßen.

Das wirtschaftlich entwickelte Schlesien erhöht Preußens Gewicht. Mit dem Besitz dieser Provinz steht Friedrich den Habsburgern auf Augenhöhe gegenüber. Der schlesische Feldzug erweist sich als Auftakt zu zwei folgenden Kriegen. Um eine Revanche der Habsburger-Kaiserin Maria Theresia zu verhindern, besetzt Friedrich im August 1744 das neutrale Sachsen und versucht, nach Böhmen vorzudringen. Doch die Offensive bleibt bei Prag stecken. Friedrich muss sich zurückziehen.

1745 gelingt es ihm aber in der Schlacht von Hohenfriedeberg, den Österreichern eine schwere Niederlage zu bereiten, und den zweiten Schlesischen Krieg zu beenden. Der König versteht es, seine Soldaten weit stärker zu motivieren, als der Gegner es vermag.

Friedrich ist, ungewöhnlich für einen Fürsten, täglich unter seinen Soldaten, trotz seiner Gicht. Nicht Wohlleben und Wollust wie im französischen Herrscherhaus, sondern Pflicht und harte Arbeit sind das Credo dieses Königs. So entsteht der Nimbus des unbesiegbaren preußischen Heeres. Dabei weiß Friedrich, dass er viele Feinde hat, vor allem in der Wiener Hofburg. Um zu erfahren, was die Gegner vorhaben, schafft er sich einen Auslandsgeheimdienst, der an fremden Fürstenhofen spioniert.

Auf diese Weise erfährt er 1755, dass die Habsburger, durchdrungen von Rachsucht, mit Hilfe Russlands und Frankreichs Preußen vernichten wollen. Daher entschließt sich Friedrich 1756 zu einem Präventivkrieg. Er lässt, wieder ohne Kriegserklärung, 60.000 Soldaten in Sachsen einrücken.

So beginnt der Siebenjährige Krieg. Er bringt Preußen große Siege, etwa in der Schlacht bei Leuthen 1757, aber auch schwere Niederlagen. In der Schlacht von Kunersdorf im August 1759 werden 19.000 seiner Soldaten getötet oder verwundet.

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Forum - Was bleibt von Friedrich dem Großen?
insgesamt 257 Beiträge
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1.
Peter-Freimann 05.11.2011
Zitat von sysopGroßer König, Flötenspieler, Komponist, Inbegriff Preußens: Friedrich II. beschäftigt als "Großer" die Deutschen über die Jahrhunderte. Sein aufgeklärter Absolutismus, den er als "erster Diener des Staates" etablierte, brachte ihm Anerkennung und Respekt. Was blieb bis heute vom großen, Alten Fritz?
Eine klug durchdachte Einwanderungspolitik. Bereicherung des Landes, Wirtschaftswachstum, beim "Alten Fritz" durch die Aufnahme der Hugenotten, bei uns durch all die Migranten, denen wir den Wiederaufbau unserer deutschen Wirtschaft mitzuverdanken haben.
2. einer
sitiwati 06.11.2011
der grössten Deutschen, ohne Geld aus England, hätte er keine Kriege führen können! F hats feriggebracht sein Land in den Bamkrott zu führen und nur der Tod der russischen Zarin hat P davor bewahrt, dass russisch Amtssprache wurde!
3. Fritz von Preußen
Layer_8 06.11.2011
Zitat von sysopGroßer König, Flötenspieler, Komponist, Inbegriff Preußens: Friedrich II. beschäftigt als "Großer" die Deutschen über die Jahrhunderte. Sein aufgeklärter Absolutismus, den er als "erster Diener des Staates" etablierte, brachte ihm Anerkennung und Respekt. Was blieb bis heute vom großen, Alten Fritz?
der hat den ersten Weltkrieg,1756-1763, angezettelt und damit die Grundlage des britischen Imperiums geschaffen (sagte später Churchill). Er hat französische Truppen in Europa gebunden und dadurch hatten die Engländer freie Hand in Nordamerika und Indien. Und am Schluss war Frankreich pleite und dann kam eine neue Weltordnung. Gründung der US of A, sowie die französische Revolution... Achja, das mit den Tomaten, äh, Kartoffeln, hab ich vergessen zu erwähnen. möge jeder nach seiner Facon selig werden
4. Friedrich der Große
hannspüschel 06.11.2011
Hallo, über diesen König sollte man nicht reden, ohne die Fakten zu kennen. Nicht er hat den 7jährigen Krieg aus finanziellen Gründen verloren, sondern seine Gegner. Er hat sich von exellenten Fachleuten beraten lassen, den jüdischen Bankiers in Berlin. Sie waren unter der Herrschaft des Großen Kurfürsten wegen eines Pogroms von Wien nach Berlin gekommen. Ergebnis: Wien musste schon im Jahr 1761 wegen Geldmangels abrüsten. Als der Krieg endete, war der König der einzige, der Geld übrig hatte. Über 5 Mio Taler, die er sogleich in den Wiederaufbau steckte. - Es ist richtig, der Tod der russischen Zarin begünstigte das Kriegsende. Es gab dadurch keinen Sieger. Aber: Der König hatte eine kluge, vorausschauende Politik betrieben. Er hatte frühzeitig dafür gesorgt, dass eine preußische Generaltochter den russischen Thronfolger heiratete: die spätere Zarin Katharina die Große. Und deren Gatten, den späteren Zaren Peter II hatte er "umgedreht" und zum ausgemachten Fan Preußens gemacht. usw. usw.
5. Friedrich der Große
generalsolar 06.11.2011
@Sitiwati Sie wissen schon das Preußen erst seit dem 7-jährigen Krieg mit England verbündet war und auch nicht durchgängig Geld bekam? Traditioneller preußischer Verbündeter gegen Österreich war eigentlich Frankreich. Auch hat nicht der Tod der russischen Zarin Preußen gerettet, bei der damaligen Art der Kriegsführung war ein so weitgestecktes Ziel wie die Vernichtung Preußens absolut utopisch. Auch hat Preußen den Krieg wirtschaftlich und finanziell besser überstanden als zum Beispiel Frankreich oder Österreich. On Topic Was blieb: der erste Vertreter der aufgeklärten Absolutismus auf deutschem Boden, die Abschaffung der Folter, eine weitgehende religiöse Toleranz, die Einführung der Kartoffel, ein massiver Ausbau des Bildungssystems, eine teilweise Abschaffung der Leibeigenschaft, der König als erster Diener des Staates.
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