Von Joachim Hoelzgen
Bisher machten die Befunde wenig Mut, die man dort erhoben hat. Denn der Ganges nähert sich Varanasi bereits stark verunreinigt, nachdem er zuvor noch die Millionenstadt Allahabad passiert hat - eine Metropole der Industrie, die jedem Inder auch als Geburtsort von Indira Gandhi und Jawaharlal Nehrus bekannt ist, des ersten indischen Premierministers.
Der Mangel an Kläranlagen hat dazu geführt, dass der Ganges mit 20.000 bis 100.000 krankmachenden Keimen pro hundert Milliliter Wasser in Varanasi ankommt. Die Mikrobiologen im Labor der Hindu-Universität haben bei solchen Werten längst die Gummihandschuhe angelegt.
Dabei ist es nicht so, dass Indien mit den Anforderungen an die Wasserqualität etwa hinter Deutschland oder Europa herhinkt. Für Wasser, das zum Baden geeignet ist, diktiert das Umweltministerium in Delhi einen Wert, der unter 500 Keimen liegt - das entspricht jener Norm, die auch die EU für Fließgewässer vorgeschrieben hat.
Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Nachdem der Ganges die Badeplätze in Varanasi und den Rest der Stadt passiert hat, schnellen die Werte auf ein bis zwei Millionen Keime hoch. Mit dem "Wasser der Unsterblichkeit", von dem einst der Mogul-Herrscher Akbar schwärmte, ist es dort nicht mehr weit her.
Im Sommer bedeutet all das eine Gefahr für die badenden Pilger, von denen täglich etwa 60.000 durch das Wasser waten. Durchfallerkrankungen sind häufig, und Unglückliche treten die Heimreise mit Hepatitis an. Ein Studienkreis indischer und japanischer Ärzte stellte flussabwärts eine Zunahme seltener Krebsleiden fest, darunter Gallenblasenkrebs vor allem bei Frauen.
Dem jetzt aufgelegten Säuberungsprojekt begegnet der Ganges-Aktivist und Tempelpriester Mishra vorsichtig optimistisch. "Es gibt mehr Geld und damit ein größeres Potential für gute Konzepte," sagt er SPIEGEL ONLINE. "Man muss das aufmerksam beobachten."
Entscheidend ist für ihn, dass nicht nur Wissenschaft und Technik zum Tragen kommen, sondern auch das Erbe alter Zivilisationen und der Glaube an das "mokscha", die Erlösung in dann möglichst reinen Ganges-Fluten.
Damit sich alles richtig fügt, plant Mishra selbst ein Netz von Klärteichen, in denen Bakterien und Algen Klärschlamm abbauen. Sie würden ohne das labile Stromnetz auskommen und begeistern die Menschen schon jetzt. Fast 100.000 Freiwillige haben sich bereiterklärt, die Erddämme der Teiche aufzuschütten - auch das ein Akt der religiösen Hingabe, wie er nur in Indien möglich ist.
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