Ausgegraben

Prohibition Geheimbotschaft der durstigen Handwerker

Botschaft aus dem Jahr 1932: "Trinkt auf uns!" Fotos
W. Scott Giglio

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In einer US-Universität ist eine Zeitkapsel aus den Jahren der Prohibition gefunden worden: eine Botschaft durstiger Handwerker, eingemauert in eine Wand. Das Alkoholverbot gefiel den Männern offenbar gar nicht.

Wonach sehnt man sich am Ende eines langen Arbeitstages? Nach einem schönen Drink. Dumm nur, wenn die Regierung Herstellung und Verkauf von Alkohol verboten hat. In den Vereinigten Staaten von Amerika war mit dem 18. Zusatzartikel zur Verfassung am 17. Januar 1920 die Prohibition in Kraft getreten: Das Aus auch für Feierabendbierchen.

Ihren Frust darüber taten sieben Handwerker in New Jersey in einem Brief kund, den sie in einer Wand versteckten. Jetzt wurde die 81 Jahre alte Botschaft bei Renovierungsarbeiten im Wissenschaftsgebäude der Fairleigh Dickinson University gefunden: eine Zeitkapsel aus der Prohibition in einer Tabak-Blechdose der Marke "Prince Albert".

"Damals waren in dem Gebäude noch die Pferdeställe und die Garagen für die Automobile des Florham Anwesens untergebracht", erklärt Gary Darden, Dekan für Sozialwissenschaften und Geschichte der Universität. "Es wurde in den 1890er Jahren von Florence Vanderbilt und ihrem Ehemann Hamilton Twombly gebaut."

Botschaft im Mauerwerk

Im Jahr 1932 ließen die steinreichen Twomblys die Badezimmer in den Ställen und Garagen renovieren. Eine staubige Arbeit, die ordentlich Durst machte, glaubt man den Worten der Handwerker:

These Bathrooms was Remodled [sic] in 1932 E.J. Parsons of Morristown N.J. did the Plumbing work and Edw F Daniker of 70 Britten St Madison did the Tile work other men worked on the Job are
J. T. Steating Madison
Peter Moore
Joe Gero
Tom Skelly Morristown
Chas. Clements
It was during Probition [sic] and it was a very dry Job. The finder of this note if the 18 Amendment has bin [sic] changed have a good Drink on us.

E. Daniker

Es sei ein "sehr trockener Job" gewesen, schreiben die Handwerker in ihrer Botschaft. Der Finder möge mit einem "guten Drink" auf ihr Wohl anstoßen - vorausgesetzt, das Alkoholverbot gelte dann nicht mehr. Dann legten sie den Brief in die Tabakdose, die Tabakdose ins Mauerwerk und versiegelten die Wand.

Als der Fund bekannt wurde, machten sich die Bibliothekare und Historiker der Universität an die Arbeit, die Geschichte zu rekonstruieren - und wurden fündig. Einige der Männer gehörten offenbar zum festen Personal des Anwesens. Ihre Namen stehen auf den Beschäftigungslisten im digitalen Archiv der Fairleigh Dickinson Universität. Wendy Burden, eine Verwandte von Florence Twombly, hatte die alten Listen einst der Uni gestiftet. Andere wurden extra für den Job herangeholt. Wie zum Beispiel E. J. Parsons: Im Plumber Trade Journal des Jahres 1918 ist vermerkt, dass er zum Vorsitzenden der Gesellschaft der Meisterinstallateure von Morristown gewählt worden war.

"Partys im Stil des Großen Gatsby"

Die Handwerker hatten reichlich Zeit für ihre Arbeiten, denn die Twomblys residierten nur vier Monate im Jahr auf Florham: im Mai und Juni sowie im September und Oktober. Wie alle Reichen jener Zeit zogen sie mit den Jahreszeiten von Ort zu Ort. "Florham war ihr 650 Hektar-"Landsitz". Die Sommer verbrachten sie in Newport, Rhode Island, und sie überwinterten in ihrem Haus in der Fifth Avenue in New York", beschreibt Darden ihren Lebensstil.

Während die Handwerker in den Jahren der Prohibition auf dem Trockenen saßen, hatten die Twomblys vorgesorgt. Oder vielmehr Ruth, deren jüngste Tochter. Denn zwar durfte man nach dem 18. Zusatzartikel zur US-Verfassung Alkohol weder herstellen noch verkaufen noch transportieren. Besitzen aber schon. "Ruth Vanderbilt Twombly hatte vor Beginn der Prohibition im Januar 1920 genügend Alkohol nach Florham liefern lassen, um die 13 Jahre zu überstehen, die das Gesetz in Kraft war", schreibt Darden. Und das, obwohl sie ihn in Strömen fließen ließ: "Sie hielt Partys im Stil des Großen Gatsby ab." Bis zu 600 Gäste kamen zu Ruths berühmten Partys im "Play House" auf Florham.

Aber auch die Handwerker mussten nicht mehr lange auf ihr Feierabendbier warten. Was sie sich so verzweifelt herbeigesehnt hatten, ging bereits im folgenden Jahr in Erfüllung: Der 21. Zusatzartikel zur Verfassung hob den 18. Zusatzartikel im Jahr 1933 wieder auf.

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2 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
e40 02.09.2013
pyrrol 25.10.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
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Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.