Propaganda digital Iran fälscht Foto von Raketentest

Vier iranische Raketen, die parallel in den Himmel rasen: Das spektakuläre Foto wurde von einigen der größten Medien der westlichen Welt veröffentlicht. Jetzt stellt sich heraus: Das Bild ist eine Fälschung, die Redaktionen sind auf iranische Propaganda hereingefallen.


Wenn es um die eigenen militärischen Fähigkeiten geht, trickst und täuscht die iranische Regierung gern. Mal werden furchterregend große Zahlen funktionierender Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in die Welt gesetzt, mal wird der Start von Raketen gemeldet, die angeblich Satelliten und damit auch Atomsprengköpfe transportieren könnten. Zwischendurch wird auch mal eine kleinkalibrige Boden-Luft-Rakete als der neue Schrecken amerikanischer Kriegsschiffe verkauft.

Jetzt hat die iranische Propaganda erneut einen Coup gelandet, auf den einige der größten Nachrichtenmedien des Westens hereingefallen sind. Am 9. Juli ließ das Mullah-Regime in der Wüste Raketen abfeuern und veröffentlichte anschließend eine Reihe teils spektakulärer Fotos. Nur: Zumindest eines war zu spektakulär, um wahr zu sein. Dennoch gelangte es auf die Titelseiten einiger großer westlicher Tageszeitungen, darunter der "Los Angeles Times" und der "Chicago Tribune". Auch die Webseiten von MSNBC, der BBC und der "New York Times" zeigten in großer Aufmachung das Foto, bei dem es sich offensichtlich um eine Fälschung handelt.

Foto übernommen von den Revolutionsgarden

Die Nachrichtenagentur AFP hatte das Bild von Sepah News, der Propagandastelle der Iranischen Revolutionsgarden, übernommen und weiterverbreitet. Einen zweiten Blick haben offenbar weder AFP noch die betroffenen Redaktionen auf das Bild geworfen.

Und der hätte sich durchaus gelohnt, zumal angesichts der eingangs erwähnten Vorgeschichte des Mullah-Regimes. Denn das Foto ist recht plump gefälscht, die Manipulation leicht zu erkennen. Zwei der drei Staubwolken, die nach dem Abschuss der Rakete über dem Boden wabern, besitzen die exakt identische Form - ein guter Grund, misstrauisch zu werden.

"Leider ist auf dem Foto eine Rakete zu viel zu sehen", räumte die "New York Times" am heutigen Donnerstag zerknirscht ein. Auch AFP hat inzwischen eine Warnung um die Welt geschickt: "Die zweite Rakete von rechts wurde offenbar digital hinzugefügt, um eine am Boden verbliebene Rakete zu verdecken, die während des Tests möglicherweise nicht funktionierte", meldete die Agentur. Ebenfalls am Donnerstag verbreitete die Nachrichtenagentur AP ein weiteres Bild, bei dem es sich offensichtlich um das Original handelt - mit nur drei Raketen.

"Verwenden die iranischen Staatsmedien etwa Photoshop?", fragt sich die "New York Times". Die Frage dürfte nunmehr beantwortet sein. Bleibt zu hoffen, dass die Iraner auch in Zukunft so auffällig arbeiten wie in diesem Fall. Und weiterhin vergessen, hinterher das Originalfoto verschwinden zu lassen.

mbe



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