Prozess Umstrittener Krebs-Arzt Rath vor Gericht

Vitaminpräparate könnten Krebs heilen, hatte der umstrittene Arzt Matthias Rath immer wieder behauptet - bis ein neunjähriger Junge nach dem Abbruch seiner Chemotherapie an einem Tumor starb. Nächste Woche muss sich Rath vor Gericht verantworten.


Hamburg - Der Angeklagte habe den Eindruck erweckt, mit seinen Produkten akute Krebserkrankungen heilen zu können, sagt die Staatsanwaltschaft. Dabei habe Matthias Rath gar keine Zulassung für deren Vertrieb gehabt. Nun muss sich der Arzt vor Gericht verantworten: Am kommenden Donnerstag beginnt der Prozess in Hamburg. Die Ermittler werfen Rath einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz vor.

Matthias Rath: Selbstdarstellung des Vitaminpillen-Händlers im August 2000
DDP

Matthias Rath: Selbstdarstellung des Vitaminpillen-Händlers im August 2000

Rath soll über seine Firma in den Niederlanden ohne arzneimittelrechtliche Zulassung Vitaminprodukte zur direkten Online-Bestellung angeboten zu haben, wie die Staatsanwaltschaft in Hamburg mitteilte. Dabei habe er den Präparaten therapeutische Wirkungen zugeschrieben, die diese in Wirklichkeit nicht gehabt hätten.

Außerdem soll der Mediziner auf seiner Internetseite einen Link zu der Seite mit dem Titel "Informationen über natürliche Krebstherapie" eingerichtet und dort den Eindruck erweckt haben, dass seine Produkte akute Krebserkrankungen heilen können. Das sei aber nicht der Fall gewesen, und Rath habe das auch gewusst, erklärte die Justizbehörde der Hansestadt.

Darüber hinaus ließ Rath im Dezember 2004 an Hamburger Haushalte eine Postwurfsendung mit dem Titel "Gesundheits-Rath-geber" verteilen, in der er unter den Überschriften "Krebs ist heilbar - natürlich!", "Zellular Medizin - die einzige wissenschaftliche Alternative zur gescheiterten Chemotherapie", "Fakten und Fragen zu Dominiks Ableben - Die Wahrheit über Dominik" und "Wie Zell-Vitalstoffe Krebs gezielt bekämpfen" die Vorzüge des von ihm entwickelten Naturheilverfahrens anpries.

Der 50-Jährige war 2004 im Zusammenhang mit der Behandlung des an Krebs gestorbenen neunjährigen Dominik in die Schlagzeilen geraten. Dominiks Eltern hatten die Chemotherapie des Jungen abgebrochen und ihn mit Alternativmedizin behandelt. Die "Dr. Rath Health Foundation" hatte auf ihrer Internetseite behauptet, Dominik sei bis Januar 2004 durch eine von Raths Institut entwickelte "Zell-Vitalstoff-Therapie" geheilt worden. Als der Junge am 1. November 2004 starb, machte die Foundation dafür einen Bluterguss im linken Brustraum verantwortlich. Laut Obduktionsbericht starb er aber an einem Krebstumor.

stx/AP



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