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Psychologie: Beinahe-Gewinne reizen zum Weiterspielen

Ein knapp verpasster Gewinn wirkt im Gehirn von Glücksspielern ähnlich wie ein richtiger. Die Spieler werden auf diese Weise animiert weiterzuspielen, wie Forscher in einem Experiment beobachtet haben.

Verlieren ist nicht schön - vor allem, wenn es dabei um Geld geht. Doch es gibt Verluste, die ähnlich wirken wie ein Gewinn. Dies haben Luke Clark von der University of Cambridge und seine Kollegen bei einem virtuellen Glücksspiel mit Freiwilligen herausgefunden. Die Teilnehmer der Studie spielten die vereinfachte Computersimulation eines Einarmigen Banditen: Zwei Räder mit Symbolen werden gedreht; der Spieler gewinnt, wenn beide Räder beim gleichen Symbol stehenbleiben. Als Beinahe-Gewinn galt, wenn die Räder um nur ein Symbol versetzt stehenblieben.

Spielcasino (in Macao): Gesteigerte Lust auf neues Spiel
REUTERS

Spielcasino (in Macao): Gesteigerte Lust auf neues Spiel

Nach jedem Versuch gaben die Teilnehmer an, wie zufrieden sie mit dem Ergebnis waren und wie gerne sie weiterspielen mochten. Wie die Forscher im Fachblatt "Neuron" (Bd. 61, S 481) berichten, senkten Beinahe-Gewinne die Zufriedenheit und steigerten die Lust, weiterzuspielen. Dieser Effekt trat allerdings nur dann auf, wenn die Spieler das Symbol des ersten Rads aussuchen durften, also einen vermeintlichen Einfluss auf das Spiel hatten - der Ausgang war in jedem Fall rein zufällig.

In einem weiteren Versuch maßen die Forscher die Gehirnaktivität der Teilnehmer während des Spiels und verglichen die Aktivität bei unterschiedlichen Spielausgängen. Bei gewonnen Spielen ebenso wie bei Beinahe-Gewinnen nahm die Aktivität in den Hirnregionen Striatum und Inselrinde deutlich zu. Frühere Studien hatten gezeigt, dass das Striatum bei der Wahrnehmung von Belohnung und im Drogenrausch eine Rolle spielt, erklären die Forscher. Auch die Aktivierung dieser Regionen hing davon ab, ob die Spieler einen symbolischen Einfluss auf das Spiel hatten.

Diese Daten helfen den Forschern zu verstehen, warum manche Menschen spielsüchtig werden: Ein knapp verlorenes Spiel wirkt ähnlich stimulierend wie ein gewonnenes. Tatsächlich wird dieser Umstand längst von realen Spielautomaten ausgenutzt: Bei vielen Geräten liegt man viel häufiger knapp daneben, als es nach dem Zufall eigentlich der Fall sein sollte, wie die Wissenschaftler schreiben.

hda/ddp

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