Psychologie Liebe Leserin, lieber Leser,


kennen Sie dieses Gefühl an Weihnachten, im Kerzenlicht und Tannenduft? Sie können es kaum erwarten, Ihre Geschenke an die Familie zu verteilen, freuen sich riesig über das Lächeln im Gesicht Ihres Partners, wenn er die von Ihnen liebevoll ausgesuchte Grillschürze auspackt, über die großen Augen Ihrer Tochter, wenn sie das neue Puppenhaus entdeckt, über die Umarmung Ihrer Eltern, wenn Sie ihnen das Luxus-Schraubenzieher-Set überreichen? Bleibt auch bei Ihnen die Freude über Ihre eigenen Geschenke im Vergleich dazu eher verhalten? So geht es erstaunlich vielen Menschen. "Geben ist seliger als nehmen" - das steht schon in der Bibel. Jetzt haben der Verhaltensforscher Ed O'Brien von der University of Chicago und Samantha Kassirer von der Northwestern University Kellogg School of Management das Phänomen genauer untersucht und stellten fest: Ja, es stimmt. Schenken, nicht beschenkt werden, macht wirklich glücklich.

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Heft 52/2018
In eigener Sache: Wie einer unserer Reporter seine Geschichten fälschte und warum er damit durchkam

Ausgangspunkt war dabei ein Phänomen, das Forscher schon länger kennen: Glücksgefühle währen oft nicht allzu lange; jedes Mal, wenn sich ein bestimmtes glückauslösendes Ereignis wiederholt, kehren wir schneller wieder in den Normalzustand zurück. "Hedonistische Tretmühle" nennt sich das, und es ist nicht besonders überraschend - wer jeden Tag ins Fünfsterne-Restaurant geht, wird nach dem hundertsten Mal sicher nicht mehr so euphorisch davon schwärmen wie am Anfang.

O'Brian und Kassirer wollten jetzt wissen: Macht es dabei einen Unterschied, ob wir Glück empfinden, weil wir beschenkt wurden? Oder weil wir anderen etwas geschenkt haben? Um das herauszufinden, gaben sie 96 Versuchspersonen fünf Tage lang jeden Tag fünf Dollar. Die eine Gruppe der Teilnehmer sollte das Geld für sich selbst ausgeben, jeden Tag für die gleiche Sache. Die anderen Teilnehmer sollten das Geld verschenken, etwa als Trinkgeld, immer im gleichen Restaurant, oder indem sie jeden Tag eine Fünfdollar-Spende an die gleiche Hilfsorganisation machten. Das Ergebnis war eindeutig: Zwar starteten beide Gruppen etwa mit dem gleichen Level an Glücksgefühlen. Doch während bei den Teilnehmern, die das Geld für sich selbst ausgaben, das Glücksgefühl jeden Tag nachließ, war bei denen, die das Geld verschenkten, das Glück am fünften Tag noch genauso groß wie am ersten.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Verschenken macht nur dann so richtig Spaß, wenn sich der Beschenkte auch wirklich freut. Wann sind Freunde und Dankbarkeit am größten? Bitte, Ed O'Brian und Samantha Kassirer, erforschen Sie das bis zum nächsten Weihnachtsfest!

Herzlich
Ihre Veronika Hackenbroch

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Abstract

Meine Leseempfehlungen dieser Woche

  • Natürlich kann man darüber streiten, ob wir wirklich zum Mars fliegen sollten. Ich finde, es gibt deutlich wichtigere Probleme zu lösen. Aber wenn wir schon in Richtung Roter Planet aufbrechen, dann sollten wir auf jeden Fall versuchen, möglichst schnell dorthin zu kommen - und möglichst schnell wieder zur Erde zurück. Eine wichtige Rolle spielen werden dabei vielleicht Sonnensegel und Nuklearantrieb.
  • Eltern haben es schon lange geahnt, und jetzt ist es auch wissenschaftlich bewiesen: Wer Babys streichelt, lindert ihre Schmerzen. Wichtig ist dabei allerdings das richtige Streicheltempo.
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  • In den Sechzigerjahren wurde bei einem Pflanzenexperiment aus Versehen eine Mücke auf die antarktische Insel Signy Island eingeschleppt. Das Tier ist winzig und kann nicht einmal fliegen. Aber die Folgen für das Ökosystem sind verheerend.
  • Wer schüchtern ist, Smalltalk hasst oder sich unter fremden Menschen einfach unwohl fühlt, hat nicht nur auf der Silvesterparty ein Problem. Aber er ist nicht allein! Hier sind sieben gute Tipps, wie man mit sozialen Ängsten umgehen kann.
  • Wie haben es Dinosaurier geschafft, trotz ihrer massigen Körper keinen Hitzeschock zu bekommen? Dazu gibt es eine neue Theorie: Möglicherweise hatten sie in ihrer Schnauze ein komplexes Kühlungssystem.

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Ob Migräne, Rückenschmerz, Arthrose oder seltenere Krankheiten wie Fibromyalgie - dauernde Beschwerden können den Alltag eines Menschen zerstören, das ganze Leben wird zur Qual. Wie chronischer Schmerz entsteht, wie man ihn erfolgreich bekämpft und wie man lernen kann, trotz Beschwerden sein Leben selbstbestimmt zu leben, darüber informiert das aktuelle SPIEGEL WISSEN "Den Schmerz besiegen", seit dem 10. Dezember im Handel.

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Bild der Woche

Meteore können bunt erstrahlen - allerdings meist nicht fürs bloße Auge; Kameras enthüllen das Spektakel. Die Farben entstehen, wenn der Himmelskörper zerfällt und dabei Ionen freisetzt: Magnesium schenkt seiner Bahn das blaugrüne Funkeln, Kalzium lässt sie violett leuchten und Nickel strahlend grün. Diese Spur eines Meteors aus dem Strom der Geminiden, der regelmäßig im Dezember die Nacht verzaubert, blieb mehrere Minuten am Himmel sichtbar. Der Meteor selbst war nach weniger als einer Sekunde verglüht.

Dean C. Rowe / NASA


Boston Bite

Unser SPIEGEL-Wissenschaftskorrespondent Johann Grolle berichtet aus Harvard und beißt sich einmal in der Woche an einem erstaunlichen Fakt fest.

"Stirbt der Sex als Mittel zur Reproduktion aus? Auf einem Panel über die chinesischen Crispr-Babys haben sie ernsthaft darüber diskutiert. Bald würden nur noch Natur-Fanatiker ihre Kinder mittels Geschlechtsverkehr zeugen, meinte einer der Experten. Alle anderen würden ihre Embryonen implantieren und zuvor einem Gencheck unterziehen - als ganz normale Vorsorgeuntersuchung (Früherkennung U0 sozusagen). Das Seltsame: Was wir heute ungeheuerlich finden, könnte uns morgen schon ganz selbstverständlich erscheinen."


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* Quiz-Antworten: Am Handgelenk - das Mondbein ist einer der acht Handwurzelknochen / Ein Schwammkugelkäfer, der bevorzugt in verrottendem Baumholz lebt und sich von Schleimpilzen auf den Baumrinden ernährt / Der Mauna Loa auf Hawaii - vom Meeresboden aus gemessen ist er rund 9200 Meter hoch, sein Volumen beträgt etwa 75.000 Kubikkilometer, und seine Masse ist so groß, dass er sogar die pazifische Platte eindellt.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
quark2@mailinator.com 22.12.2018
1.
Wer schenkt, weil er sich dann selbst besser fühlt, ist nicht seeliger, sondern betreibt Selbstbefriedigung. Aber ich halte nicht viel von der These, daß es wahren Altruismus nicht gibt. Die Menschen sind verschieden.
ayee 22.12.2018
2. Die Schenkerei ist Mist
Doof nur, wenn man selbst gar nichts geschenkt haben will und sich selbst auch keine Gedanken über Geschenke machen will. Und man dann doch was geschenkt kriegt und sich freuen muss und dann auch mehr oder weniger genötigt etwas schenkt, was einem auch nichts bedeutet. Was für ein herrlich sinnfreier (Konsum)Stress. Ich meine ok, als Kind freut man sich noch unendlich über Geschenke. Aber die Kindheit lässt man doch irgendwann hinter sich, oder?
remedias.cortes 22.12.2018
3.
Zitat von ayeeDoof nur, wenn man selbst gar nichts geschenkt haben will und sich selbst auch keine Gedanken über Geschenke machen will. Und man dann doch was geschenkt kriegt und sich freuen muss und dann auch mehr oder weniger genötigt etwas schenkt, was einem auch nichts bedeutet. Was für ein herrlich sinnfreier (Konsum)Stress. Ich meine ok, als Kind freut man sich noch unendlich über Geschenke. Aber die Kindheit lässt man doch irgendwann hinter sich, oder?
ich freue mich immer noch über Geschenke und bin kein Kind mehr. Ich gehöre allerdings auch nicht zu den Menschen, die "alles haben", In Ihrem Fall würde ich Ihnen den Tipp geben, sich eine Organisation Ihres Herzens auszusuchen und alle um Spenden zu bitten, das kann von den "Grünen Damen" bis zum nächsten Tierheim ja alles sein . Dann haben Sie doppelte Freude: Kein doofes Geschenk, aber die Genugtuung der guten Tat.
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