Psychologie Glück soll ansteckend wirken

Nicht nur ein Lachen steckt an - sondern auch Glücksgefühle. Das folgern US-Forscher aus einer Studie mit 5000 Menschen. Zufriedenheit kann sich demnach innerhalb sozialer Gruppen und sogar unter Nachbarn fortpflanzen.


Über 6,6 Ecken kennt jeder jeden, ein schon länger bekanntes Phänomen. Über bis zu drei Ecken soll man sogar Menschen glücklich machen können, die man nicht mal kennt, berichten nun der Harvard-Soziologe Nicholas Christakis und James Fowler von der University of California in San Diego im "British Medical Journal" (Online-Vorabveröffentlichung).

Jubelnde Menschen: Verbreitet sich Zufriedenheit in einer Art Kettenreaktion?
Corbis

Jubelnde Menschen: Verbreitet sich Zufriedenheit in einer Art Kettenreaktion?

Die Forscher hatten eine Sammelstudie ausgewertet, in der Gesundheit, Befindlichkeit und soziale Kontakte von mehr als 4.700 Erwachsenen über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht wurden. Die statistische Analyse der Daten ergab, dass das Gefühl, glücklich zu sein, ein hochansteckendes kollektives Phänomen ist, das sich entlang sozialer Kontakte in einer Kettenreaktion ausbreitet.

Demnach steigert ein glücklicher Mensch die Wahrscheinlichkeit, dass sein direkter Nachbar glücklich ist, um 34 Prozent. Bei einem in der Nähe wohnenden Freund sind es 14 Prozent. Jeder dieser Betroffenen gebe die Emotion wiederum tendentiell unter seinen eigenen Bekannten weiter, berichten Christakis und Fowler.

"Wir haben herausgefunden, dass der eigene emotionale Status von den Gefühlen von Menschen abhängen kann, die man nicht einmal kennt", sagt Christakis. Allerdings nahm die Wirkung mit zunehmender räumlicher und zeitlicher Distanz stark ab. "Die aus unserer Sicht wichtigste Erkenntnis ist, dass Menschen in soziale Netze eingebunden sind und die Gesundheit und das Wohlbefinden einer Person sich auf Gesundheit und Wohlbefinden anderer auswirkt", schreiben die Forscher.

Bemerkenswert ist für die beiden Autoren auch der Einfluss des Geschlechts auf die Verbreitung von Glück: Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit auf eigenes Wohlbefinden, wenn ein gleichgeschlechtlicher Freund ebenfalls Glück verspürt. Das Glück von Ehepartnern und Lebensgefährten hatte dagegen einen wesentlich geringeren Einfluss. Und das Glück von Arbeitskollegen war komplett bedeutungslos für das eigene Glücksempfinden - für die Forscher ein Beleg, dass auch der soziale Kontext von Beziehungen eine Rolle für das Glück spielt.

In der Fachwelt stößt die Untersuchung auf geteiltes Echo. Zwei Gesundheitsexperten aus den USA und England sprechen in einem Kommentar von einer "bahnbrechenden Studie", die große Auswirkungen auf die Ausrichtung der Politik haben könne. Nüchterner reagiert dagegen der Gesundheitsforscher Jason Fletcher von der Yale University, der vor "voreiligen Schlüssen in Bezug auf soziale Netzwerke" warnte. In der Studie habe die eigene Befangenheit die beiden Forscher möglicherweise Effekte sehen lassen, die es gar nicht gebe.

hda/AP/ddp



Forum - Ansteckendes Glück?
insgesamt 64 Beiträge
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Maschinchen, 05.12.2008
1.
Zitat von sysopEiner zufrieden - alle zufrieden? Was halten sie von ansteckendem Glück? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,594520,00.html
Probieren wir es doch grad mal aus: Was geht es mir gut heute morgen! :)
Felix HAW 05.12.2008
2.
Interessasnte Studie...macht mir richtig gute Laune !! ;) Ich kann mir durchaus vorstellen dass es sowas wie kollektive Freude, aber auch kollektive Traurigkeit gibt, dass man sich davon anstecken lässt wie jemand mit dem man viel Kontakt hat drauf ist. Das ist wohl wie mit der Müdigkeit: erst gähnt einer, dann noch einer, und irgendwann sind alle müde! ;)
ClausvonWilmersdorf 05.12.2008
3. Ansteckendes Glück?
GETEILTE FREUDE - IST DOPPELTE FREUDE!! Das versuche ich schon lange zu praktizieren.........Glaubt mir nur Niemand.
Ingo K. 05.12.2008
4. Relativ
Der Titel des Artikels ist zunächst etwas missverständlich. Selbstverständlich kann Glück nicht ansteckend sein, da Glück personenbezogen ist. Es sind Umstände und Zufälle, die einer Person im positiven Sinne widerfahren. Das ist leider nicht übertragbar. Aber, - und das wird ja dann auch schnell im Artikel deutlich - dass das durch das Ereignis oder eine bestimmte Lebenssituation ausgelöste Glücksgefühl - ja das Gefühl emotionaler Ausgeglichenheit - auch auf andere Menschen wirkt, scheint zunächst nicht abwegig. Nicht umsonst wird landläufig davon gesprochen, dass gute Laune ansteckend ist. Dass uns ein zufriedender, gut gelaunter und ausgeglichener Mensch mit seiner positiven und lebensbejahenden Einstellung mitreißen kann, das wird sicherlich jeder schon einmal erlebt haben. Doch man wird relativieren müssen. Ob sich Glücksgefühle übertragen, hängt aus meiner Sicht sehr stark von der Struktur einer Persönlichkeit ab und wodurch das Glücksgefühl ausgelöst wurde. Ist der Auslöser des Glücksgefühls nicht erkennbar, spielt die Persönlichkeitsstruktur eine untergeordnete Rolle. Dann bleibt es meist dabei, dass die gute Laune ansteckend wirkt. Deshalb finde ich es auch nicht verwunderlich, dass auch mir ein bis dahin unbekannter Mensch zum Glück verhelfen können soll. Wenn man aber den "Auslöser" für die Zufriedenheit kennt, dann können konkurrierende Gefühle wie Neid und Missgunst entstehen, die sicher nicht das eigene Glücksempfinden fördern. Inwieweit man dafür empfänglich ist und inwieweit damit die postive Grundstimmung durch negative Empfindungen aufgewogen wird, hängt eben von der individuellen Persönlichkeitsstruktur ab. Neidgefühle sollten aber niemandem ganz fremd sein... So ist fraglich, ob der sowieso schon ungeliebte Nachbar, der glücklicher Lottogewinner ist und dadurch eine zufriedene Grundeinstellung gefunden hat, tatsächlich seine Glücksgefühle übertragen kann. So könnten Neid- und Konkurrenzgefühle auch ein Grund sein, warum die beschribene Wirkung bei Arbeitskollegen kaum nachweisbar war. Ich weiß nicht, ob dies untersucht wurde, erscheint mir aber nicht abwegig. Demgegenüber ist mir dann die ebenfalls geringere Übertragbarkeitswirkung unter Ehepartnern schleierhaft. Neid wird es da ja wohl nicht sein, es sei denn, die Zufriedenheit des Partners beruht auf einer erfüllenden Affäre ;) Wie dem auch sei, im Grunansatz kann ich die Studie nachvollziehen... sie belegt, was eigentlich jeder wusste ; sie geht aber wahrscheinlch zu wenig auf den Ursachenzusammenhang zwischen Glücksgefühlauslöser und Übertragbarkeitspotenzial ein...
chaoscatcher 05.12.2008
5.
Zitat von Ingo K.Der Titel des Artikels ist zunächst etwas missverständlich. Selbstverständlich kann Glück nicht ansteckend sein, da Glück personenbezogen ist. Es sind Umstände und Zufälle, die einer Person im positiven Sinne widerfahren. Das ist leider nicht übertragbar. Aber, - und das wird ja dann auch schnell im Artikel deutlich - dass das durch das Ereignis oder eine bestimmte Lebenssituation ausgelöste Glücksgefühl - ja das Gefühl emotionaler Ausgeglichenheit - auch auf andere Menschen wirkt, scheint zunächst nicht abwegig. Nicht umsonst wird landläufig davon gesprochen, dass gute Laune ansteckend ist. Dass uns ein zufriedender, gut gelaunter und ausgeglichener Mensch mit seiner positiven und lebensbejahenden Einstellung mitreißen kann, das wird sicherlich jeder schon einmal erlebt haben. Doch man wird relativieren müssen. Ob sich Glücksgefühle übertragen, hängt aus meiner Sicht sehr stark von der Struktur einer Persönlichkeit ab und wodurch das Glücksgefühl ausgelöst wurde. Ist der Auslöser des Glücksgefühls nicht erkennbar, spielt die Persönlichkeitsstruktur eine untergeordnete Rolle. Dann bleibt es meist dabei, dass die gute Laune ansteckend wirkt. Deshalb finde ich es auch nicht verwunderlich, dass auch mir ein bis dahin unbekannter Mensch zum Glück verhelfen können soll. Wenn man aber den "Auslöser" für die Zufriedenheit kennt, dann können konkurrierende Gefühle wie Neid und Missgunst entstehen, die sicher nicht das eigene Glücksempfinden fördern. Inwieweit man dafür empfänglich ist und inwieweit damit die postive Grundstimmung durch negative Empfindungen aufgewogen wird, hängt eben von der individuellen Persönlichkeitsstruktur ab. Neidgefühle sollten aber niemandem ganz fremd sein... So ist fraglich, ob der sowieso schon ungeliebte Nachbar, der glücklicher Lottogewinner ist und dadurch eine zufriedene Grundeinstellung gefunden hat, tatsächlich seine Glücksgefühle übertragen kann. So könnten Neid- und Konkurrenzgefühle auch ein Grund sein, warum die beschribene Wirkung bei Arbeitskollegen kaum nachweisbar war. Ich weiß nicht, ob dies untersucht wurde, erscheint mir aber nicht abwegig. Demgegenüber ist mir dann die ebenfalls geringere Übertragbarkeitswirkung unter Ehepartnern schleierhaft. Neid wird es da ja wohl nicht sein, es sei denn, die Zufriedenheit des Partners beruht auf einer erfüllenden Affäre ;) Wie dem auch sei, im Grunansatz kann ich die Studie nachvollziehen... sie belegt, was eigentlich jeder wusste ; sie geht aber wahrscheinlch zu wenig auf den Ursachenzusammenhang zwischen Glücksgefühlauslöser und Übertragbarkeitspotenzial ein...
[QUOTE=Ingo K.;3062052]Der Titel des Artikels ist zunächst etwas missverständlich. Selbstverständlich kann Glück nicht ansteckend sein, da Glück personenbezogen ist. Es sind Umstände und Zufälle, die einer Person im positiven Sinne widerfahren. Das ist leider nicht übertragbar. Ach ja? Woher nehmen Sie denn diese Erkenntnis? Ich für meinen Teil habe die Erfahrung gemacht, dass es durchaus möglich ist, sich von Emotionen anderer anstecken zu lassen, bzw. auch fremde Emotionen zu empfinden. Hierzu bedarf es allerdings ein besonderes Maß an Einfühlungsvermögen, das man trainieren kann. Die meisten östlichen Philosophien gehen ohnehin davon aus, dass die Trennung zwischen den Individuen nur eine Illusion ist und wir in Wirklichkeit alle Eins sind. Zufälle gibt es im Übrigen nicht. Das was wir Zufall nennen, ist das wo unsere Berechnungen versagen.
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