Psychologie: Kinder sind nur unter Beobachtung großzügig

Schon kleine Kinder verhalten sich sozial - selbst wenn sie nicht wissen, was das eigentlich ist. Ein Experiment zeigt aber auch: Wenn sich der Nachwuchs unbeobachtet fühlt, ist es mit dem Nettsein schnell vorbei.

Kindergartenkinder (in Dortmund, Juli 2011): Ähnlich großzügig wie Erwachsene Zur Großansicht
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Kindergartenkinder (in Dortmund, Juli 2011): Ähnlich großzügig wie Erwachsene

San Francisco - Fünfjährige sind nur großzügig, wenn sie beobachtet werden. Das haben US-Wissenschaftler in Experimenten herausgefunden, in denen sie Kindern kleine Geschenke gaben und dann ihr Verhalten beobachteten. Die Untersuchung zeige, dass schon kleine Kinder sich nach einer gewissen Strategie sozial verhalten - und zwar lange, bevor sie sich darüber bewusst werden, wie wichtig zum Beispiel ein "guter Ruf" im Zusammenleben ist, schreiben die Forscher im Journal "PloS One".

Kristin Leimgruber und ihre Mitarbeiter von der Yale University in New Haven (US-Staat Connecticut) teilten in ihrer Untersuchung insgesamt 64 Fünfjährige - darunter Mädchen und Jungen - in Zweierpaare ein. Die Kinder kannten sich aus der Vorschule. Die Forscher erklärten ihnen, dass sie bei einem Spiel mitmachen, bei dem sie Aufkleber sammeln können, die sie am Ende gegen einen Preis eintauschen können.

Ein Fünfjähriger hatte nun jeweils die Gelegenheit, kleine Aufkleber zwischen sich und seinem Teampartner aufzuteilen. In einem Versuch bekam er selbst zum Beispiel vier Sticker und konnte dann entscheiden, wie viele Aufkleber er seinem Gegenüber abgibt. Die Sticker lagen in einer Box und wurden durch das Ziehen eines Hebels verteilt.

Als Wettbewerb missverstanden?

Die Kinder verhielten sich durchweg immer dann großzügig, wenn der Spendenempfänger sie beim Verteilen sehen konnte. Verhinderten die Wissenschaftler den Sichtkontakt, gaben sie dem Anderen weniger Sticker. Das Gleiche passierte, wenn die Forscher die Sticker in einer undurchsichtigen Box ablegten, deren Inhalt nur der Verteiler kannte: Auch dann waren die Kinder weniger großzügig.

Die Wissenschaftler weisen daraufhin, dass die Kinder eventuell noch ungroßzügiger gehandelt haben, weil sie ihnen das Experiment als "Spiel" vorgestellt hatten. Möglicherweise haben die Kinder es dadurch als Wettbewerb missverstanden, heißt es in dem Journal.

Den genauen Grund für das gezeigte strategische soziale Verhalten kennen die Forscher noch nicht. Die Kinder verhielten sich jedoch ziemlich genau wie die Großen: Auch Erwachsene sind Studien zufolge vor allem dann großzügig, wenn ihre Umwelt davon etwas mitbekommt und wenn ihr Ansehen dadurch steigt.

chs/dpa

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