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Psychologie: Lebensretter handeln unüberlegt statt selbstlos

Nach dem Unfall: Wer spontan sein eigenes Leben riskiert, um jemand anderen zu retten, handelt meist unüberlegt Zur Großansicht
DPA

Nach dem Unfall: Wer spontan sein eigenes Leben riskiert, um jemand anderen zu retten, handelt meist unüberlegt

Warum riskieren Menschen ihr Leben für einen Fremden? Mit Mut hat das offenbar wenig zu tun, zeigt ein Experiment. Demnach handeln Helden in der Regel vor allem unüberlegt.

Als Kermit Kubitz sah, wie ein Mann ein Mädchen in einer Bäckerei angriff, zögerte er nicht, griff ein und hatte das Messer später selbst in den Rippen. Andere Menschen hätten die Notsituation schlicht ignoriert. David Rand von der Yale University in New Haven und Ziv Epstein vom Pomona College in Claremont wollten genauer wissen, was die Alltagshelden von den Wegsehern unterscheidet. Was bringt Menschen dazu, ihr Leben für einen Fremden aufs Spiel zu setzen? Sind sie tatsächlich mutiger?

Da sich eine realistische Notsituation im Labor nicht ohne Weiteres nachstellen lässt, griffen die Forscher in die Trickkiste: Sie nahmen Beschreibungen aus einer älteren Studie, in der Personen über eine Situation in ihrem Leben berichtet hatten, in der ihnen entweder eine spontane oder eine durchdachte Entscheidung weitergeholfen hatte. Diese 50 Aussagen stellten sie 50 Zitaten von Lebensrettern gegenüber, in denen diese ihre Entscheidungsfindung beschrieben hatten. Dabei achteten sie darauf, dass man nicht erkennen konnte, aus welcher Gruppe eine Aussage stammte.

Erst handeln, dann denken

Nun sollten gut 2300 Personen jeweils 16 Aussagen lesen und auf einer Skala von eins bis sieben bewerten, wie intuitiv beziehungsweise begründet jeweils gehandelt worden war. Das Ergebnis: Die Testpersonen stuften das Verhalten der echten Helden mit großer Sicherheit als intuitiv und schnell ein. Auch bei der Einschätzung der Kontrollaussagen lagen die Testpersonen richtig - auf ihr Urteilsvermögen war also Verlass.

Zudem bestätigte eine Analyse mit einem Computerprogramm, das Texte auswerten und auf Hinweise für intuitives oder rationales Verhalten prüfen kann, die Probandeneinschätzung. Es stellte sich außerdem heraus, dass die Lebensretter selbst in Situationen aus dem Bauch heraus gehandelt hatten, in denen eigentlich genug Zeit gewesen wäre abzuwägen.

"Unsere Analyse zeigt, dass extreme Altruisten erst handeln und später denken", sagt Rand. Die möglichen Folgen der Tat sind den Rettern im ersten Moment offenbar nicht bewusst. Sie wägen nicht ab, denken nicht darüber nach, was passieren könnte. "Ich hatte nur zwei Gedanken", schreibt Kubitz im Bericht seiner Rettungsaktion. "'Ich muss den Angreifer aus der Tür bekommen' und erst dann 'oh mein Gott, er könnte mich auch umbringen'." Im Moment der Entscheidung schaltete sein Gehirn auf Autopilot.

Wie ängstlich oder mutig jemand ist, hat demnach kaum Einfluss darauf, wie er im Ernstfall reagiert. Für entscheidend hält Rand stattdessen die Erfahrungen, die wir vorher im Leben gemacht haben. Auf diese nämlich greift das Gehirn zurück, wenn wir schnell aus dem Bauch heraus entscheiden müssen. Wer also in seinem Leben häufig die Erfahrung gesammelt hat, dass es sich lohnt, jemandem zu helfen, hat in einer für einen anderen bedrohlichen Situation eher den Impuls einzugreifen.

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insgesamt 34 Beiträge
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    Seite 1    
1. Reihenfolge...
fatherted98 18.10.2014
....Unfallstelle absichern, Hilfe rufen...sich um die Verletzten kuemmern....so ist die Reihenfolge...das natuerlich dann von hinten eilige LKWs oder Raser trotz Warndreieick und Warnblinker ohne Ruecksicht in die Unfallstelle rasen....tja...da hilft auch ueberlegen nicht viel.
2. Wieder so ein reisserischer Titel...
flexier 18.10.2014
...der nicht im geringsten mit dem Text des Artikels übereinstimmt. "Unüberlegt" als Synonym für "Intuitiv" zu verwenden zeigt entweder mangelnde Sprachkenntnis oder zeugt von absichtlicher Leser-Verarschung. Oder wurde der Text mal wieder von irgendwo aus dem Englischen übersetzt und wie üblich Fehlerhaft. Egal wie, der Titel ist peinlich!
3.
zauselfritz 18.10.2014
Vom Titel her könnte sich der oder die überlegt Feige eine prima Ausrede fürs nichts tun versprechen. Der Artikel gibt das aber nicht her - wer zimmert diese headlines eigentlich immer zusammen?
4. Entschuldigung: Blödsinn!
Tristan@yours 18.10.2014
Jedermann, der schon öfters in solchen Situationen geholfen hat, weiß das es fast nie einen Lohn für solche Taten gibt, meist aber Ärger. Die höchste Form von Tapferkeit ist es, sich für jene einzusetzen, die man nicht kennt und die sich selbst nicht schützen können. Dies mit Dummheit gleichzusetzen und lieber vorher eine Kosten-Nutzen-Abwägung einzufordern, ist eine Aufforderung zur Feigheit und entkernt jene Reflexe, aus denen sich unsere Demokratie formt. Tapferkeit ist keine Heldentat. Tapferkeit ist das sichtbare Zeichen einer Überzeugung, eines Handelns für den Nächsten. Und des Willens, entgegen der Schafherde da draußen auszudrücken: Es reicht nicht, was ihr macht.
5.
derbadener 18.10.2014
Ich würde unüberlegt schon lassen. Ich finde es super wenn Menschen anderen in Not geratenen helfen. Halte es aber immer wie im Flugzeug hilf dir erst selber bevor du anderen hilfst , Beispiel Sauerstoff Maske anlegen. Es bringt nichts, sich und andere in Gefahr zu bringen indem man unüberlegt handelt.
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