Psychologie: Schöne Menschen werden treffender beurteilt

Attraktive Menschen sind nicht nur bei der Partnersuche im Vorteil. Auch ihr Charakter wird positiver eingeschätzt als er ist - und zugleich präziser, wie Psychologen im Experiment herausgefunden haben. Ihre Erklärung für den scheinbaren Widerspruch ist verblüffend simpel.

Schönheitsköniginnen (Miss-Universe-Wettbewerb 2007): Tendenziell treffender beurteilt Zur Großansicht
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Schönheitsköniginnen (Miss-Universe-Wettbewerb 2007): Tendenziell treffender beurteilt

Schon lange treibt Psychologen die Frage um, wer eine Person am besten einschätzen kann und warum. Bislang suchten Forscher die Antwort in der Regel bei der beurteilenden Person. Kanadische Wissenschaftler haben die Fragestellung einfach umgedreht: Welche Eigenschaften bringt ein Mensch mit, der von anderen besonders treffend beurteilt wird?

Um zu überprüfen, ob der Schlüsselfaktor bei der beurteilten Person liegt, ließen die Forscher um Jeremy Biesanz von der University of British Columbia in Vancouver 73 Freiwillige zum Test antreten. Sie teilten die Probanden in Gruppen mit je fünf bis elf Mitgliedern ein, die sich vorher nicht kannten. Innerhalb der Gruppen sprach dann jeder Teilnehmer je drei Minuten mit jedem anderen - also eine Situation vergleichbar mit einer Party, bei der jeder mit jedem ein wenig Small Talk pflegt.

Nach jeder Unterhaltung beurteilten die beiden Gesprächsteilnehmer jeweils die Attraktivität des Gegenübers. Zudem gaben sie mit Hilfe einer Skala eine Einschätzung darüber ab, für wie offen, gewissenhaft, extrovertiert, liebenswürdig, neurotisch und intelligent sie ihren Gesprächspartner hielten.

Die Einschätzungen der anderen Gruppenmitglieder verglichen die Forscher dann mit den Selbsteinschätzungen der Probanden - und kamen dabei zu einem eindeutigen Ergebnis: Eine Person wurde immer dann besonders treffend charakterisiert - verglichen mit ihrer Selbsteinschätzung -, wenn ihr Gegenüber sie als sehr hübsch empfand. Hielt ein Gruppenmitglied ein anderes für nur durchschnittlich anziehend oder gar unattraktiv, lag es mit der Einschätzung hingegen oft daneben, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Psychological Science".

Scheinbarer Widerspruch: Wahrnehmung positiver und zugleich genauer

Gleichzeitig bestätigte sich ein Ergebnis früherer Studien: Bei attraktiven Teilnehmern wurden positive Charaktereigenschaften verstärkt wahrgenommen. Positiver und dennoch genauer? Nur scheinbar ein Widerspruch, wie die Forscher erklären.

Man nehme als Beispiel eine überaus attraktive Frau namens Jane, die deutlich organisierter sei als die meisten anderen Menschen, aber auch weniger großzügig als der Durchschnitt: Sie werde aufgrund ihres angenehmen Äußeren zwar insgesamt als organisierter und großzügiger eingestuft als sie tatsächlich ist. "Doch unsere Studie zeigt, dass die Menschen trotz dieser Tendenz die Relationen bei den Charakterzügen korrekt einschätzen: Sie sehen, dass Jane deutlich organisierter als großzügig ist", erklärt Biesanz. "Und diese Relationen erkennen sie bei ihr besser als bei Menschen, die sie weniger attraktiv finden."

Der Grund für die genauere Einschätzung attraktiver Menschen liegt nach Ansicht der Wissenschaftler auf der Hand: Man widme ihnen schlicht mehr Aufmerksamkeit, sei es aus Neugier, Begehren oder dem Wunsch nach Freundschaft oder einer Beziehung. "Es ist nicht nur so, dass wir Bücher nach ihrem Einband beurteilen", sagt Biesanz. "Wir lesen diejenigen mit einem schönen Einband auch eingehender als die anderen."

mbe/dapd

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insgesamt 36 Beiträge
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1.
saul7 27.12.2010
Zitat von sysopAttraktive Menschen sind nicht nur bei der Partnersuche im Vorteil. Auch ihr Charakter wird positiver eingeschätzt, als er ist - und zugleich präziser, wie Psychologen im Experiment herausgefunden haben. Ihre Erklärung für den scheinbaren Widerspruch ist verblüffend simpel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,736719,00.html
Wieder eine dieser pseudointeressanten Studien, die im Grunde nur das belegen, was alle schon immer gewusst haben...
2. Psychologen und Statistik
Strai 27.12.2010
Zitat von sysopAttraktive Menschen sind nicht nur bei der Partnersuche im Vorteil. Auch ihr Charakter wird positiver eingeschätzt, als er ist - und zugleich präziser, wie Psychologen im Experiment herausgefunden haben.
Das generelle Problem ist, dass Soziologen und Psychologen keine Ahnung von Statistik haben und deshalb jede Menge Blödsin herausfinden. Der Schlüssel liegt in diesem Fall hier: ---Zitat--- Die Einschätzungen der anderen Gruppenmitglieder verglichen die Forscher dann mit den Selbsteinschätzungen der Probanden. ---Zitatende--- Die Probanden werden sich selbst überwiegend positiv eingeschätzt haben. Und die anderen Gruppenmitglieder werden hauptsächlich diejenigen positiv einschätzen, die sie hübsch finden. Daraus ergibt sich eine Scheinkorrelation, die die "Wissenschaftler" zur Bestätigung ihrer These benutzen. Fazit: Eine an den Haaren herbeigezogenes Ergebnis von Pseudo-Wissenschaftlern.
3.
README.TXT 27.12.2010
Zitat von StraiDas generelle Problem ist, dass Soziologen und Psychologen keine Ahnung von Statistik haben und deshalb jede Menge Blödsin herausfinden.
Ebenso Mediziner, Ernährungsexperten,... Der Running Gag bei denen: Ne handvoll Leute untersucht und das wird einem als Studie untergejubelt und der Rest der Methodik war auch falsch. Was lernen die eigentlich in ihrer Ausbildung? Eben und diesen simplen Fakt scheint die Psychoheinis schon zu überfordern, dass sie ihn übersehen. Steht sicher bald in der "Psycho-BILD": Psychologie heute
4. Präziser?
rwspon 27.12.2010
Zitat von sysopAttraktive Menschen sind nicht nur bei der Partnersuche im Vorteil. Auch ihr Charakter wird positiver eingeschätzt, als er ist - und zugleich präziser, wie Psychologen im Experiment herausgefunden haben. Ihre Erklärung für den scheinbaren Widerspruch ist verblüffend simpel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,736719,00.html
Ich wundere mich über die Verwendung des Wortes "präziser". Was ist bitte in diesem Fall präziser, wenn die grundsätzliche Einschätzung falsch, da zu positiv ist? Nehmen wir einmal willkürlich an, bei schönen Menschen sei der Schätzwert für die Großzügigkeit 6, der reale Wert liege bei 3. Der Schätzwert für die Organisiertheit liege bei 10, der reale Wert bei 5. Nun ist zwar richtig eingeschätzt worden, dass der schöne Mensch deutlich mehr organisiert als großzügig ist, jedoch mit falschen überhöhten Werten, was ist denn daran "präzise"?
5. Sie kennen aber schon den Unterschied zwischen...
lennylnl 27.12.2010
Zitat von StraiDas generelle Problem ist, dass Soziologen und Psychologen keine Ahnung von Statistik haben [...] Daraus ergibt sich eine Scheinkorrelation, die die "Wissenschaftler" zur Bestätigung ihrer These benutzen. Fazit: Eine an den Haaren herbeigezogenes Ergebnis von Pseudo-Wissenschaftlern.
Sie kennen aber schon den Unterschied zwischen einem Experiment und einer Korrelationsstudie?! Ich kenn die Studie nicht, aber sofern sie auf einem soliden experimentellen Design beruht, wovon auszugehen ist, ist es eben im Unterschied zu einer Korrelationsstudie möglich Aussagen über Kausalzusammenhänge zu treffen. Kein großer Hokuspokus, sondern meist eine 0815-Varianzanalyse. Entscheidender ist hier aber das Design der Studie, der beste Statistiker wird da nicht viel ausrichten, wenn die Studie schlecht geplant war.
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