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Psychologie: Tagträume machen unglücklich

Meditation, Yoga, Tai Chi: Wer sich auf den Augenblick konzentriert, lebt glücklicher. Jetzt haben Forscher fernöstliche Philosophien wissenschaftlich bestätigt. Geistige Abwesenheit drückt auf die Stimmung, ist das Fazit ihrer Studie. Für diese haben die Forscher sogar eigens eine iPhone-App entwickelt.

Mit den Gedanken woanders: Wer abschweift, ist meist weniger glücklich. Zur Großansicht
TKK / Michael Zapf

Mit den Gedanken woanders: Wer abschweift, ist meist weniger glücklich.

Meditations-Anhänger können jetzt sagen, sie hätten es schon immer gewusst: Verschiedene Weltanschauungen vertreten die Ansicht, dass Glück darin liegt, bewusst den Augenblick zu leben. Dass es den meisten Menschen nur teilweise gelingt, zeigt eine neue Untersuchung Matthew Killingsworth und Daniel Gilbert Harvard University im US-amerikanischen Cambridge. Sie wollten in ihrer Studie klären, ob es stimmt, dass Menschen unglücklicher sind, wenn sich ihre Gedanken um etwas anderes drehen als das, womit sie sich gerade aktiv beschäftigen.

Für ihre Studie entwickelten die Forscher eigens eine iPhone-App namens "Track your Happiness". Zu zufälligen Zeitpunkten wurden die Teilnehmer aufgefordert, einige Fragen zu beantworten, darunter folgende: "Wie fühlen Sie sich im Moment?", "Was machen Sie gerade?" sowie "Denken Sie über etwas anderes nach als das, was Sie gerade machen?". Hatten sie die letzte Frage bejaht, sollten sie noch eingrenzen, ob sie an etwas Positives, Negatives oder Neutrales dachten.

Für ihre Untersuchung, die sie im Fachmagazin "Science" veröffentlichten, analysierten die beiden Wissenschafter die Antworten von 2250 Erwachsenen. Ergebnis: In knapp 47 Prozent aller Fälle waren die Befragten mit den Gedanken nicht bei der Tätigkeit, die sie gerade ausübten. Dabei war es relativ egal, ob sie gerade bei der Arbeit waren, einkauften, entspannten, aßen, Sport trieben oder sich anderweitig beschäftigten. Die einzige Ausnahme: Beim Sex war die Mehrheit voll bei der Sache.

Evolutionäre Errungenschaft, die ihren Preis hat

Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass Menschen - unabhängig von ihrer Aktivität - weniger glücklich waren, wenn sie ihre Gedanken treiben ließen. Dies traf sogar zu, wenn sie an etwas Positives dachten. Eine weitere Analyse legte nahe, dass tatsächlich das Abschweifen der Gedanken zur schlechteren Stimmung führte - und nicht anders herum jemand sich gedanklich mit anderen Dingen beschäftigte, weil er unzufrieden war.

Was jemand gerade tat, beeinflusste das Glücksempfinden weniger als die Frage, ob er mit den Gedanken in der Gegenwart blieb. Die Forscher schreiben selbst, dass die Fähigkeit, sich gedanklich mit Vergangenheit, Zukunft und möglicherweise niemals eintretenden Ereignissen zu beschäftigen eine große evolutionäre Errungenschaft sei, die es Menschen erlaube, zu lernen, planen und überlegen. Aber dies habe einen emotionalen Preis: Der umherstreifende Geist sei ein unglücklicher, folgern sie. Wer dem entgegenwirken will, kann sich eventuell mit Meditation behelfen.

wbr

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