Psychologie Warum Männer anders eifersüchtig sind als Frauen

Eifersucht befällt Männer und Frauen, doch die Unterschiede sind groß: Frauen finden emotionales Fremdgehen als schlimmer, Männer den Sex. Lange vermuteten Forscher evolutionäre Ursachen dafür. Ein Irrtum, wie eine neue Studie nahelegt.

Tiger Woods und Ehefrau Elin Nordegren: Ihre Eifersucht ist nicht grenzenlos
REUTERS

Tiger Woods und Ehefrau Elin Nordegren: Ihre Eifersucht ist nicht grenzenlos


Womöglich kommt der Casanova Tiger Woods mit einem blauen Auge davon: Anscheinend verzeiht seine Ehefrau Elin Nordegren ihm seine zahlreichen Liebschaften. "Elin will ein funktionierendes Familienleben", sagte eine Bekannte des Paares dem "People Magazine".

Tatsächlich liefert die Psychologie eine ähnliche Erklärung für das Verhalten von Woods' Ehefrau: Forscher sind davon überzeugt, dass die meisten Frauen stärker verletzt sind und mehr Angst davor haben, wenn Männer sie emotional betrügen und drohen, sie zu verlassen. Den eigentlichen Akt des Seitensprungs nehmen sie hingegen wesentlich gelassener hin.

Forscher haben bereits mehrfach die unterschiedlichen Formen von Eifersucht untersucht. Sie konnten unter anderem nachweisen, dass Frauen auf Anzeichen emotionaler Untreue viel empfindlicher reagieren als auf Indizien für sexuelles Fremdgehen. Das Verhalten führten die Wissenschaftler früher auf die Rollenbilder der menschlichen Frühgeschichte zurück. Demnach sei es für den Mann evolutionär von großer Bedeutung gewesen, dass seine Frau ihm sexuell treu bleibt - denn nur so habe er sicher sein können, dass das Kind, für das er sorgt, wirklich von ihm ist. Frauen wiederum haben nach diesem Erklärungsmuster vor allem Interesse an der emotionalen Treue des Partners, damit er als Versorger erhalten bleibt. Was er sexuell treibt, konnte seiner Herzensdame dagegen egal sein.

Es kommt auf das Ego an

Jetzt aber kommen Forscher von der Pennsylvania State University zu einer etwas anderen Erklärung. An den grundlegenden Unterschieden zwischen männlicher und weiblicher Eifersucht zweifeln sie nicht - wohl aber daran, dass sie evolutionäre Gründe haben. Wie Kenneth Levy und Kristen Kelly im Fachmagazin "Psychological Science"schreiben, gebe es auch viele Männer, die eine emotionale Untreue als schmerzlicher empfinden als einen sexuellen Ausreißer der Frau. Die Frage ist also, warum?

Die Forscher vermuten, dass Vertrauen und die emotionale Bindung zwischen Paaren eine weitaus größere Rolle spielen als evolutionäre Faktoren. Um ihre These zu belegen, haben sie mit 411 Teilnehmern eine Reihe von Befragungen und Tests durchgeführt.

Demnach fühlen sich manche Menschen, ganz gleich ob Mann oder Frau, in einer engen Beziehung wohler und sicherer. Andere wiederum verzichten lieber auf zu große Nähe. Die Psychologen fanden heraus, dass diejenigen, die ihre Eigenständigkeit über die Bindung stellen, sich viel mehr über einen sexuellen als einen emotionalen Seitensprung ihres Partners ärgerten. Umgekehrt seien die Probanden mit starker emotionaler Bindung an ihren Partner schockierter gewesen, wenn dieser sich emotional entfernte.

Die Psychologen halten diese Ergebnisse für einen deutlichen Hinweis, dass der Entstehung von Eifersucht vor allem kulturelle und soziale Mechanismen zugrunde liegen und die Evolution eine weitaus geringere Rolle spielt als bisher angenommen.

cib

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Lokin, 27.01.2010
1. Titel
Ich zitiere: "dass der Entstehung von Eifersucht vor allem kulturelle und soziale Mechanismen zugrunde liegen und die Evolution eine weitaus geringere Rolle spielt als bisher angenommen." So ein Unsinn. Das hieße doch, dass die Evolution mit der Entstehung kultureller und sozialer Mechanismen nichts zu tun hat. Besser wäre hier die Frage zu stellen, welche evolutionäre Vorteile die Unterschiede im Paarbindungsverhalten gehabt haben oder auch haben.
ErekoseSK 27.01.2010
2. Wenn ich
eine enge emotionale Bindung zu meinem Beziehungspartner pflege, dann stört es mich nach meiner Logik mindestens genauso sehr, wenn sie mir sexuell fremd geht. Ich meine ich bin ihr ja sehr nahe und vertraue ihr auf 100 %. Da ist es doch egal ob sie sexuell oder seelisch fremd geht. Ich denke beides tut genauso weh.
yast2000 27.01.2010
3. Praktikanten-Arbiet?
Sorry, aber im verlinkten Artikel steht, dass die Art der Seitensprünge und ihre Stimmungsauswirkungen in Korrelation zu der Art der Beziehung (emotional eng, emotional nicht so eng) untersucht wurden. Es ist eben nicht verwunderlich, dass emotional sich nahestehende Paare heftiger auf emotionale Zurückweisung reagieren als Leute, die emotional weiter entfernt eine Beziehung führen (also mehr sexbasiert) und daher auch heftiger auf sexuelle Seitensprünge reagieren. Das Ganze ist eine Tautologie und hat weder etwas mit Wissenschaft, noch hat der Artikel mit seinem halbverstandenen Evolutionsgeschwurbel etwas mit Journalismus zu tun. Sorry. War ein netter Versuch... War das ein Intelligenztest a la "Welches Gefühl gehört nicht dazu?"
Witwe Bolte 27.01.2010
4. Ach nee,
wenn das man nicht pure Junk-Wissenschaft ist, Nachtigall, ick hör dir trapsen. 1. Was ist das Interesse der Psychologen? Weg von der evolutionären Festverdrahtung hin zum soziologisch-psychologisch Verhandelbaren, ihrer Domäne. 2. Wo sind hier genau die Prämissen definiert? Also, was sucht der Mann primär, was die Frau? Wie haben sich Männer auf dieses Spiel eingelassen, wie Frauen? Was männlich ist, was weiblich, was dafür zu tun ist, was dafür auch so alles an Fakes veranstaltet wird, das hat vermutlich ganz tiefe Wurzeln und nährt daher schon länger so manchen Wirtschaftszweig. 3. Wenn Männer und Frauen stillschweigend als diskrete Entitäten untergejubelt werden, dann ist es da schon mit der Wissenschaftlichkeit vorbei. Da ist ein volles Kontinuum unterwegs. Von Männern mit XXY-Chromosomen bis hin zu Frauen mit einem eingerührten Y-ähnlichem Fragment zur Standart XX-Ausstattung, die Kombinationsmöglichkeiten noch multipel steigerbar. 4. Wenn man die längst erkannte Verweiblichung des Mannes hinzunimmt, via Zivilisation, via Plastikzeugs mit hormoneller Wirkung, pipapo, ja potzblitz, dann geht es in der Tat sehr bald durcheinander. Und erst recht mit der vermeintlichen Wissenschaftlichkeit. Oder so rum: auf so eine vermeintlich wissenschaftliche Fragestellung kann man natürlich auch gleich vom bereits festgelegten Ergebnis her kommen, dann nämlich wenn die aufstrebenden Damen und Herren Jungwissenschaftler Kinder der Zeit sind und eine Medien-Chimäre wie den metrosexuellen Mann als reale Entität gegeben sehen. Ein bisschen sortierte Denkdisziplin schadet selten, allerorten.
meatthezoo 27.01.2010
5. ich kann es langsam nicht mehr ertragen =(
Unsinn ist die gesamte evolutionäre Biologie. Unsinn sind auch die ganzen Artikel, wie unser Verhalten angeblich in der Steinzeit geprägt wurde und durch unsere Gene bis heute nachwirken soll. Unsinn ist zu behaupten, dass Frauen schlecht einparken, weil ihre Gehirne anders sind (was sie nicht sind) oder Männer nicht zuhören, weil sie mehr Testosteron haben. Das ist alles populärwissenschatlicher Nimbus, den sich Leute wie Richard Dawkins (der übrigens nie Studien zu seinen Vermutungen gemacht hat..) ausgedacht haben, um mit ihren Büchern Millionen zu verdienen. Theorien, die schon mit einfachster Logik entlarvt werden können. Trotzdem erfreuen sich solche Artikel einer unglaublichen Beliebtheit, weil es ja so schön einfach und einleuchtend scheint, nur mit Wissenschaft hat es nix zu tun. Beispielsweise: "Das Verhalten führten die Wissenschaftler früher auf die Rollenbilder der menschlichen Frühgeschichte zurück" aha, und wer kennt bitte die Rollenbilder der menschlichen Frühgeschichte? Kann man aus Lucys Knochen ablesen, ob sie die Kinder aufgezogen hat, oder ihr Mann, oder ob das in Gemeinschaft des gesammten Stammes geschah? Oder ob sie überhaupt in einem Stamm lebte und Partner hatte monogam, polygam , hetero-, homo- oder gar bisexuell mit ihnen verkehrte? Achja: und welche Wissenschaftler denn? Tatsächlich erfreute sich die Idee der evolutionären Begründung unseres Partnerverhaltens nie wirklicher Beliebtheit in der Wissenschaft, um so mehr fand sie aber in den Zeitungen und der Öffendlichkeit Beachtung. (zu Unrecht) "Demnach sei es für den Mann evolutionär von großer Bedeutung gewesen, dass seine Frau ihm sexuell treu bleibt - denn nur so habe er sicher sein können, dass das Kind, für das er sorgt, wirklich von ihm ist. Frauen wiederum haben nach diesem Erklärungsmuster vor allem Interesse an der emotionalen Treue des Partners, damit er als Versorger erhalten bleib" Toll, liest sich wie die Wertevorstellung konservativer Christen und hat mit denen auch mehr gemeinsam als mit unserer Steinzeit. "Die Psychologen halten diese Ergebnisse für einen deutlichen Hinweis, dass der Entstehung von Eifersucht vor allem kulturelle und soziale Mechanismen zugrunde liegen und die Evolution eine weitaus geringere Rolle spielt als bisher angenommen." Das ist eine Binsenweisheit, denn Menschen werden durch ihre Sozialisierung geprägt und nicht durch ihre Gene. Wenn dem nicht so wäre, müssten ja unsere Rollenverständnisse überall auf der Welt gleich sein. In dem Sinne hoffe ich mal, dass die Spielerredaktion aufhört Populärwissenschaft als "Erkentnisse" wiederzugeben. Letztendlich ist diese Thematik nicht ungefährlich, denn wer behauptet, es geben einen genetisch bedingten Unterschied im Verhalten von Mann und Frau kann auch ganz schnell sagen, dass ein Geschlecht an den Herd gehört oder bestimmte sexuelle Ausrichtungen "genetisch pervers" sind, das nur mal so als Denkanreiz.
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