Psychologie Wut macht stark

Wut ist nicht nur eine Emotion - sie ist ein Machtinstrument. Wütend dreinblickende Menschen werden als besonders stark wahrgenommen, wie Forscher jetzt gezeigt haben.

Wütendes Mädchen: Du sollst mich fürchten!
Corbis

Wütendes Mädchen: Du sollst mich fürchten!


Wenn Sie das nächste Mal richtig wütend sind, werfen Sie doch mal einen Blick in den Spiegel. Der Gesichtsausdruck ist ziemlich komplex. Die Augenbrauen sind nach unten gezogen, die Lippen zusammengepresst, die Augen etwas zusammengekniffen. Insgesamt sieben verschiedene Muskelgruppen des Gesichts sind beteiligt.

"Der wütende Gesichtsausdruck ist universal über alle Kulturen hinweg", sagt Aaron Sell von der Griffith University in Australien. Selbst von Geburt an blinde Menschen würden Wut auf die bekannte Weise ausdrücken, obwohl sie wütende Gesichter selbst gar nicht kennen. Gemeinsam mit Forschern der University of California in Santa Barbara hat Sell nun untersucht, warum gerade die sieben bekannten Muskelgruppen genutzt werden, um Wut auszudrücken.

Die Hypothese der Forscher war, dass Wut im Streit zwischen Menschen genutzt wird, um die eigene Position durchzusetzen. Sie ist quasi ein Machtinstrument, das andere einschüchtern soll. Wenn du nicht machst, was ich will, bekommst du Ärger.

Um zu untersuchen, welche Wirkung wütende Gesichtszüge haben, nutzten die Forscher Fotos von Gesichtern, die sie am Computer leicht veränderten. Mal wurden die Augenbrauen nach unten gezogen, mal die Lippen zusammengepresst. Jede der sieben Muskelgruppen, die ein wütendes Gesicht auszeichnen, aktivierten die Forscher einzeln und baten Probanden um eine Einschätzung. Keines der so künstlich veränderten Gesichter würde man als wütend charakterisieren - erst das Zusammenspiel der Muskelgruppen ergibt die Emotion.

"Wir wussten aus früheren Experimenten, dass Menschen allein anhand des Gesichts außergewöhnlich gut einschätzen können, wie stark ein Gegenüber ist", sagt Sell. Die Experimente ergaben, dass die Probanden die veränderten Gesichter mit Stärke assoziierten. Über die Studie berichten die Forscher im Fachblatt "Evolution and Human Behavior".

"Die evolutionäre Erklärung für menschliche Wut ist erstaunlich einfach", sagt der Wissenschaftler: "Sie ist eine Bedrohungsgeste". Die am Gesichtsausdruck beteiligten Muskelgruppen seien in der Evolution selektiert worden, weil sie die eigene Stärke vergrößerten. Es gehe darum, den anderen einzuschüchtern analog zu einem Frosch, der sich aufblase.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
stasilaus 29.08.2014
1. Nicht stark
Sie werden als besonders unangenehme Zeitgenossen wahrgenommen und man meidet sie. Das hat mit Macht nicht zu tun. Das ist genau das Gegenteil. Macht ist, für seine Wünsche Befolgung zu finden. Wüteriche haben keine Macht. Sie müssen alles gegen Widerstreben erzwingen und zerschleissen sich dabei in ihrer Isolation.
Eros1981 29.08.2014
2. Wut gehört zum Leben dazu
Sicher, ist es nicht gerade gesund, wenn man wegen jedem kleinsten Anlass ausrastet. Aber Wut gehört zum Leben dazu und ich halte es für empfehlenswert ab und zu Mal Dampf abzulassen. Dabei muss man ja nicht gleich seinen Ehepartner oder die Kinder zusammenschreien. Eine Runde um den Block joggen oder eine ausgedehnte Fahrradtour wirken da Wunder. Lasst euch bloß nicht einreden Wut oder Aggressionen wären etwas Schlechtes.
Traudhild 29.08.2014
3.
Zitat von Eros1981Sicher, ist es nicht gerade gesund, wenn man wegen jedem kleinsten Anlass ausrastet. Aber Wut gehört zum Leben dazu und ich halte es für empfehlenswert ab und zu Mal Dampf abzulassen. Dabei muss man ja nicht gleich seinen Ehepartner oder die Kinder zusammenschreien. Eine Runde um den Block joggen oder eine ausgedehnte Fahrradtour wirken da Wunder. Lasst euch bloß nicht einreden Wut oder Aggressionen wären etwas Schlechtes.
Ja, ich hab letzte Woche auch sehr befreiend in gleich bleibender laut starker Tonstärke meinen Semesterferienjob geschmissen. Da fühlte ich mich richtig gut dabei und danach
noalk 29.08.2014
4.
Zitat von stasilausSie werden als besonders unangenehme Zeitgenossen wahrgenommen und man meidet sie. Das hat mit Macht nicht zu tun. Das ist genau das Gegenteil. Macht ist, für seine Wünsche Befolgung zu finden. Wüteriche haben keine Macht. Sie müssen alles gegen Widerstreben erzwingen und zerschleissen sich dabei in ihrer Isolation.
Richtig erkannt. Genau das ist der Sinn der Wut. Sie unterstützt den Selbsterhaltungstrieb. Zugegeben, die Situationen, in der sie von Nutzen ist, sind in unserer heutigen Welt zunehmend rar geworden. Aber innerhalb eines Machtverhältnisses ist sie immer noch geeignet, dem Machthabenden zur Durchsetzung seines Willens zu verhelfen, oder dem vermeintlich Unterlegenen zum Überleben.
analyse 29.08.2014
5. Zu was für Selbstverständlichkeiten alles Studien
angefertigt werden !
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