Psychotrick Katzen machen Menschen mit verstecktem Hilfeschrei gefügig

Katzen sind Meister darin, Menschen gezielt zu manipulieren: Mit einer Art schreiendem Miau-Laut, eingebettet in einen Schnurrton, bringen sie ihre Besitzer dazu, ihnen jeden Wunsch zu erfüllen. Vor allem, um an Futter zu gelangen.


Cambridge - Sie wissen ganz genau, wie sie ans Ziel kommen. Mancher Katzenbesitzer glaubt das schon lange zu wissen - nun haben Wissenschaftler die Psychotricks der Stubentiger genauer untersucht. Und in der Tat nutzen hungrige Tiere eine raffinierte Methode, um Menschen auf ihren Futterwunsch aufmerksam zu machen: Sie streuen in ein lautes Schnurren gezielt Klagelaute ein. Dieser besonderen Kombination können Menschen nur schwer widerstehen, zeigt eine britische Studie.

Kater Max (Archivbild): Der unschuldige Blick täuscht, die Tiere sind Meister der Manipulation
dpa

Kater Max (Archivbild): Der unschuldige Blick täuscht, die Tiere sind Meister der Manipulation

Menschen beurteilten diese Rufe als dringlich und könnten sie nur sehr schwer ignorieren, schreiben Karen McComb und ihre Kollegen von der University of Sussex im Fachblatt "Current Biology" (Bd. 19, Seite R507). Vermutlich lernen Katzen, ihre Laute zu verändern, wenn sie merken, dass sie bei ihren Besitzern zum gewünschten Erfolg führen.

Menschen bringen das Schnurren von Katzen mit Zufriedenheit in Verbindung. Einige Katzen schnurren jedoch auch während des Fressens oder bei der Suche nach Futter. Um den Unterschied zu identifizieren, nahmen McComb und ihre Kollegen die Schnurrgeräusche von zehn Katzen auf - einmal wenn sich diese ausruhten und einmal wenn sie vor dem Futternapf um Futter bettelten.

Wenn Testpersonen die Rufe anschließend beurteilten, empfanden sie das Schnurren im Zusammenhang mit Futter durchweg als unangenehmer und dringender als jenes während des Ausruhens. Die Resultate waren unabhängig davon, ob die Testpersonen selber jemals eine Katze besessen hatten oder nicht.

Der entscheidende Faktor sowohl für die Dringlichkeit als auch für den Grad des angenehmen Gefühls beim Schnurren sei ein ungewöhnlich hochfrequenter Ton gewesen, der im natürlichen, tiefen Schnurren eingebettet gewesen sei, berichtet McComb. Tatsächlich scheint es dieser hohe Ton zu sein, den die Menschen unbewusst als unangenehm empfinden. Denn wenn die Forscher diesen hohen Ton aus den Aufnahmen herausfilterten, beurteilten die Testpersonen auch die Bettelrufe als deutlich weniger dringlich.

Die Frequenz des Tons, der den Bettelruf vom gewöhnlichen Schnurren unterschied, lag im Durchschnitt bei 380 Hertz - und damit im Bereich, in dem auch die Heulschreie von kleinen Kindern liegen. Vermutlich sind die Bettelrufe der Katzen für den Menschen deshalb so schwierig zu ignorieren, auch wenn sie nicht dieselbe Dringlichkeit haben wie das Schreien von hungrigen Kindern.

Doch nicht alle Katzen benutzten diese Art von Schnurren, schreiben die Wissenschaftler. Es scheint sich meistens dann zu entwickeln, wenn Katzen nur eine Bezugsperson haben und nicht in großen Haushalten leben, wo ihr Schnurren weniger beachtet wird. Die Katzen könnten lernen, ihr Schnurren zu verändern, wenn es sich als erfolgreich erweise, schließen die Forscher aus ihren Ergebnissen.

hda/ddp



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