Qumran-Rollen: Bibelhandschriften kommen ins Internet
Die Dokumente aus Qumran sind 2000 Jahre alt, sie zeigen unter anderem die ältesten Handschriften der Bibel. Nun werden die Rollen digitalisiert und ins Internet gestellt. Spezielle Kameras sollen bislang verdeckte Schriftzeichen sichtbar machen.
Tel Aviv - Die israelische Altertümerbehörde hat den Konzern Google damit beauftragt, die antiken Schriftrollen von Qumran zu digitalisieren. Die Dokumente gehören zu den ältesten des Christentums, sie enthalten unter anderem die frühesten bekannten Handschriften der Bibel. Google solle aus den rund 900 Manuskripten Bilddateien erstellen, teilte die Behörde mit. Bald sollen die berühmten Dokumente im Internet zu lesen sein.
Die auch als Schriftrollen vom Toten Meer bekannten Fragmente bestehen aus vielen tausend Teilen aus Leder, Pergament und Blech. Sie wurden Mitte des 20. Jahrhunderts in Höhlen im Westjordanland gefunden. Die Entschlüsselung und Konservierung der Schriftrollen erwies sich als problematisch. Digitale Versionen sollen es nun ermöglichen, die Bruchstücke in unterschiedlichen Kombinationen zusammenzufügen und so zu entschlüsseln.
Um die Qumran-Schriftrollen zu kopieren, wurde eine spezielle Kamera konstruiert um bisher eventuell verdeckte Schriftzeichen sichtbar zu machen. Von den Fragmenten sollen Bilder in verschiedenen Wellenlängen aufgenommen werden, die mehrschichtige Aufnahmen des Pergaments erlauben. Die Kosten des Projekts werden auf mehr als drei Millionen Dollar veranschlagt.
Die Qumran-Schriftrollen gehören zu den wichtigsten archäologischen Funden des 20. Jahrhunderts. Auf ihnen sind unter anderem die bislang ältesten handschriftlichen Bibel-Texte festgehalten.
In stinkenden Leinentüchern
Sie heißen Qumran-Rollen, weil sie - zwischen 1947 und 1956 - in elf Höhlen nahe der gleichnamigen Ruinenstätte gefunden wurden. Die Rollen sind eine Sammlung hebräischer, aramäischer und griechischer Schriften. Die ältesten datieren aus dem 3. Jahrhundert vor Christus und die jüngsten aus dem späten ersten Jahrhundert nach Christus.
Während eines aufwendigen Sondierungsprozesses haben Forscher Teile des Alten Testaments, Kommentare zu biblischen Texten sowie Sektenschriften rekonstruiert. Die bedeutendste Schriftrolle ist wohl die relativ gut erhaltene Jesaja-Rolle. Sie ist 7,34 Meter lang und gibt nahezu lückenlos den Text des Propheten Jesaja wieder. Das Original lag 40 Jahre unter Verschluss, bevor es im Sommer 2008 anlässlich des 60. Jahrestages der Staatsgründung Israels im Israel-Museum von Jerusalem áusgestellt wurde.
Die Qumran-Rollen wurden durch puren Zufall gefunden. Ein junger Beduinenhirte suchte 1947 nach einem entlaufenen Tier. Als er Steine in eine Felsspalte warf, zerschepperte ein Tonkrug. Die Rollen waren in stark riechenden Leintüchern eingewickelt.
boj/dapd/dpa
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