SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

18. Juli 2011, 15:54 Uhr

Radioaktiv belastete Rinder

Fleisch aus Fukushima gelangte in den Handel

In Japans Supermärkten lag deutlich mehr radioaktiv kontaminiertes Fleisch im Regal als bisher angenommen. Mehr als 400 Rinder aus der Präfektur Fukushima sollen in andere Regionen des Landes geliefert worden sein.

Tokio - In Japan nimmt die Angst vor radioaktiv kontaminiertem Rindfleisch nach weiteren Funden zu. Landwirte aus der Präfektur Fukushima, wo sich im März im Kernkraftwerk Fukushima I die schwere Atomkatastrophe ereignet hatte, hätten mehr als 400 Rinder in andere Regionen des Landes geliefert, teilten die örtlichen Behörden am Montag mit. Die Lieferungen erfolgten demnach in der Zeit vom 28. März bis zum 6. Juli.

In Fukushima entdeckten Kontrolleure zudem Stroh, bei dem die Belastung mit radioaktivem Cäsium über dem 520-Fachen des von der japanischen Regierung festgelegten Grenzwerts lag.

Der Skandal war vor einer Woche publik geworden, als bekannt wurde, dass Fleisch von radioaktiv kontaminierten Rindern von einem Hof, der nur 20 Kilometer von dem havarierten AKW entfernt liegt, über das Land verteilt ausgeliefert worden war.

Regierung will Verbot für Rindfleisch aus Fukushima verhängen

Am Sonntag hatten japanische Medien berichtet, 132 Rinder, die Stroh mit hohen Werten radioaktiven Cäsiums gefressen hätten, seien in 36 der insgesamt 47 japanischen Präfekturen gebracht worden. Betroffen sei auch Tokio. Einige Supermärkte in der Hauptstadt warnten mit Schildern vor radioaktivem Rindfleisch. Laut einem Bericht des japanischen Fernsehsenders NHK wurde das belastete Fleisch in 31 Präfekturen verzehrt.

Die japanische Supermarktkette Aeon räumte ein, dass zwischen Ende April und Mitte Juni knapp 320 Kilogramm radioaktives Rindfleisch in den Verkauf gekommen waren und kündigte eine Verschärfung der Überwachung an.

Die japanische Regierung will am Dienstag ein Verbot für Rindfleisch aus der Präfektur Fukushima verhängen, wo das Atomkraftwerk Fukushima durch das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März schwer beschädigt worden war. Japan hat bisher kein zentrales System zur Prüfung von Radioaktivitätswerten in Nahrungsmitteln eingeführt und verlässt sich stattdessen auf Tests örtlicher Behörden.

wbr/AFP/dapd

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung