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Radioaktiver Müll: In Asse lagern auch Bundeswehr-Abfälle

Die Bundeswehr hat in den siebziger Jahren radioaktive Abfälle im Atommülllager Asse entsorgt. Armaturen, Kompasse, radiumhaltige Leuchtziffern und kontaminiertes Papier wurden eingelagert. Das einstige Salzbergwerk gilt inzwischen als einsturzgefährdet.

Salzgitter - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) macht derzeit eine Bestandsaufnahme im Atommülllager Asse. Die Behörde hatte Anfang des Jahres die Verantwortung für die Asse vom Helmholtz-Zentrum in München übernommen. Schon damals hatte das Bundesamt vor "Überraschungen" gewarnt. Mittlerweile ist klar: In dem ehemaligen Bergwerk wurden auch hochgiftige Pflanzenschutzmittel, Arsen, Quecksilber und Tierkadaver entsorgt.

Bei der Überprüfung der Inventarlisten hat das BfS nun auch festgestellt, in welchem Umfang die Bundeswehr in der Asse Müll entsorgt hat. Insgesamt 236 Behälter mit festen und verfestigten Abfällen wurden nach derzeitigen Erkenntnissen eingelagert, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes in Salzgitter.

Typische Bundeswehr-Abfälle seien Armaturen, Kompasse, radiumhaltige Leuchtziffern sowie kontaminiertes Papier und Rohre. Diese wurden in dem einsturzgefährdeten Bergwerk in verschiedenen Kammern eingelagert. Das sei allerdings schon seit langem bekannt.

Damaliger Lieferscheine, die der Nachrichtenagentur ddp vorliegen, verraten auch Details zur Kontamination. Danach enthielten die von der Bundeswehr angelieferten Fässer die radioaktiven Substanzen Cobalt 60, Strontium 90 und Cäsium 137 auf. Die strahlenden Abfälle seien in Beton eingebettet worden, heißt es in den Frachtpapieren.

Die Überprüfung der Inventarlisten für die Zeit von 1967 bis 1978 wird noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Allein die bisher bekannten Inventarlisten der Asse sind brisant genug, wenn man bedenkt, dass die Standsicherheit des Atommülllagers durch unkontrollierten Grundwassereintritt massiv gefährdet ist. In den Kammern des Berges lagern 125.787 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll, darunter sechs bis acht Kilogramm Plutonium.

Das ehemalige Bergwerk war von 1967 bis 1978 offiziell als Forschungsendlager genutzt worden, um verschiedene Lagertechniken zu erproben. Auf direktem oder indirektem Weg landete so Müll aus quasi jedem westdeutschen Atomkraftwerk tief unter dem Boden Niedersachsens. Dabei war offenbar von Anfang an klar, dass die einmal eingebrachten Abfälle nicht wieder aus dem Berg entfernt werden sollen.

Bis Ende des Jahres soll das Bundesamt für Strahlenschutz einen neuen Vorschlag machen, wie ein Schließungskonzept für die Asse aussehen könnte. Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten: Das Verfüllen des maroden Gesteins mit Beton und anschließender Flutung, die Umlagerung von Atommüll in tiefere und damit weniger gefährdete Teile des Bergwerks oder die Rückholung der strahlenden Fracht ans Tageslicht - mit späterer Einlagerung im benachbarten Endlager Schacht Konrad. Was auch immer passieren wird, klar scheint, dass der Bund alleine auf den Milliardenkosten für die Sanierung der Asse sitzen bleiben dürfte.

hda/dpa/ddp

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