Rätselhafte Ruinenstadt: Menschenopfer künden von Frühzeit Teotihuacáns

Unter der gewaltigen Sonnenpyramide in Mexiko haben Archäologen Kunsthandwerk und Knochen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus gefunden. Die Gegenstände werfen Licht auf die Anfänge der mysteriösen Metropole Teotihuacán. Forscher rätseln noch immer, wer die Stadt erbaute.

Archäologischer Fund in Mexiko: Maske und Menschenopfer Fotos
Mauricio Marat / INAH

Mexiko-Stadt - Mexikanische Archäologen haben im Zentrum der Sonnenpyramide von Teotihuacán Opfergaben aus der Bauzeit des Monuments entdeckt. Die Gegenstände aus Keramik und Obsidian, einem vulkanischen Gesteinsglas, stammen vermutlich aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Sie entdeckten zudem Figuren aus Jade und Tierknochen und sieben Gräber - einige davon von Kindern.

Die Ruinenstadt Teotihuacán gibt Archäologen immer noch Rätsel auf. Welches Volk die Metropole erbaute und dann bevölkerte, ist unklar. In der Zeit von 100 bis 600 nach Christus bildete Teotihuacán das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Mittelamerikas.

Ihren jetzigen Namen prägten die Azteken, die die Siedlung um das Jahr 1500 entdeckten - damals war die Stadt verlassen. Ihre Bewohner hatten sie vermutlich im 7. oder 8. Jahrhundert nach einem großen Brand aufgegeben. Die Größe der Stadt lässt darauf schließen, dass sie mindestens 25.000 Einwohner hatte, berichtet die Unesco, die Teotihuacán 1987 zum Weltkulturerbe erklärte.

Die gewaltige Sonnenpyramide, deren Grundfläche rund 220 mal 220 Meter beträgt, zählt zu den wichtigsten Gebäuden der Stadt. Seit 2008 hat ein Forscherteam im Fundament der 65 Meter hohen Pyramide gegraben. Es nutzte dabei einen älteren Tunnel, der jedoch nicht bis zum Zentrum der Pyramide führte.

Opfergaben für einen Regengott?

Ein auffälliges Fundstück ist eine fein geschnitzte grüne Maske. Die Archäologen des mexikanischen Instituts für Anthropologie und Geschichte (Inah) vermuten, dass es sich um ein Porträt handelt. Elf Keramikgefäße dienten wohl als Opfergabe für einen Regengott, der dem später von den Azteken verehrten Tlaloc ähnelte.

"Wahrscheinlich wurden die Weihegaben bei einer Zeremonie zu Baubeginn vor mehr als 1900 Jahren dort hinterlegt", sagte der Forscher Enrique Pérez Cortés.

Die an dem Projekt nicht beteiligte Archäologin Susan Gillespie von der University of Florida bezeichnete den Fund als aufregend und wichtig. Die Entdeckung verdeutliche, dass religiöse Riten in Teotihuacáns langer Geschichte Bestand hatten. Einige der Motive der nun gefundenen frühen Opfergaben zeigten sich auch auf Wandmalereien in der Metropole, die Jahrhunderte später entstanden seien. Die sieben an der Basis der Pyramide begrabenen Menschen wurden ihrer Ansicht zufolge geopfert - ebenso wie die Tiere, deren Knochen die Forscher entdeckt haben.

wbr/dpa/AP

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