Rangliste: Alkohol gefährlicher als Ecstasy und LSD
Alkohol und Tabak sind für die persönliche Gesundheit und die Gesellschaft schädlicher als Cannabis oder LSD, ergab eine Studie britischer Forscher. Die Experten stellen eine neue Drogen-Rangliste vor - und fordern einen radikalen Kurswechsel im Umgang mit Rauschmitteln.
Die Gesellschaftsdrogen Alkohol und Tabak fordern Jahr für Jahr allein in Deutschland Zehntausende Todesopfer - weit mehr als jede illegale Droge. Britische Forscher haben jetzt eine neue Drogen-Rangliste erstellt, die sowohl die Folgen für die individuelle Gesundheit und das Suchtpotential als auch den gesellschaftlichen Schaden einzelner Rauschmittel berücksichtigt.
Alkohol-Trinker: Forscher fordern neue Klassifizierung von Drogen
Nutt und seine Kollegen nutzten drei Faktoren, um die Schädlichkeit von 20 verschiedenen Drogen zu bestimmen: Welchen körperlichen Schaden die Substanz verursacht, wie stark sie abhängig macht und wie sich ihr Konsum auf die Gesellschaft auswirkt.
Zwei unabhängige Expertengruppen ordneten den verschiedenen Stoffen Punkte zu. In den jeweils neun Kategorien kamen Psychiater, Polizisten und Juristen mit medizinischem Fachwissen zu sehr ähnlichen Ergebnissen: Heroin und Kokain gehören ihrer Meinung nach zu den gefährlichsten Drogen, gefolgt von Barbituraten und illegal verkauftem Methadon. Alkohol belegte den fünften, Tabak den neunten Rang.
Gefährliche Drogen: Alkohol und Tabak sind unter den Top 10
Doch gerade mit diesen legalen Drogen gibt es die größten Probleme. Während in Europa jedes Jahr 7000 bis 8000 Menschen am Konsum illegaler Drogen sterben, fordert der Alkoholmissbrauch allein in Deutschland mehr als 40.000 Tote pro Jahr, wie das Bundesgesundheitsministerium errechnet hat. Auch unter Kindern und Jugendlichen nehmen Alkoholvergiftungen zu. Am Tabakkonsum sterben unterschiedlichen Studien zufolge gar 110.000 bis 140.000 Deutsche pro Jahr.
"Das momentane Drogen-System ist durchweg krank und willkürlich", sagte Nutt der Nachrichtenagentur AP. Es gebe aus wissenschaftlicher Sicht keinen Grund dafür, dass Alkohol und Tabak nicht unter das Drogengesetz fallen sollten. Er und seine Kollegen rufen zum Umdenken auf. "Alle Drogen sind gefährlich", sagte Nutt. "Auch solche, die Leute kennen, lieben und jeden Tag zu sich nehmen".
may
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